Der Geschäftsführende Direktor der Grund-, Haupt-, Förder- und Realschulen in Singen, Thomas Kessinger, sieht sich für seine Ekkehard-Realschule außer Stande, die individuelle Förderung von leistungsschwächeren Schülern mit seinem Personalschlüssel abzudecken. „Bei der Zuteilung von Förderstunden herrscht schon ein krasses Ungleichgewicht“, klagt Kessinger. In der vierzügigen Ekkehardrealschule stehen für den Förderunterricht gerade mal sechs Lehrerstunden zur Verfügung. 45 Lehrer unterrichten hier 630 Schüler.

Auch Thomas Umbscheiden vom Engener Schulzentrum sieht die pauschale Abschaffung der „Ehrenrunde“ kritisch. Manche Schüler brauchten ein zusätzliches Jahr für ihre persönliche Entwicklung. Er sieht eine weitere Gefahr: „Bei Kindern, die nicht lernen wollen, fällt dann auch noch die letzte Motivation weg.“
Die Schüler der Robert-Gerwig-Schule in Singen finden die Idee der Landesregierung nicht gut. Der 20-jährige Dominico Ricardo ist einer von ihnen: „Ich finde die Abschaffung des Sitzenbleibens nicht gut. Dann werden schlechte Schüler einfach immer mitgezogen.“ Auch sein Freund Isa Akdar glaubt, dass das Klassenklima darunter leiden könnte: „Dann hat man doch überhaupt keine Motivation mehr.“
Manfred Hensler, Schulleiter der Robert-Gerwig-Schule, sieht das Sitzenbleiben nicht als Strafe, sondern als „sinnvolle, pädagogisch überlegte Maßnahme“. Wenn diese Möglichkeit wegfalle, werde das böse Erwachen am Ende der Schullaufbahn kommen. An eine individuelle Förderung ist in seinem Haus angesichts der Lehrerknappheit nicht zu denken. Hier ist jetzt schon nur 92 Prozent des Pflichtunterrichts durch Lehrkräfte abgedeckt.
Die Schüler der Gewerbeschule Julia Rein (18) und Dirk Gebhardt (19) sind davon überzeugt, dass eine Ehrenrunde nicht schlimm ist. Obwohl Julia selbst noch keine Klasse wiederholen musste, findet sie nicht, dass es eine Strafe ist. „Dadurch haben viele schlechte Schüler noch mal eine Chance auf einen guten Abschluss“, sagt sie. Auch ihr Klassenkamerad Dirk Gebhardt ist wenig begeistert vom Vorschlag der Landesregierung. „Wenn es das Sitzenbleiben nicht mehr gibt, wie sollen sich schlechte Schüler überhaupt noch motivieren können“, fragt er. Außerdem findet er, dass es das falsche Zeichen für gute Schüler sei. Denn was sollen denn gute Schüler davon halten, wenn schlechte Schüler mit miesen Leistungen immer mitgezogen werden. „Das demotiviert doch auch die guten Schüler und senkt somit den kompletten Klassenschnitt“, so Dirk Gebhardt.
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