Singen Radweg Bohlingen-Moos: Radler kommen nach 30 Jahren ans Ziel - mit Bildern!

Bohlingen und Moos sind jetzt endlich durch eine Radweg verbunden. Er stellt eine Aufwertung des gesamten Radwegenetzes im Landkreis Konstanz dar.

Die Eröffnung des Radwegs zwischen dem Singener Ortsteil Bohlingen und der Höri-Gemeinde Moos am gestrigen Spätnachmittag hatte Volksfestcharakter. Der Bohlinger Ortsvorsteher Stefan Dunaiski muss dabei eine Vorahnung gehabt haben, denn er orderte Würste, Brötchen und Getränke für 200 Besucher. Seiner Schätzung nach hatten sich schon zu Beginn rund 180 Menschen eingefunden: "Wenn jeder nur eine Wurst isst, müsste es für alle reichen."

Ähnlich launig formulierten der Mooser Bürgermeister Peter Kessler und die Singener Bürgermeisterin Ute Seifried ihre Reden. Die lange Planungszeit lieferte dabei die Vorlage: Bereits in den 80er Jahren wurde laut Peter Kessler der jetzt realisierte Radweg in die Radwegeplanung des Landkreises als "zukünftig zu bauender Weg" aufgenommen.

Klares Votum: Zur Eröffnung des Radwegs zwischen Bohlingen und Moos kommen so gut wie alle Besucher mit dem Rad.
Klares Votum: Zur Eröffnung des Radwegs zwischen Bohlingen und Moos kommen so gut wie alle Besucher mit dem Rad. | Bild: Sabine Tesche

Wie tückisch solche unverbindlichen Formulierungen sein können, zeigte sich an dem zähen Prozess, der sich letztlich über Jahrzehnte hinzog. Immerhin stieg das Bewusstsein für die Lücke im Radwegenetz mit der Fertigstellung des Abschnitts zwischen Bohlingen und Überlingen am Ried, dennoch dauerte es noch Jahre bis zur Zusage einer konkreten Planung. Diese erforderte ihrerseits zwei Jahre und es floss weiter reichlich Wasser durch die Aach, bis endlich im Jahr 2009 vom Regierungspräsidium Freiburg die Realisierung bis spätestens 2011 in Aussicht gestellt wurde.

Heute weiß man, dass auch daraus nichts wurde. Erst 2015 gab es ein erstes Anzeichen für die Umsetzung des Projekts mit dem Bau der Brücke über die Aach, die jedoch über etliche Monate ein isoliertes Dasein ohne Radweg-Anschluss fristete. Laut Peter Kessler muss das die Phantasie der Bürger angeregt haben, denn der Volksmund verpasste dem Bauwerk prompt einen Spitznamen: Man sprach allenthalben von der "So-da-Brücke". Immerhin, der Bau des Radwegs vollzog sich angesichts der langen Vorlaufzeit ab Oktober vergangenen Jahres dann relativ schnell.

Ute Seifried nutzte ihren Redebeitrag für einen grundsätzlichen Werbeblock fürs Radfahren und hatte dafür zwecks Entgegennahme eines Zwischenapplauses sogar eine kurze Pause einzulegen. Radfahren sorgt ihrer Erfahrung nach für gute Laune am Morgen mit entsprechenden klimatischen Aufheiterungen am Arbeitsplatz und am Abend bekomme man den Kopf vom Stress des Tages wieder frei. Die Bürgermeisterin hob neben der Bedeutung für Gesundheit und Umwelt – ebenso wie zuvor ihr Amtskollege Peter Kessler – den Wert eines durchgängigen Radwegenetzes am westlichen Bodensee sowohl für den Tourismus als auch für die Familien oder Berufstägige hervor. "Als Nächstes", so kündigte sie an, "nehmen wir uns in Singen die Radwegeverbindung zwischen Schlatt und Volkerthausen vor."

Die Eröffnung des Radwegs zwischen dem Singener Ortsteil Bohlingen und Moos am östlichen Ortseingang von Bohlingen entwickelt sich am gestrigen Nachmittag zu einem Volksfest.
Die Eröffnung des Radwegs zwischen dem Singener Ortsteil Bohlingen und Moos am östlichen Ortseingang von Bohlingen entwickelt sich am gestrigen Nachmittag zu einem Volksfest. | Bild: Sabine Tesche

Das schöne Wetter sorgte dafür, dass der Radweg schon gestern gut genutzt wurde – und einer der Besucher zeigte sich besonders angetan: Slim Gamh-Drid aus ohlingen will am 13./14. Mai innerhalb von 24 Stunden drei Mal um den Bodensee fahren (das sind etwa 600 Kilometer) und mit der Aktion Spenden zur Unterstützung der Krebshilfe sammeln. Er ist froh, dass er auf dem etwa vier Kilometer langen Abschnitt zwischen Bohlingen und Moss nicht auf der Hauptstraße fahren muss.

 

Daten um Radweg

Nach Angaben der zuständigen Abteilungsleiterin beim Regierungspräsidium Freiburg, Yvonne Guduscheit, beliefen sich die Kosten für die So-da-Brücke auf 400 000 Euro, für den Wegebau wurden 1,2 Millionen Euro investiert. Der Bau habe einen Erdaushub von etwa 6000 Kubikmetern erfordert, was für einen Radweg verhältnismäßig viel sei. Die benötigte Fläche für die Deckschicht belief sich auf rund 7500 Quadratmeter. Die Arbeiten sind laut Yvonne Guduscheit wegen des unerwartet schwierigen Untergrunds nicht einfach gewesen. (tol)

Ihre Meinung ist uns wichtig
Hervorragende Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Singen
Singen
singen
Singen
Singen
Singen/Hilzingen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren