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Singen/Hausen Mit dem Mähboot gegen Hochwasser

Hochwasserprophylaxe auf und in der Hegauer Aach: Mit einem Mähboot rücken Mitarbeiter der Technischen Dienste dem Seegras zu Leibe.

Schon aus weiter Ferne ist ein außergewöhnliches Tuckern zu hören, das keinem Gefährt so richtig eindeutig zuzuordnen ist. Es unterscheidet sich aber doch deutlich von dem Geräusch, das die Traktoren ringsum beim Mähen der Feldern von sich geben. Zwischen Hausen und Beuren schauen die Spaziergänger neugierig und mit fragenden Blicken vom Ufer aus auf die Aach. Der Grund dafür: Ein Boot mit einem monströsen Vorderteil, das aussieht wie das Schneidewerk eines Mähdreschers. Das Gefährt, in dem Fantasievolle durchaus ein Krokodil entdecken könnten, ist eigentlich ein Wasserrasenmäher. Darauf sitzen, mit Ohrschützern auf dem Kopf, zwei Arbeiter von den technischen Diensten der Stadt Singen und tuckern durch das grüne Wasser.

Was die Arbeiter da machen? Sie mähen tatsächlich den Fluss aus. Seit Beginn dieser Woche wird die Hegauer Aach von überflüssigen Wasserpflanzen, wie Seegras und Algen, befreit. Insgesamt sollte die ganze Aktion ungefähr zwei Wochen dauern. Bis jetzt kommen die Arbeiter Horst Bader und Robert Braun mit ihrem Mähboot aber verhältnismäßig schnell voran. "Dieses Jahr hat es in der Aach nicht ganz so viel Seegras, wie es sonst schon der Fall war", so Horst Bader. Auch das Wetter spielt bisher sehr gut mit. „Es gab schon schlimmere Jahre, über den Sonnenschein können wir uns nicht beklagen“, sagt er. „Bei so einem Wetter macht die Arbeit natürlich Spaß. Wir hoffen, dass es weiterhin so schön warm und sonnig bleibt “, so die beiden Mähbootfahrer.

Das abgemähte Seegras bedeckt die Wasseroberfläche der Aach. Bild: Stefanie Binder
Das abgemähte Seegras bedeckt die Wasseroberfläche der Aach. Bild: Stefanie Binder

Hätte die Aach zu Beginn der Arbeiten zu viel Wasser gehabt, hätte die Entkrautung verschoben werden müssen. Der aktuelle Wasserstand sei aber nahezu perfekt. So fließe das entkrautete Seegras mit der Strömung der Aach gut ab und bleibe kaum am Boden oder am Ufer hängen. "Dadurch können wir die Arbeiten dann sehr viel schneller erledigen", sagt Horst Bader. Es sei notwendig, dass die Aach regelmäßig entkrautet werde. Somit könne Hochwasser vorläufig vermieden werden. "Nach unserer Arbeit wird der Wasserstand um einiges gesunken sein. So haben wir dann einen natürlichen Hochwasserschutz geschaffen, der bei starkem Regenfall das Überlaufen der Aach um einige Zeit verzögert“, erzählt Horst Bader.

Damit das Seegras vollständig beseitigt wird und die Aach wieder richtig sauber ist, müssen Horst Bader und sein Mitarbeiter Robert Braun immer wieder mit dem Mähboot über die gleichen Stellen fahren. Das nimmt viel Zeit in Anspruch und scheint, trotz der zurzeit angenehmen Arbeitsbedingungen, doch ein wenig mühsam zu sein. Das abfließende Seegras bedeckt momentan die ganze Wasseroberfläche des Flusses. Und verwundert so manch ein Fahrradfahrer, der den Radweg entlang der Aach nutzt. Für die Enten ist das grüne Kraut aber eine bequeme Mitfahrgelegenheit, wie vom Flussufer aus zu beobachten ist.

Was mit dem vorsichhin schwimmenden Seegras dann passiert erzählt Florian Sauter. Er ist bei der Stadt Singen für die Gewässer zuständig und besucht die beiden Mähbootfahrer auch ab und zu mal bei ihrer Arbeit. "Das Seegras wird zunächst abgefangen und an andere technische Betriebe weitergegeben. Dort wird es zuerst einmal zum Trocknen gelagert. Dieser Vorgang dauert zwar einige Zeit, ist aber für die Weiterverarbeitung notwendig. Anschließend wird der Rohstoff Seegras dann zu einer Biomasse weiter verarbeitet." erklärt er.

Sechs Fakten zur Aach

  • Die Radolfzeller Aach wird auch Hegauer Aach genannt.
  • Der Fluss ist 32 Kilometer lang und mündet in den Bodensee.
  • Im Hochmittelalter war der Name des Flusses "Murg".
  • Der Aachtopf (Aachquelle) ist die größte Quelle Deutschlands, sie kommt aus einer 18 Meter tiefen unterirdischen Quellhöhle.
  • Die Aach ist ein Lebensraum für mehrere bedrohter Wasservogelarten.
  • Im April 2017 wurde im Aachtopf der erste Höhlenfisch in Europa gefunden.

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