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Singen Kleine Auszeit im Mittelalter

02.10.2012
Singen -  Regen und Matsch konnten die Freude am mittelalterlichen Spectaculum in Singen kaum trüben.

Das Mittelalter-Festival im Stadtpark bot nicht nur den „Zeitenbummlern“ aus Singen die Möglichkeit, sich beim Lagerfeuer unterm Zeltdach eine Auszeit vom Leben in der modernen Welt zu gönnen.  Bild: Jadis Walden

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Hexenverbrennungen, Millionen Tote durch die Pest, Hunger, Krieg und Elend. Das Mittelalter wird nicht von ungefähr auch als finsteres Zeitalter bezeichnet. Ganz so finster wurde die Zeitreise per Eintrittskarte für tausende Besucher des Spectaculum im Singener Stadtpark am Ende doch nicht. Das reisende Mittelalter-Festival will mehr das alltägliche Leben fernab der düsteren Überlieferungen vermitteln, inklusive knöcheltiefem Matsch. Zeltlager, Marktbuden, Musik-Bühnen und ein Schauplatz für Kämpfe boten allerlei Eindrücke, wie zwischen dem sechsten und 15. Jahrhundert in Europa zugegangen sein könnte.

Kleidung wie anno dazumal

Und natürlich die Kostüme. Alle Teilnehmer, aber auch viele Besucher, gaben sich reichlich Mühe, sich wie anno dazumal anzukleiden. Die Faszination dieser Epoche stand vielen Menschen auf dem Festgelände in den Augen, nicht nur den Kindern.

Die Erklärungen waren oft gleicher Natur: „Die Ritter waren die Helden, die Räuber ihre Gegner. Dazwischen gab es nichts. Diese einfache Aufteilung in Gut und Böse fasziniert nicht nur unsere Söhne“, gestand Beat Ruethi, der mit Rico (9) und Marcel (12) aus Frauenfeld angereist war. Die Kostüme inklusive langer Umhänge gegen das feuchte Wetter gehörten selbstverständlich dazu. „Es ist wie eine Zeitreise, hier laufen fast alle so rum wie wir. Das ist viel besser als Fernsehen und Computer“, schwärmte Marcel.

Von weiter weg waren auch Anja Kipper und Martin Schuhmacher gekommen: sie im langen Kleid einer Edelfrau, er als Kreuzritter. „Es ist eine der spannendsten Zeiten der deutschen Geschichte“, begründete Anja Kipper ihr Interesse am Mittelalter. „Wie es damals tatsächlich zugegangen ist, darüber streiten sich die Historiker. Das macht auch den Reiz aus, und wir versuchen auch mit dem heutigen Besuch hier, mehr darüber zu erfahren.“

Camping mitten im Stadtpark

Die „Zeitenbummler“ hingegen nahmen sich mit ihrem Wochenend-Zeltlager einfach eine Auszeit, wie es ihr Name schon ankündigt. Die Gruppe aus Singen campierte mit anderen befreundeten Mittelalter-Gruppen mitten im Stadtpark. Geschlafen wurde natürlich im Zelt auf dicken Fellen. Das Kaffeewasser wurde im Kessel über dem offenen Feuer heiß gemacht, das Mittagessen ebenso. Nicht im Espresso- oder Mikrowellen-Schnellverfahren, sondern gemächlich. Dass der Kaffee erst im 16. Jahrhundert seinen Siegeszug durch Europa antrat, steht auf einem anderen Blatt.

Uhren ticken langsamer

„Hier geht alles langsamer, die Zeit rennt nicht so irre schnell weg wie im normalen Alltag. Das ist ein erholsamer Urlaub von der schnelllebigen Leistungsgesellschaft“, begründete Alexander Meier, warum ein Mensch von heute sein Wochenende freiwillig bei kühlem Regenwetter draußen verbringt. Außerdem: „In unseren Kostümen sind hier alle gleich, hier unterscheidet sich der Manager nicht vom Angestellten. Nach drei Tagen stinken alle gleich.

„Und auch hier wird auf die Frage danach, welchen Reiz das Mittelalter ausmacht, geantwortet: „Jedes Kind träumt davon, ein Ritter oder eine Prinzessin zu sein. Das Schwert oder die Krone haben bis heute eine starke Symbolik, auch für Erwachsene. In einer derart komplizierten Welt wie heute faszinieren die einfachen Dinge immer mehr.“

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