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17.02.2013  |  von  |  2 Kommentare

Wilde Heimat Ich mag Mohrenköpfe - bin ich ein Rassist?

Wilde Heimat -  Ist man ein Rassist, wenn man beim Bäcker lieber einen weißen Amerikaner kauft? Volontärin Kerstin Steinert macht sich Gedanken über rassistische, sexistische und politisch inkorrekte Nahrung und kommt dabei einer interessanten Verschwörung auf die Schliche.

Volontärin Kerstin Steinert ist verunsichert: Darf sie Mohrenköpfe essen oder muss sie diese ab sofort: Afro-Schaumküsse nennen? Und ist es schlimm, wenn sie dem weißen Amerikaner dem dunkeln mit Schokoüberzug bevorzugt?  Bild: Anna Maria Schneider



Alles fing mit einer einfachen Fragen beim Bäcker an: "Möchten sie einen dunklen oder weißen Amerikaner?" Sofort schoss mir durch den Kopf: Ist es jetzt politisch inkorrekt und diskriminierend, wenn ich antworte, dass ich einen weißen Amerikaner bevorzuge? Sollte ich vielleicht nicht lieber einen dunkeln Amerikaner mit Schokoüberzug nehmen. Ich will ja nicht, dass mich meine Bäckersfrau, bei der ich mir fast täglich irgendetwas kaufe, für einen Rassisten hält.

Diese und noch viele andere Fragen schossen mir durch den Kopf. Doch mein Problem löste das noch nicht. Da die Bäckersfrau aber schon ungeduldig wurde, entschloss ich mich einem schlechten Gewissen vorzubeugen und nahm einen Amerikaner mit Schokolade.

Sie sind einfach überall: Politisch inkorrekte Lebensmittel

Einmal damit angefangen, stechen mir die diskriminierenden Lebensmittel schnell ins Auge. Überall gibt es höchst brisante Bezeichnungen für Lebensmittel aller Art. Es gibt Wiener-Würstchen, Leck-Muscheln und Mohrenköpfe! Die Bezeichnungen sind nicht nur politisch inkorrekt, sondern auch noch kannibalistisch und sexistisch. Nimmt man die Bezeichnungen mal richtig auseinander wird schnell klar: Diese Verschwörung der Lebensmittelindustrie geht noch viel viel weiter.

Zum Beispiel das Wiener-Würstchen: Ist das Würstchen auf unseren Tellern aus Wienern gemacht? Sind wir etwa Kannibalen? Die Leck-Muschel ist fast schon eine brüderle´sche Lebensmittelbezeichnung. Offenbart man sich beim Kauf dieser Leckerei als Sexist? Und wie sieht es überhaupt beim Klassiker, dem Mohrenkopf oder Negerkuss, aus?

Der Weg aus der Diskrimierungsfalle

Der Begriff Mohrenkopf oder Negerkuss steht ja schon sehr lange zur Debatte. Schon vor einigen Jahren hat man aus Gründen der "political correctness", den Namen in Schoko- oder Schaumkuss umgeändert. Aber wäre es nicht eigentlich "korrekter" wenn man sie nur umbenannt hätte in Afro-Köpfe? Damit wäre man doch eigentlich aus dem Schneider, oder? Dann müsste man kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn man einen Schaumkuss isst und man wäre sicherlich auch kein Rassist. Ich werde das demnächst mal beim Bäcker ausprobieren und mir einen Afro-Amerikaner bestellen - auch wenn ich die mit Zuckerguss eigentlich lieber mag. Mal sehen was mir die Bäckerfrau dann einpackt.

Rassistische und klischeebehaftete Lebensmittel
  • Der „Mohr im Hemd“ ist eine österreichische Süßspeise. Dabei handelt es sich um einen Schokoladenkuchen garniert mit Schlagsahne. Der Ausdruck „im Hemd“ bezieht sich auf die weiße Haube durch die Sahne, die den Kuchen umhüllt. Damit wird zugleich noch schön ein Vorurteil bedient: Die Nacktheit von Afrikanern.
  • Ein weiterer „Mohr“ in den Nahrungsmitteln ist die bekannte Werbefigur von der Schokoladenmarke Sarotti. Auch dieser hat im Laufe der Zeit eine interessante Wandlung erlebt: Was früher der schwarze, kleine, dienende, afrikanische Sklaven war, ist heute ein Sarotti-Magier der Sinne. Ganz nebenbei hat er, wie Michael Jackson einst, die Hautfarbe gewechselt. Er ist erbleicht und ist nun goldener Hautfarbe.
  • Auch bei Getränken wird tief in die Klischee-Schublade gegriffen: Der Cocktail „White Russian“ ist ein alkoholisches Mixgetränk auf der Basis von Wodka. Ein schwerhaftendes Klischee über die Russen ist, dass sie Wodka trinken wie Wasser. Deshalb wird Wodka auch gerne als russisches Wasser bezeichnet. Der Cocktail „White Russian“ trägt also ordentlich zu dem Gerücht bei.
  • Die „heiße Liebe“ bezeichnet einen sündigen Nachtisch: Vanilleeis mit heißen Früchten, meistens Himbeeren oder Kirschen. Das süße, klebrige heiße Dessert spielt dabei auf die schönste Nebensache der Welt an. Auch der Cocktail „Sex On The Beach“ spricht es noch deutlicher an. Bei Bestellungen dieses Nachtisches und des Cocktails hört man deswegen auch öfter ein verlegendes Kichern von Kunden.
  • Besonders auffällig ist der Nationalismus oder Kannibalismus im Bereich der Würstchen. Wenn man beim Metzger Wiener, Frankfurter, Thüringer und Debrecziner bestellt, gibt man dann automatisch einer bestimmten Nationalität den Vorzug? Oder gar noch schlimmer: Sind in der Wurst etwas Wiener, Frankfurter, Thüringer oder Debrecziner verarbeitet? Ab sofort werden von mir nur noch Würstchen Wiener Art bestellt, nur um sicher zu gehen.
 


Jung, kurios und persönlich: Die Wilde Heimat ist das Online-Projekt der SÜDKURIER-Volontäre. Hier berichten die 13 Nachwuchs-Journalisten von witzigen Begegnungen, skurrilen Geschichten und den kleinen Kuriositäten des Alltags.

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2 Kommentare
es gibt genug andere probleme...
.....man kann´s auch mit humor nehmen!!!
Gibt es nicht genug andere Probleme
als sich über die Bezeichnung von Süßspeisen aufzuregen ?
Die Mohrenapotheke in der Wessenbergstraße, z.B. ein uralter Geschäftsname, soll nun auf enmal rassistisch sein ? Es gibt auch andere Methoden sich lächerlich zu machen.
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