Singen Narrenbäume fallen Streich zum Opfer
In Wiechs am Randen wurde der Narrenbaum umgesägt. Bild: Rossner
Die betroffenen Narren reagieren unterschiedlich auf die Tat, die sie dennoch einhellig einen „Angriff auf das Brauchtum“ nennen.
Einen versöhnlichen Ausgang nahm das Baumumsägen in Überlingen am Ried. Da Kinder aus der Nachbarschaft die Täter beobachtet hatten, konnte Chrüzerbrötli-Zunftmeister Olaf Schramm schnell die Schuldigen ermitteln. Narren aus dem Nachbarort hatten sich offenbar einen Spaß erlaubt. Ihr Zunftmeister war damit nicht einverstanden. So mussten sie als Strafe einen neuen Baum besorgen, ihn am Samstag in Überlingen aufstellen und schwören, dass sie es nicht mehr tun werden. Laut ihrem Zunftmeister ist durch den Vorfall aber kein böses Blut entstanden: „Wir haben das auf dem kleinen Dienstweg geregelt. Im Sommer feiern wir gemeinsam mit den Überlingern und dann ist alles gut.“
Über eine polizeiliche Bestrafung der Täter denken die Zunftmeister der betroffenen Orte gleich: sie kann nicht den ideellen Schaden wiedergutmachen. Das Umsägen eines Narrenbaumes ist laut Gesetz nämlich bloß als Sachbeschädigung zu werten, bei der als Strafe vorgesehen ist, den Materialwert zu ersetzen. In Wiechs handelt es sich dabei laut Grenzgeister-Zunftmeister Tobias Finsler nur um etwa 100 bis 150 Euro Holzwert der sechs umgesägten Narrenbäume. „Der ideelle Wert ist um ein Vielfaches höher. Die Gastzünfte haben Tafeln an ihren Bäume angebracht und sie geschmückt“, erklärt Finsler. Dazu kämen noch die Arbeitsstunden, die die Holzer in das Aufstellen der sechs Bäume investiert haben. Deshalb meint er: „Als Wiedergutmachung würden wir eine Spende in die Vereinskasse akzeptieren und erwarten, dass der Täter sich öffentlich bekennt und sich entschuldigt.
“ Da die Bäume aber liegengelassen wurden, kann das Holz wie geplant zersägt und an den Gewinner der Narrenbaumverlosung abgegeben werden.
Tatkräftig waren hingegen die Holzer der Quakenzunft Ehingen und der Käfersieder Mühlhausen. Sie haben ihre Bäume selbst wieder aufgestellt. In Mühlhausen hat das nicht nur doppelte Arbeit gemacht, sondern auch doppelte Kosten. Der gefällte Baum hing nämlich in einer Stromleitung. Beim Bergen hat ihn die Feuerwehr zersägt und die Holzer mussten einen neuen Baum holen.
