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04.02.2013  |  von  |  2 Kommentare

Singen Singen könnte Fahrradstadt werden

Singen -  Montags bei Trautmann: Karl Berni wünscht sich deutlich bessere Verkehrsbeziehungen für Radfahrer in Singen. Ein Gutachten und der Fahrradclub ADFC bestätigen seine Beobachtungen. Jetzt will auch die Stadt fahrradfreundlicher werden.

Karl Berni hält nichts von Helmpflicht. Im Montagsgespräch mit Gudrun Trautmann über die Fahrradstadt Singen spricht er sich für ein verantwortungsbewusstes und rücksichstvolles Verhalten aller Teilnehmer am Straßenverkehr aus. Was die Radwege in Singen angeht, so sieht der passionierte Radfahrer noch jede Menge Verbesserungsmöglichkeiten.  Bild: Sabine Tesche

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Redakteurin Singen

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Herr Berni, sind Sie zum Gespräch mit dem Fahrrad gekommen?

 

Selbstverständlich. Wenn die Straßen nicht gerade vereist sind, fahre ich auf jeden Fall mit dem Rad in die Stadt.

 

Und was sagen Sie zum Thema Helmpflicht?

 

Davon halte ich nicht viel. Ich bin dagegen, dass man den Leuten alles vorschreibt. Jeder sollte selber entscheiden, ob er einen Helm trägt.

 

Tragen Sie einen Helm?

 

Ehrlich gesagt, nicht immer. In manchen Situationen, zum Beispiel beim Einkaufen, ist so ein Helm sehr unpraktisch.

 

Aber Sie haben einen Helm. Hat er Sie schon einmal geschützt?

 

Ich hatte einen Zusammenstoß mit einem anderen Radfahrer. Wir hatten beide Schürfwunden, aber nichts Schlimmeres. Erst danach habe ich mir einen Helm zugelegt. Danach ist zum Glück nichts mehr passiert.

 

Sie haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit Vorschlägen zur Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer eingebracht. Beim ADFC, bei den Freien Wählern und bei der Stadt. Warum tun Sie das?

 

Weil ich finde, dass Singen durchaus eine tolle Fahrradstadt werden kann. Die Bedingungen dafür sind optimal. Die Topographie stimmt. Es gibt in der Stadt nur wenige Steigungen und die Umgebung ist ideal zum Radfahren.

 

Und woran krankt das Singener Radwegenetz?

 

Es gibt leider keine Durchgängigkeit im Radverkehrsnetz. Das ist ein gravierender Mangel. Der einzige durchgängige Radweg von Ost nach West ist der an der Georg-Fischer-Straße. Eine durchgängige Nord-Süd-Verbindung gibt es nur entlang der Aach. Das ist eindeutig zu wenig, wenn man die Menschen ermuntern möchte, für kürzere Wege das Fahrrad zu nehmen. Sehr schlecht ist auch, dass viele Radwege unvermittelt enden und auf der Straße landen. Generell hat mich immer gestört, dass Radfahrer erst an dritter Stelle kommen.

 

Wie meinen Sie das?

 

Im Bewusstsein der Öffentlichkeit stehen die Autofahrer an erster Stelle, dann kommen die Fußgänger und erst dann die Radler.

 

Woran liegt das? Sind die Fahrradfahrer durch ihre Verhaltensweisen vielleicht selber Schuld daran, dass sie so stiefmütterlich behandelt werden? In einer aktuellen Diskussion werden sie als Rüpel charakterisiert, weil sie sich an keine Regeln halten.

 

Die Kritik ist nicht ganz falsch. Tatsächlich gibt es viele Radler, die bei Dunkelheit ohne Licht fahren. Das geht aus meiner Sicht gar nicht und sollte viel stärker kontrolliert werden. Ich bin aber der Meinung, dass generell zu wenig Disziplin im Straßenverkehr herrscht. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer: Radler, Autofahrer und Fußgänger. Alle kennen die Regeln. Aber manche Radfahrer lassen sich durch ihr ausgeprägtes Freiheitsgefühl zum Regelverstoß verleiten. Viele Probleme könnte man reduzieren, wenn alle Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nähmen und sich nach dem Grundsatz „leben und leben lassen“ verhielten.

