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Singen Maggi: Vom Sattmacher zum Kultprodukt

03.08.2012
Singen -  „Wir sind Maggi!“ (1): Das Maggi-Museum dokumentiert die Unternehmensgeschichte bis zur Gegenwart

Sie hat zwar nie für Maggi gearbeitet, kennt sich aber in der Maggi-Geschichte aus wie kaum ein zweiter: Ursula Goller vom Museumsverein Singen.  Bild: Domjahn

Dieses Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert und zeigt Arbeiter beim Abfüllen der Würze im Werk Singen.  Bild: Maggi (2)

Das Maggi-Museum in Singen wird im Volksmund auch „Gütterli-Hüsli“ genannt.

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Not macht erfinderisch: Am Anfang der Maggi-Erfolgsgeschichte standen Unterernährung, Magenerkrankungen und eine hohe Kindersterblichkeit in der Arbeiterklasse. „Die Leute haben sich vor allem von Kartoffeln, Hering und Schnaps ernährt“, sagt Ursula Goller. „Doch dann kam Julius Maggi auf eine Idee“, führt sie weiter aus. Die gebürtige Singenerin führt im Auftrag des Singener Museumsvereins Führungen im Maggi-Museum durch. Für Maggi selber hat sie nie gearbeitet, aber wohl kaum jemand kennt sich in der Maggi-Geschichte so gut aus wie sie.



Ursula Goller spricht den Namen des Schweizer Maggi-Gründers italienisch aus („Madgschi“), so wie es heute in Italien und der Schweiz noch üblich ist. Auch bis in die 1950er Jahre war diese Aussprache in Singen gang und gäbe. „Julius Maggi wollte den Arbeitern nahrhafte und kostengünstige Ernährung, die sich schnell zubereiten lässt, bieten. Am Ende einer Experimentierphase standen seine berühmten Instantsuppen, Brühwürfel und Fertigsaucen“, so Ursula Goller. Wenn sie über die Biographie von Julius Maggi (1846-1912) doziert, kommt sie fast ins Schwärmen. Er sei ein Autodidakt gewesen und habe nie studiert. Gleichzeitig war er sozial engagiert und traf mit seiner Belegschaft vorgesellschaftliche Vereinbarungen.

1887 kam dann die erste Maggi-Flasche auf den Markt. Maggi wurde zum Synonym für Flüssigwürze, die handliche Maggi-Flasche fast zum Kult. Das gelb-rote Firmenlogo hat einen Bekanntheitsgrad erreicht wie sonst nur wenige andere Firmenlogos. Selbst in Kunstwerken von Joseph Beuys und anderen modernen Künstlern aus dem Bereich Pop-Art taucht die Maggi-Flasche auf.

Das Maggi-Museum in Singen, im Volksmund „Gütterli-Hüsli“ genannt, dokumentiert diese Unternehmensgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Interessant sind vor allem die Verflechtungen der Firmengeschichte mit der allgemeinen historischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Wer das Maggi-Museum besucht, wird zwangsläufig auch mit den großen Themen der deutschen Geschichte konfrontiert, etwa dem industriellen Wandel, der Hyper-Inflation Ende der 1920er Jahre, dem Zweiten Weltkrieg oder der Adenauer-Kanzlerschaft. Den Rundgang durch das 1966 eröffnete Museum abschließend, werden die aktuellen Maggi-Produkte vorgestellt. Vor dem Hintergrund der Geschichte wird hier ein Wertewandel der Verbraucher deutlich: Die Leute wollen heutzutage nicht mehr nur eine schnelle und kostengünstige Küche, sondern verlangen nach internationalen Gerichten und gesunder Ernährung. „Mein Lieblingsprodukt ist aber nach wie vor die Bouillon“, verrät Ursula Goller augenzwinkernd.

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