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Singen Hegau statt New York

02.07.2008
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Wenn der Künstler Antonio Zecca aus Steißlingen drei Stunden am Tag in seinem Atelier arbeiten kann, ist er schon froh. Mehr Zeit bleibt ihm dafür nicht. Er hat die Kunst zu seinem Beruf gemacht, auch wenn er wusste, dass er den Lebensunterhalt allein damit nicht bestreiten kann. So verdient er das nötige Geld durch Kurse, die er in der ganzen Umgebung gibt und die neben langen Fahrstrecken auch intensive Vorbereitungszeit erfordern. Kunstvermittlung zählt er zu den wichtigen Aufgaben in der Gesellschaft. Zu Projekten und Lehraufträgen an Schulen kommen auch Kurse für Fortgeschrittene.

"Das sind sehr gute Leute, die wissen, worum es geht", sagt Zecca. Gemeinsam mit ihnen erarbeitet er Konzepte für deren Ausstellungen. Nach Deutschland kam er schon als Siebenjähriger mit seinen Eltern aus Italien. Er studierte Textildesign, wechselte aber bald an die Kunstakademie Stuttgart, wo er von 1984 bis 1988 freie Kunst studierte. Zurück in Italien, trat er trotz guter Verdienstmöglichkeiten eine Stelle als Textildesigner in Mailand erst gar nicht an. Denn plötzlich habe die Malerei im Vordergrund gestanden: "Ich hatte das Gefühl, damit verliere ich nur Zeit", erzählt Zecca.

Für ihn ist die Kunst Berufung, sein festes Ziel war es, in New York zu arbeiten und zu leben. Auf der geplanten Reise über Deutschland, Spanien und Frankreich war Singen die erste Zwischenstation, und schon dieser Aufenthalt durchkreuzte seine Pläne. Zecca lernte seine heutige Frau kennen, wurde Vater und er blieb. Heute sind seine Töchter 15 und sieben Jahre alt. Um die Lebenskosten zu sichern, arbeitet seine Frau wieder ganztags. Denn ohne ihren Verdienst würde die Familie nicht über die Runden kommen. Er sagt ganz selbstverständlich: "Ich bin gleichzeitig auch Hausmann". Er koche für die Kinder und kümmere sich tagsüber um sie.

Durch all seine Termine bleibt für seine künstlerische Arbeit nur wenig Zeit. Oft käme er erst am Abend dazu, aber da könne er bis in die Nacht hinein arbeiten. Aber Zecca steht dazu, den Anspruch, ein Luxusleben zu führen, habe er nicht. Was durch seine Kunst an Geld hereinkomme, fließe auch wieder zurück in seine Arbeit. Aber er sagt: "Ich kann nicht anders, ich liebe die Kunst und lebe sie." Auch wenn sie brotlos sei. In die oberste Künstler-Liga aufzusteigen sei wie ein Lottogewinn. Und gute Künstler gebe es viele. Schon als Kind habe er mit Mitteln der Kunst Geschichten erzählt, noch heute sei es sein Thema, Erinnerungen an Heimat und Wurzeln zu verarbeiten.

Christel Rossner

Singen
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