13 neue Stolpersteine erinnern an die NS-Opfer aus Singen. Schüler des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums finanzieren zwei der Gedenktafeln.
Singen – Die grauen Wolken schienen wie eine Geste des Himmels, im matten Licht glänzten die Messingtafeln aus dem Asphalt. Das Befreien von Sand war symbolisch: Die „Stolpersteine“ sollen Menschen, die Opfer der NS-Zeit in Singen wurden, vor dem Vergessen bewahren. Dieses bundesweite Kunstprojekt rief Gunter Demnig ins Leben, 13 weitere Gedenktafeln hat der Künstler für die Initiative „Stolpersteine für Singen“ verlegt.
„Die Stolpersteine sollen uns an die Menschen erinnern und uns bewusst machen, dass wir anders handeln müssen“, erläuterte Hans-Peter Storz das Anliegen der Initiative. Oberbürgermeister Oliver Ehret appellierte an die zahlreichen Interessierten schon bei der ersten Steinlegung in Hausen, nicht wegzuschauen und Courage zu beweisen, dass so etwas nie wieder vorkommt.
Zu jedem Namen auf den Stolpersteinen erfuhren die Anwesenden über die Biografien der Betroffenen, die von Angehörigen oder Mitgliedern der Initiative zusammengestellt und vorgetragen wurden. Die Klasse 9e des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums hatte über Helene Löwinstein und ihren Sohn Max recherchiert, dazu Aktionen organisiert, mit deren Erlös sie beide Stolpersteine auch überwiegend finanziert haben. Unter den Betroffenen dieser zweiten Steinverlegung waren zum ersten Mal auch Opfer der Euthanasieverbrechen. Menschen mit Behinderung wurden im NS-Regime ab 1940 in der Tötungsindustrie in Grafeneck bei Münsingen ermordet. Die Biografien von drei Erwachsenen und einem Jungen hatte Claudia Ehret aufgearbeitet, selbst Mutter einer behinderten Tochter.
Die Steinlegung für den ermordeten elfjährigen Albert Kapitel war ein berührender Moment. Pauline Ehret hatte nach Gesprächen zuhause aus eigenem Antrieb an den ermordeten Albert einen Brief geschrieben. Darin schildert sie unter anderem, dass ihre Familie von ihrer behinderten Schwester Amelie auch gelernt hätte, dass es Menschen gibt, die nicht alles können und Unterstützung brauchen.
„Die Stolpersteine sind ein Appell, sich einzusetzen, dass diese Zeiten sich nicht wiederholen“, richtete Heinz Kapp als Initiator der Singener Initiative seinen Dank an die Biografen. Die Aufarbeitung der Lebensgeschichten der Betroffenen sei für sie auch seelisch belastend gewesen.