Auch noch mit 84 Jahren. „Das hier ist die zentrale Achse für die Geschäftswelt in Singen“, sagt er und klagt doch über die vielen Leerstände auf der Nordseite. In die Apotheke und Parfümerie Sauter kämen täglich etwa 1500 Menschen, die auch Parkmöglichkeiten benötigten. Für diese setzte sich Sauter schon vor Jahren ein. Zudem plädiert er für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde und gegenläufigen Verkehr. „Die Stadt hat ihre bürgerliche Note weitgehend verloren“, ist er enttäuscht. „Die Kaufkraft ist erheblich gesunken.“ Hier stimmt ihm auch Gerd Prada zu: „Wo man auch hinsieht: Es gibt doch nicht mehr viel“, kritisiert der Singener. „So können wir nicht mit Konstanz konkurrieren.“
Auf diese Kritik hat Oberbürgermeister Oliver Ehret Antworten parat: „Wir haben Leerstände in der Ekkehardstraße“, gibt er zu. „Wir sind aber dabei, sie zu befüllen.“ Das Problem sei immer noch der fehlende Investor für das Kunsthallenareal, weil noch nicht genügend Rendite herausschaue. „Die GVV arbeitet mit Nachdruck an der Kostenoptimierung und führt Gespräche mit möglichen Investoren. GVV und Stadtverwaltung denken, dass wir im Herbst eine Lösung präsentieren können“, sagt Ehret. Außerdem sei man bestrebt, die Ekkehardstraße von der Bundesstraße zur Gemeindestraße herunterzuzonen. Damit würden sich neue Gestaltungsmöglichkeiten ergeben. „Doch davor muss die Georg-Fischer-Straße vollkommen fertig sein.“
Auch Dominik Rottinger bekräftigte gestern noch einmal, dass die GVV fieberhaft an der Kostenoptimierung arbeite. An Kaufland liege es nicht, dass noch nichts auf dem Gelände geschehen ist, sagt er. Der Mietvertrag liege unterschriftsreif vor. Aber der Bauherr fehlt noch, weil die Kosten noch zu hoch sind. Jetzt will man die reinen Baukosten reduzieren. Doch die Leerstände drücken die Stimmung der anderen Händler. Deshalb hat die GVV jetzt die ehemaligen Wöhrsteinschaufenster mit einer eigenen Ausstellung bestückt.
„Im Gegensatz zu früher, ist es schon vi el ruhiger geworden, seit einige Geschäfte geschlossen sind.“ Das spürt Irena Büge in ihrem Juweliergeschäft „Schmuck und Galerie“ in der Ekkehardstraße. „Aber ich sehe die Straße nicht negativ“, betont sie. „Durch die Bäume ist es doch eine Art Boulevard, die Atmosphäre ist dadurch besser.“ Wenn sich ein Investor für das geplante Kaufland finde, freue sie sich. „Da profitieren wir kleinen Einzelhändler doch davon. Heutzutage sind wir ja Exoten, wir gehen noch auf die Persönlichkeit der Menschen ein.“ Reiner Wöhrstein lobte die SÜDKURIER-Initiative für die Ekkehardstraße. „Wir brauchen hier dringend einen Frequenzbringer“, sagt er und kritisiert gleichzeitig die lange Ampelschaltung für Fußgänger. „Mittags warten hier bis zu 40 Leute eine Minute und 30 Sekunde bis sie über die Straße gehen können.“ Die Straße müsse dringend entschleunigt und stärker kontrolliert werden. Wöhrstein bedauerte aber auch, dass sich gestern nur wenig Händlerkollegen zeigten.
