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Singen Rechte Fackel-Demo sorgt für Unruhe

Eine spontane rechte Kundgebung in der Innenstadt sorgte am Sonntagabend für Unbehagen bei den Anwohnern. Anlass soll ein Angriff auf zwei junge Männer aus dem rechten Milieu gewesen sein.

Eine gewalttätige Auseinandersetzung auf dem Bahnhofsvorplatz in der Nacht auf Sonntag und eine daraufhin einberufene Spontan-Demonstration am Sonntagabend von rund 30 Personen aus dem rechten Spektrum beschäftigen Polizei, Staatsanwaltschaft und Staatsschutz. Gesicherte Erkenntnisse sind in dieser Sache laut Ermittlern noch rar. Fest stehe aber, dass zwei Personen nach Schlägen ins Gesicht erheblich verletzt worden seien. Die Polizei spricht von einem Angriff. Als Tatverdächtige nannten ihr die beiden betroffenen 25-Jährigen eine Gruppe von Männern mit Migrationshintergrund. Von diesen Tatverdächtigen fehlt derzeit noch jede Spur. Einer der Verletzten ist nach Polizeiangaben Mitglied einer rechtsgerichteten Partei. Offenbar handelt es sich um einen auswärtigen NPD-Funktionär.

Anwohner sind entsetzt über den Aufmarsch

Sonntagabend, Innenstadt, kurz vor 18 Uhr: Eine Gruppe von rund 30 Personen sammelt sich auf dem Gelände der einstigen Landesgartenschau. Die vielen Männer und wenigen Frauen zünden Fackeln an, entrollen ein Transparent und eine Fahne und bewegen sich Richtung Bahnhof. Sie skandieren rechte Parolen. Passanten wundern sich über den nächtlichen Fackelschein auf den regennassen Innenstadt-Straßen. „Wir als Anwohner wurden zutiefst in Schrecken versetzt“, schildert ein Bürger, der in der Hadwigstraße lebt. „Völkische und ausländerfeindliche Parolen“ seien erklungen.

Besorgte Bürger rufen die Polizei. Diese rückt mit fünf Streifenwagen und rund 15 Beamten an und sichtet die Lage. Am Bahnhof, am südlichen Ende der August-Ruf-Straße, stoppt die gespenstische Demonstration, umkreist von der Polizei. Mehrere Redner sprechen in einem Kreis, weiterhin erhellt vom Schein der Fackeln. Die „Kameradschaft Höri-Bodensee“ erklärt später im Internet, dass sie mit einem Banner an der Spontan-Demonstration teilgenommen habe, „Kameraden aus befreundeten Kameradschaften“ hätten sich ebenfalls daran beteiligt. Nach den Reden ziehen die Demonstranten zurück zum Laga-Gelände, unter lautem Rufen rechter Parolen.

Die Vorfälle werden derzeit polizeilich untersucht

Anlass für diese Fackel-Demo soll der gewalttätige Vorfall in der Nacht auf Sonntag gewesen sein, gibt ein 51-jähriger Mann bei der Polizei an, der aus einer Hegaugemeinde stammen und mit einem der beiden verletzten Männer verwandt sein soll, wie mehrere Quellen berichten. Die Verletzten gaben bei der Polizei zu Protokoll, dass sie am Bahnhofsvorplatz von mehreren Männern mit Migrationshintergrund „ohne erkennbaren Grund unvermittelt angegriffen und durch Faustschläge in das Gesicht verletzt wurden“, wie die Polizei in ihrem Pressebericht notiert. Auch ein Handy sei bei der Auseinandersetzung abhanden gekommen.

„Beide Fälle werden untersucht, die Auseinandersetzung und die Demo“, erklärt Polizeisprecher Bernd Schmidt auf SÜDKURIER-Nachfrage. Bei der Demonstration fielen zwar zahlreiche rechtsgerichtete Parolen, aber offenbar nach erster Einschätzung der Ermittler nichts, was strafrechtlich kritisch gewesen sei. Die Demo an sich sei wohl rechtens gewesen. Beim gewalttätigen Bahnhofsangriff gebe es derzeit nur die Auskünfte der Geschädigten.

OB Bernd Häusler hielt sich seit Sonntagabend über die beiden Vorfälle informiert. Mit Polizei und Behörden sei man in engem Austausch. „Wir distanzieren uns von den Äußerungen, die auf der Demonstration fielen“, erklärt Häusler. Das Recht auf Demonstrationsfreiheit sei jedoch ein hohes Gut.

Rechte Aufmärsche sind in Singen nicht unbekannt. Zuletzt hatte es eine spektakuläre NPD-Demo im Februar vorigen Jahres gegeben.

 

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei ermittelt rund um die schwere Auseinandersetzung in der Nacht auf Sonntag am Singener Bahnhof, bei der nach Polizeiangaben zwei junge Männer verletzt wurden. Die Tat soll sich nach deren Angaben gegen 0.45 Uhr am Bahnhofsvorplatz zugetragen haben. Die Polizei Singen sucht nun dringend nach Zeugen des Vorfalles. Diese sollen sich beim Polizeirevier unter Telefon (0 77 31) 88 80 melden, bitten die Ermittler. (jöb)

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