Singen Hegauer Bürgermeister werden geschnitten

Bei Fernsehbeitrag über brisantes Thema Dellenhau kommen zuvor interviewte Michael Klinger und Ralf Baumert nicht zu Wort. Dafür aber bei der anschließenden Sendung Unternehmer Hans-Peter Stihl umso mehr

Um einen knackigen Titel ist das Fernsehen des Südwestrundfunks nicht verlegen. „Gewinne in der Schweiz, Dreck im Hegau“, so kündigt der Sender einen Beitrag an, der das brisante Thema Kiesabbau im Dellenhau behandelt. Einen Tag zuvor hatte das Fernsehteam den Film vor Ort gedreht. Auch mit Hilfe einer Drohne, die das immer stärker ins Blickfeld rückende Gebiet aus der Vogelperspektive zeigt. „Es geht um Schotter – im doppelten Sinn“, wird schlagkräftig anmoderiert, auch mit Blick darauf, dass ein Großteil des Kieses lukrativ in die nahe Schweiz transportiert werden soll. Das nächste Bild zeigt die pure Wald-Idylle. Es folgt ein Bagger, der auf einer großen Abbaufläche Kies schaufelt. „So sieht es hier bald aus“, heißt es dazu ganz unverblümt.

Ein solches Schockszenario ist Wasser auf die Mühlen der Kiesabbau-Gegner, die dann auch kräftig wettern. Wie Peter Waldschütz, der die Initiative gegen den Dellenbau-Kiesabbau anführt: „Wir dürfen unsere Heimat nicht in die Schweiz verkaufen.“ Auch der Singener Oberbürgermeister Bernd Häusler bekommt Gelegenheit, seine Argumente gegen den Kiesabbau ins rechte Bild zu rücken. Wenn auch in wesentlich kürzeren Sequenzen als beim Original-Interview. Die nicht weniger kritischen Stimmen des Gottmadinger Bürgermeisters Michael Klinger und des Gemeindechefs von Rielasingen-Worblingen, Ralf Baumert, fallen dagegen dem Filmschnitt zum Opfer. Dafür zeigt die Sendung Laster und Autos, die dicht gedrängt durch die Hauptstraße von Rielasingen-Worblingen rollen. So drastisch das Fernsehen den Protest aufzeigt, will sie aber auch die Befürworter des Kiesabbaus zu Wort kommen lassen.

Kiesunternehmer Andreas Drewing will aber nur eine kurze schriftliche Stellungnahme abgegeben. Es gehe ihm nicht um Gewinn, sondern um Sicherung des Rohstoffes Kies und Ersatz für ein Kiesabbaugebiet in Überlingen am Ried. Der Hilzinger Bürgermeister Rupert Metzler bricht eine Lanze für Drewing. „Es ist sein gutes Recht, den Regionalplan zu lesen, nach Flächen zu suchen und sie zu finden“, betont er und kritisiert, dass die Gegner Geschäfte mit der Schweiz anprangern. „Wir leben von und mit der Schweiz. Handelsbeziehungen dürfen an der Grenze nicht einseitig laufen“, so Metzler.

Was das Fernsehen im Dellenhau nicht aufschnappte, aber der SÜDKURIER: Der achtjährige Florian Straub aus Bietingen sorgt sich um die Tierwelt, wenn die Bagger anrollen und befürchtet sogar Unfallgefahren für Spaziergänger. Der frühere Kreisforstamtsleiter Johann Hahnloser wettert als Ruheständler gegen das Verhalten des Landesforsts. Der hatte den Pacht-Vertrag mit Drewing geschlossen und so den Stein erst ins Rollen gebracht. „Wir haben uns von Anfang an dagegen ausgesprochen, dass das Dellenhau als Kiesabbaugebiet ausgewiesen wird“, erklärt Hahnloser. Auch ein Ende der Tierwelt und der Wildschweinjagden drohe im Dellenhau.

Die kann der Unternehmer Hans-Peter Stihl noch im Wald des Tengener Stadtteils Wiechs am Randen ausführen. Auch wenn dort bald ein Windpark entsteht. Über den langjährigen Eigentümer und Geschäftsführer der Motorsägenfabrik Stihl, der heute noch alleiniger haftender Gesellschafter ist, zeigte das Südwestfernsehen gleich im Anschluss an den Dellenhau-Beitrag ein interessantes Porträt. Der gerade erst 85 Jahre alt gewordene Hans-Peter Stihl zeigt dabei auf, wie er den Familien-Betrieb zu einem weltweiten Marktführer entwickelt hat. Seine Großeltern haben in Wiechs gewohnt. Schon von daher hat Stihl einen besonderen Bezug zum Dorf. Das dort angesiedelte Werk wurde Zug um Zug erweitert. „Mein Ziel war es immer, dass unsere Beschäftigten bis zur Rente bei Stihl arbeiten“, nennt er seine Philosophie. Auch in Wiechs halten die Mitarbeiter dem Betrieb, wie Stihl dem Standort die Treue. Dort arbeiten um die 55 Menschen, weltweit etwa 3500, die milliardenschwere Umsätze erzielen. Es geht also auch bei Stihl um richtig viel Schotter.

Auch das gibt es

Hans-Peter Stihl beherrscht selbst das Motorsägen und fährt auch begeistert Motorrad, was der SWR-Film zeigt. Er spricht auch über seine langjährige Tätigkeit als Präsident des Industrie- und Handelstages, die ihn mit vielen Persönlichkeiten zusammengeführt, aber auch zähe, bahnbrechende Verhandlungen mit der Gewerkschaft über die 35-Stunden-Woche beschert habe.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Dellenhau: Auf dem landeseigenen Areal Dellenhau in der Gemeinde Hilzingen will das Unternehmen Birkenbühl auf etwa 15 Fußballfeldern Größe Kies abbauen. Umliegende Kommunen und eine Bürgergemeinschaft kämpfen gegen das Vorhaben. Lesen Sie hier alle Beiträge zum Thema.
Hervorragende Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Singen
Kreis Konstanz
Singen
Singen
Singen
Singen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren