Der Sparkasse Singen-Radolfzell steht aller Voraussicht nach ein bedeutender Personalwechsel bevor: Der langjährige Vorstandsvorsitzende Volker Wirth könnte kommende Woche neuer Chef der deutlich größeren Sparkasse Pforzheim Calw werden.
Hintergrund: Die Sparkasse
Kommentar: Wirths Gespür
Er hat nach SÜDKURIER-Recherchen beste Chancen auf diesen Posten. Neben ihm gibt es noch zwei weitere Kandidaten: die beiden amtierenden Pforzheimer Vorstandsmitglieder Stephan Scholl und Hans Neuweiler.
In gut informierten Bank-Kreisen wird der Singener Kandidat aktuell als absoluter Favorit in diesem Bewerbertrio gehandelt. Nach internen Beratungen des Pforzheimer Geldhauses soll Wirth bereits für die Wahl im Verwaltungsrat vorgeschlagen worden sein, mit deutlichem Abstand zu seinen Mitbewerbern, heißt es. Am kommenden Montag trifft sich der Pforzheimer Verwaltungsrat und wählt den neuen Vorstandsvorsitzenden. Der Posten ist lukrativ. Das Geldhaus in der Goldstadt Pforzheim ist die größte Sparkasse des Landes Baden-Württemberg und die elftgrößte bundesweit. Ihr Chef ist einer der mächtigsten Banker im Lande.
Sollte Wirth gewählt werden, würde das für ihn persönlich einem karrieretechnisch riesigen Sprung gleichkommen: Das aus den Sparkassen Enzkreis, Calw und Pforzheim fusionierte Haus hat eine Bilanzsumme von über 10 Milliarden Euro und beschäftigt 2057 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Die Sparkasse Singen-Radolfzell hat 512 Mitarbeiter und setzt 2,615 Milliarden Euro um.
In Pforzheim tobt intern offenbar ein heißer Kampf um den Posten, melden gut informierte Beobachter. Auch politisch gebe es Schwingungen, denn ein Sparkassenchef ist für jede Kommune wichtig (siehe Kasten). Es werde eine spannende Wahl, die bis zum Ende offenbleiben könnte, wird vermutet. Wirth selbst hält sich an die Spielregeln in solchen Fällen: Er sagt nichts. Keine Bestätigung, kein Dementi. „Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich nicht zur Wahl eines neuen Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Pforzheim Calw äußern möchte.“
Singens OB Oliver Ehret, Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrates, äußerte sich auf SÜDKURIER-Nachfrage: „Ich würde es sowohl menschlich als auch fachlich sehr bedauern, wenn Volker Wirth uns verlassen würde.“ Sein Radolfzeller OB-Kollege Jörg Schmidt: „Volker Wirth ist ein Sparkassler mit Leib und Seele und hat bei uns über Jahre hervorragende Arbeit geleistet.“
Wirth hat den Markt in den vergangenen zehn Jahren seines Wirkens als Sparkassenchef bestens im Griff gehabt. Sein Geldhaus ist das deutlich größte, die Volksbank Hegau im Vergleich dazu winzig – und muss wie berichtet mit der Volksbank Villingen fusionieren. Wirths Sparkasse ist der Platzhirsch im Hegau. Einen erfolgreichen Boss könnte Pforzheims Groß-Sparkasse gut gebrauchen. Dort sei wirtschaftlich noch Luft nach oben, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Und Wirth werde für diese Optimierung als der richtige Mann angesehen. Landesweites Vertrauen genießt der Hegauer längst: Wirth ist Landesobmann des Sparkassenverbandes, eine höchst ehrenvolle Aufgabe.
Wenn Wirth gehen sollte, wer wird dann neuer Chef in Singen und Radolfzell? Zwei mögliche Aspiranten gibt es automatisch: Udo Klopfer und Jens Heinert. Beide gehören dem Vorstand an. Heinert kam vor wenigen Jahren als Verstärkung, weil Wirth wegen seiner Verbandsaufgaben häufig auswärts im Einsatz ist. Nach Wirths möglichem Weggang könnten dann wohl wieder zwei Sparkassenchefs ausreichen, wird in Bankkreisen vermutet. Aber wer von beiden die neue Nummer eins werden könnte, darüber wollte gestern niemand öffentlich spekulieren.