Singen Motiviert ins neue Schuljahr

Immer mehr Schüler lernen in den Ferien. Sommerkurse können den Start ins neue Schuljahr erleichtern.

Seit knapp drei Wochen sind in Baden-Württemberg Sommerferien. Für viele Schüler ist das Lernen jedoch trotzdem nicht vorbei. Das gilt vor allem für diejenigen, die mit ihrem Zeugnis weniger zufrieden waren und die Ferien dafür nutzen möchten, Defizite aufzuarbeiten. Eine Möglichkeit dafür sind Sommerkurse die von Nachhilfeorganisationen, wie zum Beispiel dem Studienkreis, angeboten werden.

Beatrix Stiehler vom Studienkreis Singen findet es wichtig, dass Schüler in den Sommerferien lernen, da Vieles über die lange Zeit vergessen werde. Außerdem erleichtere das Lernen während der Ferien den Einstieg ins neue Schuljahr. Die Sommerkurse setzten dabei an den individuellen Schwächen der Kinder an und fänden in Gruppen mit maximal vier Schülern statt. "Die Kurse dauern immer eine Woche, von Montag bis Freitag, 90 Minuten am Tag", erklärt Beatrix Stiehler: "In der Regel wird ein Kurs gebucht. Mehr als zwei sollten es aber nicht sein, damit die Erholung nicht zu kurz kommt."

Auf die Erholung legt auch Gymnasiallehrer Simon Schwarzkopf großen Wert: "Zuerst sollten die Kinder sich eine Auszeit nehmen. Wer aber gerade in Hauptfächern Schwierigkeiten hat, sollte die auf jeden Fall aufarbeiten." Sommerkurse hält der zweifache Vater für sinnvoll, da viele Eltern ihrem Kind nicht immer helfen könnten. Wichtig sei auch, dass die Kinder selbstständig lernen und lernen wollten.

Carmen Güß lernt mit ihren Kindern gerne mit Spielen. Der Ältere der beiden Söhne kommt nach den Ferien in die zweite Klasse. „Man muss den Kindern zeigen, wofür sie lernen. Wenn ein Kind versteht, dass es, wenn es lernt, mehr im Leben erreichen kann, lernt es auch lieber.“ Der schsjährige Sohn der zweifachen Mutter hat sich eine Uhr gewünscht. Die Bedingung dafür sei gewesen, dass er die Uhr lesen kann. So was könne auch eine Belohnung und gleichzeitig Motivation für das Lernen sein.

Claudia Schubärth von der Schülerhilfe in Singen spricht im Vorfeld mit den Kindern und ihren Eltern über die Ziele. Die Ziele müssten realistisch sein und mit kleinen Schritten erreicht werden. "Wenn das Ziel nicht realistisch ist, dann sagen wir das auch. Das erspart später Enttäuschungen." Ziel sei es, den Leistungsdruck bei den Schülern zu verringern. Unter dem Leistungsdruck stand auch Cara Zedler. Die 18-jährige hat vor dem Abitur Nachhilfe in Mathe genommen. Durch die Nachhilfe habe sie Vieles besser verstanden und intensiver geübt. In der Schule hat die Abiturientin den Stoff häufig erst nach der Klausur verstanden. Einen Grund dafür sieht sie im achtjährigen Gymnasium. Durch G8 sei nicht genug Zeit geblieben, um wichtige Dinge zu wiederholen.

Dass viele Schüler heute Probleme in der Schule haben liegt laut Simon Schwarzkopf unter anderem an den fehlenden Grundschulempfehlungen. Viertklässler haben früher mit ihrem Zeugnis eine Empfehlung für eine weiterführende Schule bekommen. Seit es die Empfehlungen nicht mehr gibt schicken viele Eltern ihr Kind auf das Gymnasium, obwohl es in der Realschule eigentlich besser aufgehoben wäre. "Die Grundschulempfehlung hat Misserfolge vermieden", so Schwarzkopf. Im Falle eines Misserfolges sei es wichtig, dass Eltern und Lehrer verständnisvoll mit dem Kind umgehen und versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Eine Lösung könne auch ein Sommerkurs sein.

Claudia Schubärth ist es wichtig, die Kinder richtig zu motivieren: "Damit die Kinder gerne lernen setzen wir an ihren Interessen an. Außerdem machen wir anfangs einen Lerntypen-Test, bei dem wir heraus finden, mit welchen Aufgabentypen der Schüler am besten lernen kann." „Das Gelernte muss auch in den Alltag integriert werden“, findet Carmen Güß, „zum Beispiel mit der Frage: Wenn wir ein Eis für 1 Euro kaufen und wir 5 Euro haben, wie viel kriegen wir dann zurück?“ Kinder müssen laut Carmen Güß verstehen, dass sie nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen.

Die Nachhilfe

Hauptsächlich haben in Deutschland Schüler an allgemeinbildenden Schulen zwischen der siebten und zehnten Klasse Nachhilfe. Gelegentlich erhalten jedoch auch schon Grundschüler Nachhilfe und auch in der Oberstufe ist Nachhilfe verbreitet. Es wird geschätzt, dass jährlich etwa elf bis 16 Prozent der deutschen Schüler Nachhilfeunterricht erhalten. Nach verschiedenen Schätzungen nehmen 30 bis 50 Prozent aller Schüler während ihrer Schulzeit mal Nachhilfe. Die Tendenz steigt – unter anderem wegen der Verkürzung der Gymnasialzeit. (sk)

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