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Singen SPD stimmt sich in Singen auf Wahl ein

Bei beißender Kälte stimmte sich die SPD in Singen auf die Wahl ein: Sozialdemokratische Themen lägen in der Luft.

Er freut sich über den Jubel in der Singener Stadthalle: Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier winkt dem Parteitag in Singen zu. Links von ihm die Landesvorsitzende Ute Vogt und Generalsekretär Jörg Tauss. Rechts die Tübinger Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis.
Er freut sich über den Jubel in der Singener Stadthalle: Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier winkt dem Parteitag in Singen zu. Links von ihm die Landesvorsitzende Ute Vogt und Generalsekretär Jörg Tauss. Rechts die Tübinger Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis. | Bild: Tesche

Singen – Beißend kalt ist es unterm Hohentwiel. Ute Vogt vertreibt sich die Zeit publikumswirksam mit einem Polizeihund und einem Plausch mit dessen Besitzer. Fotografen und Kameraleute sind eh schon in Position für die Ankunft des Stargasts beim Landesparteitag der Südwest-SPD. Endlich, kurz vor 16 Uhr, schwenkt die Wagenkolonne ein auf den kahlen Platz zwischen Singener Rathaus und Stadthalle. Frank-Walter Steinmeier, Außenminister, roter Kanzlerkandidat und Hoffnungsträger, trifft ein. Er kommt direkt aus Sachsen-Anhalt.

Doch jetzt ist der derzeit populärste Sozialdemokrat erst einmal in Singen, um den Genossen in der roten Diaspora Baden-Württemberg Mut zu machen. Steif sei er, wird gelegentlich behauptet. Doch die knapp bemessene Zeit nutzt der Westfale für freundliche Plaudereien, er schüttelt Hände und gibt Autogramme, sogar auf einen Fußball, dem schon die Luft entweicht.

Kaum steht der Mann, dem nachgesagt wird, er sei nicht gerade der brillanteste Rhetoriker, am Mikrofon, stachelt er in freier, flüssiger Rede an. Zunächst zum Schutz der Demokratie, gerade in Krisenzeiten. „Keinen Handbreit Platz für die“ – aufgebracht erinnert Steinmeier daran, dass just am Tag seines Auftritts in Südbaden brauner Mob in Dresden die Erinnerung an die Zerstörung der Stadt am 14. Februar 1945 für seine Zwecke missbraucht.

Nur knapp 45 Minuten braucht der Spitzenkandidat, um Wut und Verachtung über die Verantwortlichen der Wirtschaftskrise auszuspucken („ich könnte ausrasten“), die Konsequenzen weltweit und national zu skizzieren, die Genossen auf immense Aufgaben im Inland einzustimmen und nebenbei den Koalitionspartner zu klopfen. Sollte die nächste Bundesregierung von ihm geführt werden, will der Sohn eines Tischlers und einer Fabrikarbeiterin die Menschen, „die schon im Aufschwung zurückgeblieben sind“, schleunigst „nach unten absichern“. Soziale Sicherungen wie Mindestlohn, Konjunkturpaket, Verlängerung der Kurzarbeiterzahlungen sind die roten Linien in seiner Agenda. Aber auch „Bildung, Bildung, Bildung“, Gebührenfreiheit vom Kindergarten bis zum Examen.

Bevor Steinmeier wieder entschwindet, lässt er sich mit den einzelnen Kandidaten ablichten, damit sein Konterfei auch auf Plakaten quer durch den Südwesten prange. Das war die eigentliche Aufgabe des Landesparteitags, die Liste für die Bundestagswahl. Sie wird angeführt von Ute Vogt, die damit einen Schlussstrich unter ihr glückloses Dasein im Landtag zieht. 85 Prozent gewährten ihr die Delegierten. Etliche Genossen fuhren deutlich bessere Ergebnisse ein. Allen voran Gernot Erler, Steinmeiers Staatssekretär aus Freiburg: sagenhafte 98 Prozent. Oder Karin Roth aus Esslingen, die Staatssekretärin im Verkehrsministerium. Sie geht mit 88,22 Prozent ins Rennen.

Zum Abschied empfahl Vogt Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), er möge „der FDP die Tür weisen und die Grünen an die Brust legen. Die liegen Ihnen ja schon lange zu Füßen.“ Mit Steinmeier ist sie sich einig, dass die Zeit reif sei für ein rotes Jahrzehnt. „Sozialdemokratische Themen liegen in der Luft“.

Der Meinung waren offenbar auch viele Delegierte. Es gab deutlich mehr Interessenten als der SPD im Land Listenplätze zur Verfügung stehen. Hermann Scheer, dem Träger des alternativen Nobelpreises, wurde auf Vorschlag des früheren baden-württembergischen Innenministers Frieder Birzele Platz neun vom gerade 25-jährigen Juso Sascha Binder aus Göppingen streitig gemacht. Der 64-jährige Scheer („ich kann noch einbringen, was andere nicht können“) setzte sich mit nur 68,9 Prozent durch. Auch die 29-jährige Konstanzerin Jana Zirra, die erstmals für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim antritt, bekam Konkurrenz. Anne Jenter, gestandene Gewerkschafterin aus Oberschwaben, wollte ihr den ohnehin wackligen Platz 22 abluchsen.

Doch Zirra, die im Wahlkreis Nachfolgerin von Marion Caspers-Merk, der Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, werden will, kam mit 72 Prozent durch. Keine Probleme hatten der Konstanzer Peter Friedrich und die Waldshuterin Rita Schwarzelühr-Sutter. Sie traten ohne Konkurrenz für die Plätze zehn und 17 an.

Forsch ging Friedrich Scheerer, der Bürgermeister von Mönchweiler im Schwarzwald, die Sache an. Gesetzt war der 50-Jährige auf Platz 37, warf aber für Position 21 den Hut in den Ring. 5,5 Prozent erhielt der wackere Schwarzwälder und wurde schließlich auf Platz 35 gewählt. „Mut wird belohnt“, kommentierte Scheerer sein Abenteuer.

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