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Singen So klingt der Hegau: Ein studierter Panflötist

Mathias Klingler spielt die rumänische Panflöte. Drei Jahre hat er das exotische Instrument in Bukarest studiert.

Dunkelhaarige Straßenmusikanten in wallenden Ponchos: Die meisten Menschen im Hegau dürften ein klares Bild im Kopf haben, wenn das Stichwort Panflöte fällt. Mathias Klingler dagegen hat eine ganz andere Assoziation zu dem Instrument seiner Wahl: „Die Panflöte ist das Nationalinstrument von Rumänien", verrät der 35-jährige Singener.

Die Version des Instruments, die er schon seit über zwei Jahrzehnten spielt, lässt sich eher in den Karpaten als den Anden verorten. Ihr tatsächlicher Ursprungsort könnte sogar noch weiter südlich liegen. „Unterschiedliche Arten der Panflöte findet man auf der ganzen Welt. Man kann aber davon ausgehen, dass die osteuropäische Panflöte aus dem Iran importiert, irgendwann ihren Weg in die rumänische Folklore gefunden hat", erklärt der Singener Musiker.

Klingler selbst hat sich seinem Instrument langsam angenähert. Als ältester Sohn einer Musikerfamilie wagte der junge Mathias die ersten musikalischen Gehversuche zunächst an Orgel und Klavier. Sein Vater, der 1976 aus Rumänien in den Hegau gekommen war, spielte damals schon die Panflöte. Mathias durfte ihn dabei am Klavier begleiten. Nicht verwunderlich, dass in dem talentierten Kind im Laufe der Zeit der Wunsch aufkeimte, auch einmal die Rollen zu tauschen. "Mit 13 Jahren habe ich dann mit der Panflöte angefangen. Und mit 14 hatte ich zusammen mit meinem Vater in Gailingen meinen ersten Auftritt.", erinnert er sich. "Wir haben damals eine Mischung aus rumänischen Volksliedern, klassischen Stücken und Unterhaltungsmusik gespielt." Auch wenn er vorher ziemlich nervös war, klappte alles gut.

Entsprechend angespornt, bildete sich der junge Flötist weiter fort. Fünf Jahre lang besuchte er einmal im Monat einen professionellen Panflöten-Lehrer in München. Seminare in der Schweiz und Frankreich sollten folgen. Dann nach dem Abitur, die Entscheidung: "Ich wollte mein Hobby zum Beruf machen", erklärt Klingler. Er entschloss sich, nach Bukarest zu ziehen, um das ungewöhnliche Instrument quasi direkt am Herkunftsort zu studieren. Neben der Instrumentenkunde standen für ihn in den nächsten drei Jahren Fächer wie Gehörbildung, Musikgeschichte, Komposition, Gesang und Dirigieren auf dem Stundenplan. Doch auch wenn die Familie väterlicherseits aus Rumänien stammt, war es Klingler während dieser Zeit immer klar, dass er nach Singen zurückkehren würde. Heute verdient er hier als freiberuflicher Musiker und Musiklehrer an der familieneigenen Akademie seinen Lebensunterhalt.

Sein Instrument begeistert ihn nach wie vor: "Die Panflöte ist ein sehr ausdrucksstarkes Instrument." Besonders faszinieren ihn die klanglichen Nuancen, die sich dem filigran gefertigten Holzblasinstrument entlocken lassen. „In dem Moment, in dem die Taste eines Klaviers gedrückt ist, hat man eigentlich keine Möglichkeit mehr, den Ton zu beeinflussen", beschreibt Klingler. "Das ist bei der Panflöte anders." Ähnlich wie bei der Geige und der menschlichen Stimme spiele es nämlich eine enorme Rolle, wie lange und wie genau man den einmal angeschlagenen Ton erklingen lässt.

Die Bindung zu seinem Instrument ist für Klinger auch in soweit intim, als dass er auch an der Herstellung beteiligt ist. "Eigentlich kann man aus allen Hölzern eine Panflöte bauen", weiß der Flötenexperte. Je nach Härte des jeweiligen Holzes, unterscheide sich der Klang. Die rumänische Panflöte sei immer auch ein Unikat: "Aufgrund der Wölbung des Instruments kann eine solche Flöte nur in Handarbeit angefertigt werden", erklärt Klingler. Besonderen Wert legt er auf die obere Öffnung der hölzernen Röhrchen, die es mit Schmiergelpapier mühevoll abzuschleifen gilt. "Dieser Teil des Instruments, wo die Lippen ansetzen, ist für den Klang enorm wichtig." Je nachdem, in welchem Winkel der Luftstrom eindringt, ändere sich nämlich der Ton. Gestimmt wird die Panflöte wiederum durch das Verschieben von passend eingesetztem Bienenwachs.

Den größten Teil seiner Zeit investiert der junge Familienvater aber in das Unterrichten. "Sieben Panflöten-Schüler habe ich hier in Singen. Acht weitere in Sigmaringen." Gerade dadurch, dass das Instrument von vergleichsweise wenig Menschen gespielt wird, ist der Einzugsbereich für die Musikakademie Klingler umso größer. "Wir haben zum Beispiel regelmäßigen Kontakt ins Sauerland", berichtet der 35-Jährige. Ein Pfarrer hatte vor Jahren bei den Klinglers angefragt, ob sie nicht einen Panflöten-Seminar in seiner Heimat ausrichten könnten. Ein Wunsch, der ihm natürlich gerne erfüllt wurde. Freuen würde sich die musikbegeisterte Familie auch, wenn mit Klinglers eineinhalb Jahre altem Sohn der Jüngste bald schon die Panflöten-Tradition fortsetzen würde.

 

Die Serie

Der SÜDKURIER erkundet, welche Musik unsere Region prägt. Dazu haben wir die unterschiedlichsten Künstler in Singen und Umgebung besucht. Wir haben sie gefragt, was sie inspiriert und welchen Einfluss ihre Heimat auf die Klänge hat, die sie ihren Instrumenten entlocken – vom Alphorn bis zur E-Gitarre. Damit Sie auch tatsächlich hören können, wie der Hegau klingt, haben wir unsere Erkundungsreise mit einer Videokamera begleitet.

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