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Hegau IG Hegauwind weist Kritik an Planung von Windkraft-Anlagen vehement zurück

Die IG Hegauwind wehrt sich gegen ein Schreiben der Gegner von geplanten Windkraft-Anlagen in der Region, das der Interessengemeinschaft unter anderem Naivität bezüglich der Versprechungen des Projektierers Solarkomplex vorwirft.

„Diese heftigen Vorwürfe können wir uns nicht bieten lassen. Der so genannte Faktencheck von Windkraftgegnern enthält viele unwahre Behauptungen, die auch ins Persönliche gehen“, sagt Andreas Reinhardt, Leiter der Stadtwerke Radolfzell. Er spricht dies auch im Namen der anderen Vertreter der Interessensgemeinschaft (IG) Hegauwind aus. Nach einer herben Kritik, die öffentlich die Runde machte, beziehen Reinhardt, Hegauwind-Sprecher Bene Müller, der Engener Stadtwerke-Chef Peter Sartena und der Steißlinger Gemeindewerke-Vertreter Axel Blüthgen deutlich Stellung gegen Behauptungen, die ihnen bei den Planungen von Windkraft-Anlagen, wie auf dem Steißlinger Kirnberg und dem Wald im Tengener Stadtteil Wiechs, auch unseriöses Agieren vorwerfen. Zu den nachfolgenden Vorwürfen und Fragen äußern sich die Hegauwind-Vertreter und andere Personen:

1. Die Kritiker sprechen von „suspekten und geschönten“ Gutachten, die nicht objektiv seien. Sie erfüllten nicht die Normen und gängige Standards. Stimmt das? „Es ist definitiv falsch, dass die Aussagen im so genannten Faktencheck über die Entscheidung von Kommunen und Stadtwerken zur Beteiligung an der IG Hegauwind mit mutmaßlich geschönten Aussagen und suspekten Gutachten zustande kam“, betont Andreas Reinhardt. Die IG Hegauwind habe – wie von den Bürgerinitiativen im Kern gefordert – konkret die aktuelle TRG 9 als Grundlage ihres Vorgehens gewählt, betont Bene Müller. „Dass neuere Standards ältere Gutachten überholt haben, liegt daran, dass sie erst später verabschiedet wurden“, so Müller.

„Wir geben Gutachten auch nicht vollständig heraus, weil Zahlen bewusst falsch bewertet werden. Wir haben gut 800 000 Euro in Vorleistungen gesteckt, um mögliche Standorte für Windkraftanlagen auszuloten. Wenn wir alle Gutachten herausgeben, können sie sich auch andere Interessenten zunutze machen“, betont Müller. „Die Geschäftsführer der an der IG Hegauwind beteiligten Stadt- und Gemeindewerke, sowie Bürgerunternehmen haben sich in einem langen und aufwändigen Prozess eine fundierte Meinung zu den untersuchten potentiellen Windkraftstandorten gebildet. Dies geschah auf der Grundlage von Windmessungen und Gutachten, welche sehr wohl den geforderten Qualitätsstandards entsprechen“, so Andreas Reinhardt.

Sie wehren sich als Vertreter der IG Hegauwind gegen die Vorwürfe von Bürgerinitiativen: (von links) Axel Blüthgen (Gemeindewerke Steißlingen), Peter Sartena (Stadtwerke Engen) Andreas Reinhardt (Stadtwerke Radolfzell) und Bene Müller (Solarcomplex).
Sie wehren sich als Vertreter der IG Hegauwind gegen die Vorwürfe von Bürgerinitiativen: (von links) Axel Blüthgen (Gemeindewerke Steißlingen), Peter Sartena (Stadtwerke Engen) Andreas Reinhardt (Stadtwerke Radolfzell) und Bene Müller (Solarcomplex). |

Es gebe keinen Grund, die getroffenen Entscheidungen der Gremien in Frage zu stellen. Auch die Region Hegau-Bodensee soll einen angemessenen Beitrag für eine klimafreundliche Stromerzeugung aus Windkraft leisten und sie tue dies an technisch und wirtschaftlich geeigneten Standorten. „Was die Verenafohren in Wiechs am Randen angeht, so haben alle elf Akteure der IG Hegauwind inklusive des Projektierers Solarcomplex die Betreibergesellschaft für diesen Standort gegründet und das notwendige Eigenkapital eingelegt. Insoweit hat kein Gesellschafter ein Interesse daran, Projekte wirtschaftlich schönzurechnen“, so Reinhardt. „Im Gegenteil, alle Gesellschafter haben inklusive des Projektierers ein vitales Interesse daran, dass die Windkraftprojekte im prognostizierten Renditekorridor laufen“, erklärt Reinhardt.

