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Singen Im El Dorado für Briefmarken- und Münzsammler

Kann man auch heute noch in der Briefmarkensammelbranche Geld verdienen? Man kann. Der Singener Fachhandel Lenz ist Anlaufstelle für Briefmarken- und Münzsammler. Die Nachfrage ist groß – sowohl im Laden als auch im Internet.

Am Verkaufstresen im Geschäft berät Heinrich Lenz einen Münzsammler, im Büro hat sein Sohn Axel Lenz gerade einem Briefmarkensammler eine Auswahl deutscher Marken aus der Nachkriegszeit gezeigt. Mit dem nächsten Kunden ist ein Termin schon vereinbart. Es gibt sie noch, die Sammler von Briefmarken und Münzen, der Singener Fachhandel Lenz mit jährlich zwei internationalen Auktionen ist eine gefragte Adresse.

„Jagen und Sammeln ist in den Genen verankert“, sagt Axel Lenz zum Thema Sammelleidenschaft. Für Interessierte spielten dann Dinge wie Herkunft und der geschichtliche Aspekt der Objekte eine wichtige Rolle. Münzen aus Edelmetall stellten überdies auch eine Wertanlage dar. Er selbst ist in die Materie hineingeboren, sein Vater war leidenschaftlicher Sammler. Heinrich Lenz' Vater gründete 1958 einen Versandhandel für Briefmarken und Münzen und eröffnete 1962 das Geschäft in der Thurgauer Straße.

Schon als Kind half Axel Lenz im Laden und fand sich früh in dieses Metier ein. Er erlernte aber seinen damaligen Wunschberuf und wurde Möbelschreiner. Die Verbindung zum Geschäft aber blieb, beim Vater machte er eine zweite Ausbildung zum Einzel- und Großhandelskaufmann und stieg 1984 in das Geschäft ein. Er erinnert sich an seine Prüfung, zu der man speziell aus München einen Fachmann für Marken und Münzen kommen ließ: „Es gab hier in der Gegend niemanden, der sich in diesem Bereich auskannte. Mein Vater konnte ja schlecht meine Prüfung abnehmen.“

Früher hätten Briefmarken aus Amerika, Fernost oder den Inselstaaten einen Blick in die Welt eröffnet und seien etwas Besonderes gewesen. „Mit dem Postaufbau wurde die Kommunikation in der ganzen Welt möglich“, nennt Lenz als Beispiel einen wertvollen Brief von 1870 von Deutschland nach Panama, der in allen Durchgangsländern gestempelt wurde. Heute werde nicht mehr so intensiv gesammelt wie in den 70er- und 80er-Jahren, aber leidenschaftliche Sammler für Briefmarken und Münzen gebe es immer noch. Axel Lenz ist überzeugt, dass auch in Zukunft weiter gesammelt wird.

Die Einführung des Internets bedeutete zwar eine Konkurrenz für das Singener Ladengeschäft, die frühzeitige Sicherung einer Internet-Domain mit dem einprägsamen Namen www.briefmarken.com brachte der Firma aber auch eine weltweite Plattform und neue Kunden. „Heute ist der komplette Katalog unserer Auktionen für Marken und Münzen im Internet einsehbar, und wir erhalten Gebote aus der ganzen Welt.“ Dafür steht als Beispiel eine Briefmarke aus China aus dem Jahr des Affen. Für ursprünglich 400 Euro angeboten, brachte sie 1250 Euro. Geboten hatten fast zehn Sammler ausschließlich aus China.

Die Marke stammte aus dem Nachlass eines Sammlers. „Nachlässe sind oft eine Fundgrube, und es können auch Raritäten auftauchen“, sagt Lenz. Die meisten Sammler sammelten ein spezielles Gebiet und kennten sich gut aus. Bei den Auktionen angeboten werden Briefmarken und Münzen in Kommission und aus eigenen Beständen. „Vor den Auktionen sind die Lager voll, hier stehen Sammlungen mit bis zu Tausend Alben, von denen ausgewählte Stücke in die Auktion kommen“, erzählt Lenz. „Der Preis wird durch die Liebhaber bestimmt. “ Ein nicht alltägliches Glanzlicht der letztjährigen Herbstauktion sei eine Zwei-Kreuzer-Marke auf einem Brief aus Österreich gewesen. Angeboten für 80 Euro, gab es letztlich einen Preis von 7500 Euro. Mit Aufgeldern und Kommissionsprovision bedeutete das für den Käufer die Summe von 9000 Euro.

„Über die Kriterien von Sammlern könnte man einen Roman schreiben“, zählt Lenz bei Briefmarken Merkmale wie Zähnung, Sitz und die Klarheit des Stempels, Papiersorte und Farbarten, die Gummierung bei ungestempelten Marken, Gültigkeit und Auflage auf. Bei Münzen ist es nicht anders, da werden Prägearten und Material bewertet, ganz wichtig sei der Zustand wie Verunreinigung, Kratzer und Abnutzung.

Axel Lenz hat wie sein Vater die Leidenschaft fürs Sammeln zum Beruf gemacht. Er sitzt zwar direkt an der Quelle, beschränkt sich in seiner Sammlung aber auf heimatbezogene und exotische Briefmarken und Münzen.

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