Singen Rabiater Senior akzeptiert Haftstrafe

Das Landgericht Konstanz bestätigt die Verurteilung eines 83-jährigen Rentners zu zehn Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung.

Was nützt eine nette Eigentumswohnung im Hegau mit dazugehörendem Freizeitgrundstück am Wasser, wenn die Nachbarn sich nicht grün sind? Die Frage stellte sich, als ein 83-jähriger Rentner jetzt vor dem Landgericht Konstanz gegen eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung ankämpfen wollte. Im Sommer 2015 hatte es wieder einmal Streit mit dem Hauswart gegeben, und wieder einmal war der Senior handgreiflich geworden. Nachdem er vor drei Jahren einem Nachbarn eins mit dem Laubrechen übergezogen hatte, war er noch mit einer Geldstrafe davongekommen. Für die zweimalige Körperverletzung des Hauswarts verurteilte ihn das Amtsgericht Singen dann aber zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

Das sah der streitbare Mann nicht ein und ging in Berufung, über die jetzt verhandelt wurde. Dass er den Hauswart, den man ohne Rücksprache mit ihm eingesetzt habe, nicht mag, gab er unumwunden zu. Mehrmals hat er den Mann oder einen Nachbarn schon angezeigt. Und so war es ihm wohl auch ein Dorn im Auge, als das benachbarte Ehepaar seinerzeit zusammen mit Bekannten auf dem gemeinsam genutzten Freizeitgrundstück grillen wollte. Denn dort saß der Senior auf seinem angestammten und durch ein Gebüsch abgetrennten Platz und wollte chillen. Vermutlich um Beweise für eine irgendwie geartete, weitere Zivilklage gegen den Mann zu sammeln, begann er, diesen zu fotografieren. Dies geht aus dem Urteil des Amtsgerichts hervor. Als der Nachbar das bemerkte, hielt er mit der Hand das Objektiv zu. Das ärgerte den 83-Jährigen so maßlos, dass er den Mann schlug und schubste, bis dieser rückwärts in ein Dornengestrüpp stolperte und gegen einen Baum fiel. Prellungen und Schürfungen waren die Folge.

Vor Gericht rief der immer noch aufgebrachte Senior: "Der wollte mir den Fotoapparat wegnehmen und die Speicherkarte haben!" Dabei habe er doch nur die Kamera seiner Frau inspizieren wollten, behauptete er. Nicht er sei hier der Böse, sondern der Hauswart: "Der schikaniert mich seit Jahren", polterte er. Zwei Monate später versuchte er, mit einem Stock oder Besenstil einen Wäscheständer umzuwerfen, der auf dem Balkon des Hauswarts stand. Als dieser ihn davon abhalten wollte, schlug er mit dem Stock gezielt auf ihn ein und verletzte ihn am Ellbogen. So stellte es das Amtsgericht fest. Zeugen bestätigten beide Vorfälle auch jetzt wieder.

Der 83-Jährige musste einsehen, dass es für ihn aufgrund dieser Beweislage keine Aussicht auf ein milderes Urteil oder gar einen Freispruch gab. Da auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, drohte ihm jetzt sogar noch eine härtere Strafe. Bevor es so weit kommen konnte, nahm der Senior seine Berufung zurück, und der Staatsanwalt zog nach. Somit ist die Haftstrafe auf Bewährung jetzt rechtskräftig.

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