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Singen Samtpfote verzweifelt gesucht

Hartnäckig halten sich bei Katzenhaltern Gerüchte über eine osteuropäische Fänger-Mafia. Fachleute, beispielsweise vom Landesnaturschutzverband, widersprechen.

Seit Monaten sucht Ilka Singer ihren Maine-Coone-Kater Shushu, der plötzlich spurlos verschwand. Zurück blieben ihr die Nachkommen des Zuchtkaters, wie hier sein Sohn, der fast so aussieht wie der gesuchte Shushu.
Seit Monaten sucht Ilka Singer ihren Maine-Coone-Kater Shushu, der plötzlich spurlos verschwand. Zurück blieben ihr die Nachkommen des Zuchtkaters, wie hier sein Sohn, der fast so aussieht wie der gesuchte Shushu. | Bild: Jadis Walden

Woche für Woche reihen sich Suchanzeigen für vermisste Katzen in den Zeitungen aneinander. Demgegenüber stehen Annoncen von zugelaufenen Katzen. So finden oft die Katze und ihr Mensch wieder zusammen. Ilka Singer aus Rielasingen-Worblingen indes sucht seit Monaten nach zwei Katzen, die als Freigänger unterwegs waren. Beide unkastrierten Kater, einer schwarz und einer getigert, sind innerhalb einer Woche spurlos in der Nähe des Gasthofes Hardgarten verschwunden. Besonders ihren prächtigen Maine-Coone-Kater Shushu vermisst die Hobby-Züchterin schmerzlich. „Er war ein toller Kerl mit einem speziellen Charakter“, erinnert sie sich. Sie ist fest überzeugt, dass beide Kater professionell von einer Katzenfänger-Mafia aus Osteuropa geklaut wurden, damit ihre abgezogenen Felle an Rheuma-Kranke verkauft werden. „Sonst wären nicht beide Kater innerhalb weniger Tage spurlos verschwunden. Das kann doch kein Zufall sein“, argumentiert Ilka Singer in ihrer Verzweiflung.

Doch Anfragen in den Tierheimen Singen und Konstanz sowie bei verschiedenen Katzenhilfen in der Region ergaben diesbezüglich keine erhöhten Fallzahlen in den letzten zwölf Monaten. „Die Gerüchte halten sich hartnäckig“, gibt Martina Klausmann vom Landestierschutzverband in Karlsruhe Auskunft. „Uns ist aber kein einziger bestätigter Fall von Katzenfängern bekannt. Es gibt tausend Gründe, warum Katzen verschwinden: Sie werden überfahren oder einfach mitgenommen. Rassekatzen werden oft weiterverkauft. Katzen werden auch aus Versehen eingesperrt und kommen erst nach Tagen wieder raus oder verhungern sogar. Und manche Katzen suchen sich ganz einfach ein neues Revier. Bei unkastrierten Katzen ist das oft der Fall.“

Dennoch verbreiten Katzenhalter untereinander das Gerücht vom organisierten Katzenklau, im Internet treiben diese Geschichten gar wunderliche Blüten. Kisten, die angeblich zur Altkleidersammlung von privaten Unternehmen aufgestellt werden, sind mit speziellen Duftstoffen präpariert, um die Katzen anzulocken, heißt es in manchen Tier-Foren. Und selbst Wäschekörbe, in denen Schuhe gesammelt werden sollen, seien Fallen. Dem sind deutschlandweit mehrere Tierschutzverbände nachgegangen. Sie haben diese Container in Labors ergebnislos chemisch untersuchen lassen. „Wenn es diese fantastischen Lockstoffe gäbe, dann müssten wir uns nicht nächtelang mit Marderfallen und Fangnetzen auf die Lauer legen, um streunende Katzen einzufangen“, sagt Ute Schmidt, die eine private Katzenhilfe auf der Höri organisiert. „Im ländlichen Osteuropa streunen herrenlose Katzen massenhaft herum. Die Katzenfänger müssen nicht hierher kommen, um nachts mühsam Tier für Tier einfangen“, sagt sie. Ebenso wenig werden Katzen an Versuchslabore verkauft. Dazu Martina Klausmann: „Das ist heute gesetzlich verboten. Außerdem nehmen Labore für die Forschung eigens gezüchtete Tiere, damit die Versuchsergebnisse vergleichbar sind.“ Trotzdem werden Gerüchte um organisierten Katzenklau weiter brodeln, weiß sie: „Aber mit Panikmache ist keinem geholfen. Besonnenheit bei der Suche hilft mehr.“

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