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Singen Ritterspektakel hinterlässt massive Schäden

Das Mittelalterfestival Spectaculum (MPS), das Ende September auf der Offwiese gastierte, hat auf dem Gelände deutlich sichtbare und, wie sich nun herausstellt, teure seine Spuren hinterlassen. Das Gemisch zwischen Schlechtwetterlage und Besuchermassen und Schaustellerwagen hat ein stellenweise zerstörtes Stadtparkgelände zur Folge.

Spektakulär: Das Spectaculum begeistert viele tausend Fans des Mittelalters mit Ritterspielen oder Feuershows. In Singen jedoch sorgte die Veranstaltung für Ärger wegen der Schäden auf dem Gelände.
Spektakulär: Das Spectaculum begeistert viele tausend Fans des Mittelalters mit Ritterspielen oder Feuershows. In Singen jedoch sorgte die Veranstaltung für Ärger wegen der Schäden auf dem Gelände. | Bild: Veranstalter

Die ersten Schätzungen belaufen sich auf eine Schadenssumme von 40.000 bis 50.000 Euro. Allein 15.000 Quadratmeter Rasenfläche müssen im Frühjahr wieder neu angelegt werden. Mehrere Kieswege sind durch das massive Aufgebot an Transportfahrzeugen und Wohnwagen komplett ramponiert, auch hier muss die Stadt von Grund auf sanieren. „Am meisten sorgen mich die unheilbaren Verdichtungsschäden im Boden“, beklagt Heike Beermann-Landry von der städtischen Abteilung Grün & Gewässer. Die haben zur Folge, dass die Wurzeln betroffener Bäume nicht mehr ausreichend durchlüftet werden und diese sukzessive eingehen und absterben.

Vertragsbruch läuft offenbar seit einem Jahr

Die Schäden sind nicht nur die Folge des Starkregens am Veranstaltungswochenende. „Der Veranstalter hat auch empfindliche Flächen belegt, die in unserer Vertragsgrundlage für eine Nutzung schon vom ersten Mal gesperrt sind“, erklärt Beermann-Landry. Während sich der Veranstalter in den ersten Jahren an diese Vorgaben gehalten hätten, sei der Vertragsbruch bereits im letzten Jahr losgegangen. In diesem Jahr hätten MPS-Veranstalter Gisbert Hiller und seine Crew auf die Tabu-Flächen gar keine Rücksicht mehr genommen. Auch private Grünflächen auf dem Laga-Gelände wurden teilweise ungefragt zu Zeltplätzen umfunktioniert und haben Schäden davon getragen.

Im Nachgang haben die Besitzer eine kleine Pacht dafür erhalten, dennoch fühlen sie sich vom Veranstalter überrumpelt. MPS-Pressesprecher Edwin Ball weist diese Vorwürfe zurück: „Gisbert Hiller ist ein verlässlicher Veranstalter. Uns sind keine vorsätzlichen Schäden bekannt.“ Hiller selber ist derzeit nicht erreichbar. Auf seinem Anrufbeantworter begründet er das mit einem gleichzeitigen Herzinfarkt und Schlaganfall, deswegen sei er bis Ende November in Kur. Bereits vor zwei Jahren war er nach dem MPS in Singen wegen eines Krankenhausaufenthalts nicht ansprechbar. Als Kaution hat Gisbert Hiller 9000 Euro bei der Stadt hinterlegen müssen.

Veranstalter klagt über wirtschaftliche Probleme

Ob die Stadt auch noch die restliche Schadenssumme beim Veranstalter einziehen kann, ist fraglich. Auf seiner Homepage beklagt Gisbert Hiller wirtschaftliche Probleme, weil das MPS 2012 generell nicht gut gelaufen sei. Umständlich und langatmig kündigt er für 2013 deshalb höhere Eintrittspreise an. Bemerkenswert dabei: Laut Terminplan pausiert das Spectaculum im 2013 in Singen. Dennoch fordert Hiller die „MPS-Fans“ auf, im Vorverkauf mindestens 6000 Karten für Singen zu kaufen, damit das MPS am Ende hier nicht pausieren muss.

Gemeinderat berät über Fortsetzung des Mittelalterspektakels

Doch die Rechnung macht Hiller ohne die Stadt. „Denn Schadensersatz für dieses Jahr werden wir auf jeden Fall geltend machen“, kündigt Oberbürgermeister Oliver Ehret an. Zudem wird die Schadensbilanz dem Gemeinderat vorgelegt, damit das Gremium mit der Stadtverwaltung über eine Fortsetzung des MPS in Singen beraten kann. Ehrets Meinung dazu steht schon: „In den ersten Jahren war das Spectaculum eine Bereicherung für die Stadt. Mit den Jahren hat es sich stärker kommerzialisiert und hat damit seine Attraktivität für Familien verloren.“ Hinzu kämen die vertragswidrigen Dinge der letzten Jahre.“

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