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Singen Nicht alle HBH-Kliniken überleben die Krise

Ein Gutachten für mehr als 100 000 Euro soll klären, wie es mit dem Klinik-Verbund im Hegau, in Radolfzell und am Hochrhein weitergehen soll. Dem Verbund droht ein Millionenloch. Im Gemeinderat klang am Dienstag an, dass wohl einzelne Bereiche und Kliniken dicht gemacht werden müssen, um die Krankenhaus-Allianz insgesamt zu retten. OB Oliver Ehret hält an Klinik-Chef Friedbert Lang fest.

An den HBH-Kliniken fehlt Geld. Viel Geld. Ein Gutachten soll nun klären, wie das Millionenloch gestopft werden kann.
An den HBH-Kliniken fehlt Geld. Viel Geld. Ein Gutachten soll nun klären, wie das Millionenloch gestopft werden kann.

Singen – Ein Berg voll Fragen liegt auf dem Tisch: Ist der Krankenhaus-Verbund der Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken GmbH wirtschaftlich noch zu retten? Wie dramatisch ist die Situation tatsächlich? Wer ist schuld an der miesen Kassenlage? Welche Kliniken können langfristig überleben? Und wer im Verbund muss sterben?

Diese Fragen soll nun ein neutrales Gutachten beantworten. Die Gesellschafterversammlung des Klinik-Verbunds vergab einen Auftrag für ein solches Gutachten an die Unternehmensberatungsfirma Kienbaum und Partner für eine nicht näher genannte Summe. 100 000 Euro kostet es nach SÜDKURIER-Informationen aber mindestens. Acht Wochen lang sollen mehrere Fachleute die Klinikzahlen genau unter die Lupe nehmen und dann festhalten, welche wirtschaftlichen Notoperationen den kranken Patienten retten könnten.

Der Klinik-Verbund leidet an schlechten Wirtschaftszahlen. Im Jahr 2007 wurde ein Minus von 11,5 Millionen Euro erwirtschaftet. 2008 waren es noch 8,2 Millionen Euro und für 2009 wird ein Fehlbetrag von 4 bis 4,5 Millionen Euro erwartet. Vor allem die Reha-Einrichtungen des Verbundes produzieren hohe Kosten. Dicker Klotz am Bein ist die Hochrhein-Eggberg-Klinik GmbH und das daran hängende Krankenhaus in Bad Säckingen.

Im Gemeinderat musste Klinikverbund-Chef Friedbert Lang gestern Rede und Antwort stehen. Viele Ratsmitglieder löcherten ihn mit scharfen Fragen. Er betonte, dass der Abbau von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Patientenzahlen funktioniert hätten. Die Umstrukturierung brauche aber seine Zeit. OB Ehret spürte, dass es an Langs Klinik-Politik unterschwellig harsche Kritik gibt. Er sagte deutlich, dass er an seinem Klinik-Geschäftsführer persönlich festhalten wolle, er sei von ihm „weiterhin überzeugt“.

Regina Brütsch (SPD) sagte, der Klinikverbund stehe „mit dem Rücken an der Wand“. Es gelte schnell zu handeln. „Haben wir die Anzeichen für den Sturm übersehen?“, fragte sie.

Marcus König (CDU) kitzelte aus OB Ehret die öffentliche Information heraus, dass die beauftragte Unternehmensberatungsfirma Kienbaum und Partner heißt.

Peter Hänssler (FDP) sah den Gemeinderat „wie ratlose Ärzte am Krankenbett, die nicht wissen, woran der Patient leidet“. Auch er fragte, ob diese schlimme Entwicklung nicht früher vorhersehbar gewesen sei.

Dietmar Johann (SPD) kritisierte, dass „viele Prognosen der Klinikführung“ nicht eingetreten“ seien. Allerdings seien die Entscheidungen, so viele Kliniken in den Verbund aufzunehmen, alle mit großer Mehrheit vom Gemeinderat befürwortet werden.

Marion Czajor (Neue Linie) fragte, „was sollen wir überhaupt noch glauben?“ Die Verwaltung hätte gegensteuern sollen, Zeit dafür wäre genug gewesen.

Veronika Netzhammer (CDU) sieht eine „Phase der Desillusionierung“. Man werde sich wohl „fast vollständig vom Reha-Bereich trennen müssen“. Es werde zu „Strukturanpassungen“ kommen. Auf deutsch: Klinik- oder Abteilungsschließungen.

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HBH: Klinikverbund in der Krise: Der HBH-Klinikverbund, mit Standorten in Bad Säckingen (Hochrhein- Eggbergklinik und Krankenhaus), Bad Bellingen, Stühlingen, Singen, Engen, Radolfzell und Gailingen, ist in einer schweren wirtschaftlichen Lage. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Themenpaket.
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