„Wir wollen die Wertschöpfung in der Region erhalten und die Investition nicht anderen, wie externen privaten Betreibern überlassen.“

2. Warum sind die Stadtwerke Konstanz aus der IG Hegauwind ausgeschieden? „ Wir haben uns schon vor längerer Zeit von Windprojekten verabschiedet, weil wir eine neue Strategie festgelegt haben. Die Stadtwerke Konstanz setzen verstärkt auf Solarenergie und Blockheizkraftwerke. Der Ausstieg hat nichts mit der Wirtschaftlichkeit der IG Hegauwind zu tun“, erklärt Josef Siebler, Pressesprecher der Stadtwerke Konstanz.

3. Sind Windparkanlagen ein massiver Eingriff in Natur? „Der Eingriff in die Natur ist mit dem Forst und den Naturschutzvertretern abgestimmt. Sie unterstützen unsere Vorhaben weitestgehend“, sagt Bene Müller. „Wenn für Windparks, wie bei den Verenafohren in Wiechs am Randen, Rodungsarbeiten anstehen, haben wir dies den gut 80 Flächeneigentümern schon vor drei Monaten mitgeteilt und das immer wieder kommuniziert. Ebenfalls stehen wir in ständigem engem Kontakt mit der Ortschaftsverwaltung und dem Tengener Rathaus über den Fortgang der Projektvorarbeiten. Gerodet werden in Wiechs rund drei Hektar. Damit verbunden ist die Auflage, 5,4 Hektar Waldfläche neu aufzuforsten. „Der Flächenverbrauch für Solaranlagen ist doppelt so hoch wie für Windkraftparks“, vergleicht Axel Blüthgen.

4. Werden für die Projekte Steuergelder verschwendet, wie die Bürgerinitiativen behaupten? „Es fließen überhaupt keine Steuergelder, weil nicht die Gemeinden direkt beteiligt sind. Wir als Stadtwerke arbeiten finanztechnisch eigenständig“, betont Peter Sartena, Geschäftsführer der Stadtwerke Engen. Er gehe davon aus, dass die Windkraft für sein Unternehmen einen moderaten Gewinn abwerfe. „Unsere Stadtwerke sind für ihre solide wirtschaftliche Arbeit bekannt. Sie gehen auch kein Risiko ein. Alles wird im Aufsichtsrat hinterfragt“, betont der Engener Bürgermeister Johannes Moser.

5. Ist das Projekt auf dem Kirnberg wirtschaftlich und wie sicher ist dies? „Seit Gründung der Interessensgemeinschaft 2012 wurde akribisch und intensiv die Planung von möglichen gemeinschaftlichen Windenergieanlagen im Landkreis Konstanz im Auftrag der Gesellschafter und Kommunen untersucht, vorangetrieben und auf dem Weg gebracht. Dies um einen eigenständigen Beitrag für den so wichtigen Atom ausstieg damals und dem heute hinzukommenden Kohleausstieg zu leisten“, sagt Andreas Reinhardt. Eine moderate Gewinnerzielung von drei bis vier Prozent sei erwünscht und auch realisierbar, wie intensive Berechnungen belegten. Das zeige auch das große Vertrauen von privaten Anteilseignern, die sich in einer Genossenschaft zusammengeschlossen haben. Das Interesse sei so groß, dass die Liste der Anteilseigner schon überzeichnet sei.

In der durchaus kontroversen Diskussion zu Windkraftanlagen in unserer Heimat beginne bedauerlicherweise inzwischen eine skurrile Verdrehung der Rollen. Unter dem klangvollen Namen „Forum Erneuerbare Energien Hegau-Bodensee“ trete ein Zusammenschluss von energiewirtschaftlichen Laien auf, der in der Region bisher keinerlei Projekte zur Nutzung von heimischen erneuerbaren Energien realisiert hätte. Davon gänzlich unberührt beanspruchten einige der darin versammelten Personen dennoch einen Expertenstatus.

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