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Hegau/Hochrhein Klinik-Verbund hängt am Tropf

Noch bevor ein umfassendes Gutachten die prekäre Situation des HBH-Klinikverbunds erhellt, treffen sich kommende Woche Gesellschafter und Aufsichtsrat zur Krisensitzung. OB Oliver Ehret als oberster Klinik-Chef ist hoffnungsfroh, dass es eine gute Lösung aus der Finanzkrise geben wird, sagt er.

Am Tropf: Singens Krankenhaus und die vielen anderen Häuser im HBH-Verbund brauchen Hilfe zum Überleben.
Am Tropf: Singens Krankenhaus und die vielen anderen Häuser im HBH-Verbund brauchen Hilfe zum Überleben. | Bild: Braun/Montage: Müller

Hegau/Hochrhein – Kommunalpolitiker und Rathaus-Chefs aus dem Hegau und vom Hochrhein treffen sich am Montag in Singen zur internen, außerordentlichen Sitzung von Gesellschaftern und Aufsichtsrat. Hauptfrage dabei: Wie geht es mit dem kranken HBH-Klinikverbund weiter, nachdem Millionen im Haushalt fehlen und die Lage immer schwieriger zu werden droht? Der SÜDKURIER stellt heute schon die drängendsten Fragen, die am Montag zur Sprache kommen werden – und gibt erste Antworten.

1Warum braucht es ein 140 000 Euro teures Gutachten?

Der Klinikverbund war keine Liebesheirat, sondern eher eine Vernunftehe mit verschiedenen Partnern. Zwischen diesen gibt es nun Debatten, wer wie stark für die finanzielle Misere verantwortlich ist und wie man sie lösen sollte. Ein neutrales Gutachten soll Klarheit bringen und eine Grundlage liefern, der alle vertrauen. 2Was steht in diesem unabhängigen Klinik-Gutachten?

Das wissen noch nicht einmal die Mitglieder im Kontroll-Gremium, dem Aufsichtsrat. Die Zahlen und Einschätzungen, Empfehlungen und Prognosen sind höchst brisant, weil sie konkrete Auswirkungen haben könnten. Etwa Personalabbau oder die Schließung oder Verkleinerung von einzelnen Häusern und Klinikbereichen.

3Wie wurden die Schulden der letzten Jahre ausgeglichen?

2008 gab es ein Konzern-Minus im Klinik-Verbund von 8,2 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es gar 11,4 Millionen. Dieses Geld wurde aus Rücklagen genommen, dem „Sparstrumpf“ des Verbunds. Doch der ist nun leer, sagt HBH-Geschäftsführer Friedbert Lang. Schuld daran seien vor allem die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen. Für 2009 wird mit 4 bis 5 Millionen Fehlbetrag gerechnet.

4Was wurde den Gesellschaftern versprochen?

Friedbert Lang hatte vor Jahren versprochen, dass die Klinik-Gesellschafter keinen Pfennig, bzw. nun Cent in ihren Krankenhausbetrieb stecken müssen. Das hat er auch lange einhalten können, 13 Jahre lang. Doch nun holt ihn dieses Versprechen wie ein Bumerang ein.

5Bleibt Friedbert Lang auch weiterhin Klinik-Chef?

Noch nicht mit ja oder nein zu beantworten. Lang gerät seit geraumer Zeit immer mehr in die Kritik. Er habe die Klinik-Zahlen zwar nicht geschönt, aber deren weitere Entwicklung immer zu optimistisch vorhergesagt und rasche Lösungen sich aufstauender Probleme versprochen, die dann aber nicht eintrafen. In Singens Gemeinderat nimmt der Rückhalt für Lang ab.

6Wer muss die neuen Schulden bezahlen?

Am Ende müssen die Gesellschafter für die roten Zahlen geradestehen. Das sind die Städte und Landkreise, die sich zum Klinikverbund zusammengeschlossen haben. Singen hält den größten Teil mit 63 Prozent. Radolfzells Spitalstiftung hat knapp 10 Prozent, Engen 6 und die Landkreise Konstanz knapp 3 und Waldshut 19 Prozent. Das ist heikel, weil den Städten und Kreisen derzeit das Wasser ebenfalls bis zum Hals steht.

7 Wer kontrolliert die Klinikleitung eigentlich?

Das ist Aufgabe des Aufsichtsrates. Er bekommt regelmäßig Zahlen und Fakten geliefert. In diesem Gremium sitzen 13 Personen: die Stadtchefs von Singen, Radolfzell und Engen, der Waldshuter Landrat plus 4 Betriebsräte und 5 Kommunalpolitiker.

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HBH: Klinikverbund in der Krise: Der HBH-Klinikverbund, mit Standorten in Bad Säckingen (Hochrhein- Eggbergklinik und Krankenhaus), Bad Bellingen, Stühlingen, Singen, Engen, Radolfzell und Gailingen, ist in einer schweren wirtschaftlichen Lage. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Themenpaket.
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