 

Was halten Sie davon, die Singener Fußgängerzonen für Radfahrer freizugeben?

 

Das ist zuerst eine Frage der Verkehrsregelung. Aber mit der Außengastronomie in der Sommersaison ist das wohl in der August-Ruf-Straße nicht möglich. In der Scheffelstraße könnte ich mir allerdings einen markierten Mittelstreifen für Radfahrer vorstellen.

 

Was sind aus Ihrer Sicht die gefährlichsten Strecken für Radfahrer in Singen? Und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf.

 

Die Ekkehard- und die Freiheitstraße sind sehr gefährlich. Überhaupt sollte man sich zuerst einmal auf die Innenstadt konzentrieren, um auch die Kosten im Rahmen zu halten. Untersuchungen haben ergeben, dass Radfahrer in einem Radius von vier bis fünf Kilometern in einer Stadt schneller am Ziel sind, als Autofahrer. Wenn mehr Menschen ihre Einkäufe mit dem Rad erledigen würden, so könnte man den Parksuchverkehr reduzieren. Dazu bräuchte man aber viel mehr und bessere Abstellplätze in der Innenstadt.

 

Die Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV) hat das Singener Radwegenetz untersucht und 157 Punkte gefunden, die man verbessern kann. Singen nimmt sich die Punkte schrittweise vor. Was ist schon umgesetzt?

 

Vieles ist in Bewegung. Erst einmal wurde ja der Etat für den Radverkehr verdoppelt. Noch in diesem Jahr soll die Hegaustraße zur Radfahrstraße umgewandelt werden. Die Radwegepflicht in der Uhland- und Beethovenstraße wurde aufgehoben, weil das Tempo-30-Zonen sind. Und in der Hohenkrähenstraße wurde ein Radweg markiert. Es tut sich also was. Wenn die Bedingungen stimmen, werden immer mehr Menschen das Fahrrad als individuelles Verkehrsmittel nutzen. Kosten- und Zeitersparnis sind wichtige Argumente.

 

Woher kommt Ihr ausgeprägtes Interesse an einem gut ausgebauten Radwegenetz?

 

Ich bin schon immer viel Fahrrad gefahren. Im Jahr komme ich sicher auf 2500 Kilometer. Zusammen mit meiner Frau und mit Freunden habe ich seit 1991 etliche Flussradtouren gemacht und gesehen, dass es in anderen Städten zum Teil besser geht. Ich habe mich geärgert über die Radfahrsituation in Singen und habe mich deshalb mit meinen Beobachtungen an die Freien Wähler gewendet. Mittlerweile gibt es ja einen Arbeitskreis, der sich mit dem Radverkehr in Singen beschäftigt. Es tut sich was.

 

Planen Sie für 2013 eine Radtour?

 

Vielleicht fahren wir an der Isar oder am Inn entlang.


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2 Kommentare
Helmpflicht
Da würde ich Sie Herr Berni am liebsten mal zu einem Besuch an meine frühere Arbeitsstelle, das Hegau-Jugendwerk, mitnehmen um Ihnen zu zeigen, was aus dummen Köpfen geworden ist, die wie Sie gemeint haben, ach eigentlich ja, schon einen Helm tragen, aber Helmpflicht nein, das dann aber doch nicht. Die auch nur mal kurz mit dem Rad um die Ecke zu einem Freund oder schnell was einkaufen gefahren sind und dann mit schwerem Schädel-Hirntrauma auf Intensiv aufgewacht sind, oder evtl. immer noch im Wachkoma liegen. Ich möchte Ihnen dringend ans Herz legen, in so einer fahrradunfreundlichen und autogeilen Stadt wie Singen immer mit Helm zu fahren,

Edwin Quetting
Danke
Danke für Ihren Einsatz, Herr Berni.
Ich freue mich über jede Verbesserung für Radfahrer in Singen. und wenigstens geht Ihnen die Arbeit für die nächsten Jahre nicht aus.
Im aktuellen ADFC Fahrradklimatest liegt Singen auf Platz 157. Da ist sicher noch Luft nach oben.
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