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Singen Heizungspumpen: Ein Kellerkind als heimlicher Klimakiller

Alte Heizungspumpen sind Energieschleudern. Ihr Austausch ist in vielen Fällen ein lohnens­wertes Geschäft.

Sie zählen die größten Energie- und Geldschleudern sowohl in privaten Haushalten als auch in Unternehmen – doch nur selten ist man sich dessen bewusst. Alte Heizungspumpen benötigen rund 800 Kilowattstunden Strom im Jahr, was mit rund 150 Euro zu Buche schlägt. Zum Vergleich: Ein Kühlschrank, der ebenfalls rund um die Uhr im Betrieb ist (siehe auch Grafik), benötigt durchschnittlich rund 330 Kilowattstunden (63 Euro), ein Alltagsgerät wie ein TV-Gerät kommt auf 190 Kilowattstunden (36 Euro). Das birgt Potenzial für den Klimaschutz und für Markus Zipf als Klimaschutzbeauftragten der Stadt Singen passt von daher die Initiative der Baugenossenschaft Hegau zum Austausch nicht mehr zeitgemäßer Heizungspumpen ins Konzept. Etwa 130 der von dem Unternehmen bewirtschafteten Wohnungen sind bereits auf dem neuesten Stand, jetzt folgen die verbliebenen 250.

Die Genossenschaft investiert dafür rund 110 000 Euro, was sowohl die Energiekosten als auch die Einsparungen beim Stromverbrauch und beim Ausstoß von Kohlenstoffdioxid auf mehr als Dreiviertel der bisherigen Werte reduziert. Die Aktion ist dabei so gut wie geschenkt. Laut Genossenschaftsgeschäftsführer Axel Nieburg amortisiert sich die Investition bei einer durchschnittlichen Lebensdauer einer Heizungspumpe von 15 Jahren im Laufe von 2,8 Jahren, wobei im Fall der Genossenschaft nicht das Unternehmen, sondern die Bewohner den Profit einstreichen. „Der wirtschaftliche Vorteil des Pumpenaustausches liegt allein bei unseren Mitgliedern“, sagt er mit Verweis auf die zunehmende Bedeutung der Nebenkosten.

Nachholbedarf besteht nach Überzeugung von Axel Nieburg und Markus Zipf nicht nur bei den Möglichkeiten von Energieeffizienz und Kostenreduzierung, noch weitgehend unbekannt ist nach ihrer Ansicht auch die staatliche und städtische Bezuschussung. Die Bundesregierung übernimmt beim Austausch der Pumpen 30 Prozent der Kosten – und zwar sowohl für Unternehmen wie für private Haushalte. Der Staat erhofft sich davon Impulse für die bis zum Jahr 2020 gesetzten Klimaschutzziele. „Ich bin davon überzeugt“, so Axel Nieburg, „dass viele Betriebe davon gar nichts wissen.“ Er sieht seine Genossenschaft deshalb zugleich in der Rolle eines Vorreiters.

Unabhängig davon gewährt die Stadt Singen einen Zuschuss von weiteren 50 Euro, wobei es das Geld auch hier gleichermaßen für Betriebe und private Haushalte gibt. Allerdings macht die Stadt laut Markus Zipf dabei einen Abgleich der Pumpe mit den individuellen Erfordernissen der Haushalte beziehungsweise Betriebe zur Bedingung, um so die Effizienz möglichst optimal zu gestalten. So ein Abgleich dürfte sich nach seinen Angaben auf einen Betrag von etwa 500 Euro belaufen.

Die Preise für die Pumpen selbst variieren je nach Größe beziehungsweise Leistung, bei einem durchschnittlichen Haushalt ist von einem Betrag von 500 Euro auszugehen. Mit insgesamt 1000 Euro kann man somit den Energieverbrauch einer Heizungspumpe auf ein zeitgemäßes Niveau bringen – abzüglich der Zuschüsse und der Einsparung von Energiekosten lässt sich die Amortisation der Investition auf relativ einfache Art und Weise berechnen. Der Arbeitsaufwand für den Austausch der Pumpen beläuft sich nach Angaben von Markus Zipf und Geschäftsführerin Gabi Kerschbaumer von der gleichnamigen Engener Heizungsfirma, die bei der Baugenossenschaft Hegau den Austausch der Pumpen übernimmt, auf etwa zwei Stunden, im Fall eines vorherigen Abgleichs ist mit einem weiteren Zeitaufwand von zwei Stunden zu rechnen. Im Fall der 250 Pumpen, die für die insgesamt rund 2000 Wohnungen der Genossenschaft in Singen, Stockach, Radolfzell, Konstanz, Ludwigshafen, Rielasingen und Gottmadingen eingebaut werden, geht Martin Stein, der für das technische Bestandsmanagement zuständig ist, von einer geräuschlosen Aktion aus, von der die Bewohner allenfalls durch die kurzzeitige Unterbrechung der Warmwasserversorgung etwas mitbekommen werden – bis Ende Februar sollten dann die energetischen Leichen im Keller beseitigt sein.

Kostenlose Beratung und Zuschüsse

  1. Energie-Check: Die Stadt Singen bietet ihren Bürgern umfassende Beratungen an, sie arbeitet dabei mit der Energieagentur und Verbraucherzentrale des Landkreises Konstanz zusammen (Tel.: 077 32 / 939 1234 zwischen 8.30 und 11.30 Uhr). Bei der Analyse des Heizsystems werden dabei unter anderem das Alter der Heizung, die Verbrauchsdaten und nicht zuletzt die Effizienz der Heizungspumpe analysiert. Die Erstberatung des Heiz-Checks ist für die Singener Bürger kostenlos.
  2. Zuschüsse: Das Förderprogramm des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Mehr Infos auf der BAFA-Homepage im Internet) besteht seit Juli vergangenen Jahres, übernommen werden nach Angaben der Baugenossenschaft Hegau 30 Prozent der Nettohandwerkerrechnung. Die Stadt Singen gewährt zusätzlich einen kommunalen Zuschuss von 50 Euro – allerdings ist diese Förderung pro Jahr auf den Austausch von 100 Hocheffizienzpumpen begrenzt, außerdem ist für sie vorab ein Heiz-Check erforderlich.
  3. Muss es eine neue Pumpe sein? Veraltete Pumpentechnik ist das eine – der Abgleich mit den Leistungserfordernissen das andere. Viele Heizungspumpen wirken allein deshalb als Stromfresser, weil sie überdimensioniert oder ungeregelt sind. Ein Abgleich/Beratung ist deshalb bei älteren Anlagen empfehlenswert. (tol)

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