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Singen Stadtgeschichte in alten Akten

09.03.2010


Singen – Der rege Besucherstrom sprach dafür: Dokumentierte Stadtgeschichte ist keine verstaubte Angelegenheit von gestern. Zahlreiche Besucher nutzen am Tag der Archive die Gelegenheit, einen Einblick in das Singener Stadtarchiv zu erhalten.

Stadtarchivarin Reinhild Kappes und ihr Team präsentierten anschaulich eine Auswahl interessanter Themen und berichteten über die Archivarbeit.

Gut vier Kilometer Akten umfasst heute das Stadtarchiv, etwa 4000 ausgesonderte Akten von der Stadtverwaltung kommen jährlich dazu. Hier wird auch die Stadtchronik geführt und das Singen Jahrbuch zusammengestellt. Eng wurde es bei den Führungen durch den schmalen gut 50 Meter langen Gang zwischen der Rollblockanlage, in der die Akten untergebracht sind. Zu den Schätzen der historischen Sammlung gehören die Rechnungsbücher bis zurück ins 17. Jahrhundert.

Schon ihr Anblick ließ manch einen ehrfürchtig staunen: Von ansehnlicher Dicke, der Einband und die Seitenränder leicht verstaubt und von Hand mit Sorgfalt geschrieben. Im Rechnungsbuch aus dem Jahre 1841 ist vermerkt, dass in der Gemeinde Singen 1295 Seelen lebten, aber nur 192 mit Besitz und Geld, die als Bürger zählten. Die Revolutionsakte von 1848-49 wurde vernichtet, es gibt aus der Zeit auch keine Gemeinderatsbeschlüsse. Stadtarchivarin Reinhild Kappes schließt daraus, dass man diese Zeit auslöschen wollte. Die Singener Geschichte durch die Jahrhunderte stieß auf großes Interesse der Besucher, zu angeregten Gesprächen kam es über die miterlebte Geschichte der jüngsten Vergangenheit.

Zum Thema bauliche Veränderungen in der Innenstadt erregten sich die Gemüter. Beispiele dafür waren Originalpläne und Fotos des ehemaligen Central Hotels Schweizerhof, das dem heutigen Woolworth weichen musste. Oder das ehemalige Haus der Familie Hepp, an dessen Stelle Karstadt gebaut wurde. Abreißen sei der Stil der damaligen Zeit gewesen, meinte ein Besucher, schlimm sei, dass es heute auch noch so gemacht werde.

Bei zahlreichen Besuchern weckte der Einblick in die historischen Unterlagen Erinnerungen. Elfriede Baldus erinnerte sich gut an den Tanztee im Royal im Schweizerhof, wo ihr Vater sie Anfang der 1960er Jahre mit dem Moped hinfuhr und sie danach zu Fuß nach Hausen an der Aach zurückging.Viele Besucher konnten am diesem Tag selbst erfahren, dass ein Archiv keine verstaubte Materie ist, sondern die Vergangenheit wieder aufleben lassen kann.

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