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Singen Neue Sparkasse Hegau-Bodensee wächst weiter

Das fusionierte Geldhaus ist mit seiner ersten Gesamt-Bilanz sehr zufrieden und freut sich über Kunden-Vertrauen, sieht aber erste Anzeichen für eine Überhitzung auf dem Immobilienmarkt.

Die neue Sparkasse Hegau-Bodensee, die zum Jahresbeginn aus den Häusern Singen-Radolfzell und Stockach verschmolz, blickt in beiden früheren Geschäftsbereichen auf ein sehr gutes Bilanzjahr zurück. Der Umfang des Kundengeschäftes nahm um 122 Millionen Euro auf nun insgesamt 4,56 Milliarden Euro zu. „Wir sind stolz auf dieses Wachstum, besonders angesichts der widrigen Umständen auf den Finanzmärkten“, erklärte Vorstandsvorsitzender Udo Klopfer bei der Pressekonferenz der neuen Sparkasse in Singen. Vor allem die niedrigen Zinsen bereiten der Sparkasse weiterhin Kopfzerbrechen. Denn mit Krediten – einem der Kerngeschäfte des Geldhauses, lässt sich immer weniger verdienen. Filialschließungen soll es bis Ende 2018 nicht geben. Hier die wichtigsten Eckpunkte der Sparkassen-Bilanz für 2015:

Kunden-Einlagen: Zu ihrer Sparkasse haben die Kunden weiterhin großes Vertrauen Das lässt sich am überdurchschnittlich starken Wachstum der Kunden-Einlagen ablesen. Dieser Wert stieg um 44,5 Millionen Euro auf nun fast zwei Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 3,2 Prozent. Die anderen Sparkassen im Verband schafften da nur ein halb so großes Plus.


Kunden-Kredite: Rund 57 Millionen Euro gab die Sparkasse voriges Jahr zusätzlich an Krediten für Kunden aus. Ein Plus von 2,7 Prozent. Insgesamt verlieh das Geldhaus Kredite über knapp 2,1 Milliarden Euro. Und das, obwohl die Kunden derzeit massiv versuchen, ihre alten, teuren Kreditverträge abzulösen. 400 Millionen Euro haben die Sparkassen-Kunden voriges Jahr getilgt, sagte Vorstandsmitglied Jens Heinert.

Heißer Wohnungsmarkt: Bei Preisen für Immobilien sollte man aufpassen, rät Heinert. Da könnte eine Überhitzung drohen. Der Boom nach Immobilien sei ungebrochen, was man an einer Steigerung der Baukredite ablesen könne. Darlehen für Wohnbau-Projekte im Wert von 185 Millionen Euro bewilligte die Sparkasse, 20 Millionen mehr als noch im Jahr davor. Zinsen von nur etwas mehr als einem Prozent, auf zehn Jahre fest, seien für Bauwillige Anreiz, ins Eigenheim zu investieren.

Gewinn konstant: Den Ertrag konnte das Geldhaus zwar um 2,5 Millionen auf 30 Millionen Euro leicht steigern, doch der Netto-Gewinn, also nach Anzug der Kosten für Steuern und anderes blieb bei knapp 19 Millionen Euro nahezu fix.
Richtfest wurde am Montag am Neubau der Sparkasse in Singen gefeiert. Statiker Thomas Relling (Bild links) erklärte, dass durch den Erhalt der Grundmauern des bisherigen Gebäudes 6000 
Kubikmeter Beton eingespart werden konnten. Mehr als 100 Handwerker und Baubeteiligte kamen zum Richtfest. Eröffnung soll am 8. Oktober sein, der Bau liege im Zeitplan.
Richtfest wurde am Montag am Neubau der Sparkasse in Singen gefeiert. Statiker Thomas Relling (Bild links) erklärte, dass durch den Erhalt der Grundmauern des bisherigen Gebäudes 6000 Kubikmeter Beton eingespart werden konnten. Mehr als 100 Handwerker und Baubeteiligte kamen zum Richtfest. Eröffnung soll am 8. Oktober sein, der Bau liege im Zeitplan. | Bild: Braun


Aktien für Mutige: Bei den Wertpapieren gab es einen Zuwachs von 20 Millionen Euro. 2015 sei ein gutes Börsenjahr gewesen. „Doch das Plus von 9,5 Prozent im Dax schmolz die vergangenen Wochen gerade wieder weg“, sagte Udo Klopfer. Angesichts niedriger Zinsen auf Sparguthaben seien Aktien allgemein wieder gefragter.

Wenig Risiko: Alexander Endlich als zuständiger Mann für das Thema Risiko-Management bei der Sparkasse rechnet nicht mit „negativen Aufregungen“ bei Kundengeschäften. Es würden sich keine außergewöhnlichen Abschreibungen abzeichnen. Die regionale Wirtschaft laufe stabil, hieß es bei der Pressekonferenz mehrfach. Die Unternehmen würden weiterhin versuchen, ihr Eigenkapital steigern.

Schluss mit gratis: Online-Konten waren bei der Sparkasse bis vorigen Sommer kostenlos. Dann kam still und leise die Umstellung: Pro Monat und Konto sind nun drei Euro Gebühr fällig. Das hätten die Kunden aber nahezu geräuschlos akzeptiert. Vermutlich, weil auch die anderen Banken Online-Gebühren für ihre Konten verlangen. Die Sparkasse begründet den Schritt mit zunehmendem Preisdruck.

Bankgeschäfte am Handy: Die Zahl der Kunden, die ihre Transaktionen per Internet erledigt, wächst rasant weiter. 44 Prozent aller Kunden haben ein Online-Konto. Bei Geschäftsleuten liegt die Quote gar bei 70 Prozent. Und wiederum zehn Prozent von diesen Online-Nutzern erledigen ihre Bankgeschäfte schon per Handy. „Dieser Trend setzt sich durch, trotz Sicherheitsbedenken“, erklärt Jens Heinert.

Geldhahn sprudelt: Die öffentlich-rechtliche Sparkasse schüttete voriges Jahr 725 000 Euro an Fördergeldern für Aktionen, Kultur, Sport, Vereine und andere Einrichtungen aus. Über die Stiftung der einstigen Sparkasse Singen-Radolfzell wurden knapp 180 000 Euro ausgegeben, 416 000 Euro für Sponsoring und 130 000 Euro wurden gespendet. Die einstige Sparkasse Stockach spendierte da insgesamt lediglich 45 000 Euro, berichtete deren früherer Chef Michael Grüninger, der heute dem neuen Vorstand für die Sparkasse Hegau-Bodensee angehört.

580 Mitarbeiter: Das neue Geldhaus beschäftigt 580 Mitarbeiter, etwa 500 aus Singen-Radolfzell, 80 aus Stockach.

Achtung, Fälscher ergaunern Daten und Unterschriften

Online-Gaunereien gehören für Banken schon zur Routine. Doch auch mit ganz klassischen Überweisungen auf Papier gibt es Ärger, berichtet die Sparkasse. Die bekannten, herkömmlichen Überweisungsträger würden raffiniert gefälscht und hohe Summen zur Überweisung Richtung Rumänien und Bulgarien angewiesen. Die Kontodaten dafür gibt es online auf Firmenseiten und auch passende Unterschriften besorgen sich die Gauner offenbar im Internet, wo so mancher Firmenchef seine Signatur leichtsinnig preisgibt, warnt die Sparkasse.
 

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