Singen – Beißend kalt ist es unterm Hohentwiel. Ute Vogt vertreibt sich die Zeit publikumswirksam mit einem Polizeihund und einem Plausch mit dessen Besitzer. Fotografen und Kameraleute sind eh schon in Position für die Ankunft des Stargasts beim Landesparteitag der Südwest-SPD. Endlich, kurz vor 16 Uhr, schwenkt die Wagenkolonne ein auf den kahlen Platz zwischen Singener Rathaus und Stadthalle. Frank-Walter Steinmeier, Außenminister, roter Kanzlerkandidat und Hoffnungsträger, trifft ein. Er kommt direkt aus Sachsen-Anhalt.
Doch jetzt ist der derzeit populärste Sozialdemokrat erst einmal in Singen, um den Genossen in der roten Diaspora Baden-Württemberg Mut zu machen. Steif sei er, wird gelegentlich behauptet. Doch die knapp bemessene Zeit nutzt der Westfale für freundliche Plaudereien, er schüttelt Hände und gibt Autogramme, sogar auf einen Fußball, dem schon die Luft entweicht.
Kaum steht der Mann, dem nachgesagt wird, er sei nicht gerade der brillanteste Rhetoriker, am Mikrofon, stachelt er in freier, flüssiger Rede an. Zunächst zum Schutz der Demokratie, gerade in Krisenzeiten. „Keinen Handbreit Platz für die“ – aufgebracht erinnert Steinmeier daran, dass just am Tag seines Auftritts in Südbaden brauner Mob in Dresden die Erinnerung an die Zerstörung der Stadt am 14. Februar 1945 für seine Zwecke missbraucht.
