Fasziniert schaut Inge Eckey aus dem Fenster der „Romandie Zwei“, dem Schiff, mit dem wir über die drei Juraseen schippern, und kommt ins Schwärmen: „Ach, das ist so schön hier“, bewundert sie die Umgebung, die hinter Nebel und Regen leider ein bisschen verschwimmt. Sie ist eine von knapp 100 Lesern, die bei der SÜDKURIER-Tagesreise eine Schifffahrt auf den drei Juraseen Bielersee, Neuenburgersee und Murtensee genießen.
Die Singenerin möchte gerne ganz genau wissen, wo das Schiff entlang fahren wird. Zum Glück hat Regina Uhlmann eine Karte dabei und bahnt sich den Weg um die lange Tafel herum zu Inge Eckey. Interessiert stecken die Frauen die Köpfe zusammen und zeichnen die Route mit den Fingern nach.
In dem mittelalterlichen Städtchen Murten im Kanton Freiburg geht es auf das Schiff und erst einmal quer durch den Murtensee. Über einen künstlich angelegten Kanal geht es dann in den Neuenburgersee, den größten der drei Juraseen. Allerdings sehen wir nur einen kleinen Teil dieses Gewässers, denn über einen weiteren Kanal geht es sogleich in den Bielersee, wo wir an der Sankt Petersinsel anlegen.
Hier haben wir nach dem guten Essen auf dem Schiff – Salat und Geschnetzeltes mit Nudeln – die Gelegenheit, uns ein wenig die Füße zu vertreten. Von dem Regen lassen sich die fröhlichen Reisenden dabei nicht die Laune verderben. Mit Regenjacke und Schirm ausgerüstet erkunden wir die Gegend, wobei uns als erstes ein Denkmal des Philosophen Jean-Jacques Rousseau ins Auge fällt. Dieser hat sich 1765 einige Wochen lang auf der Sankt Petersinsel aufgehalten.
Während wir noch bei dem Denkmal stehen und sich eine kleine Diskussion um Rousseaus Wirken entspinnt, kommt plötzlich Regina Uhlmann angelaufen. „Kommt, seht mal, was ich entdeckt habe“, fordert sie uns auf. Also folgen wir ihr weiter ins Zentrum der Insel. Dort steht ein schöner alter Gebäudekomplex – der einzige der Insel – und wenn man genau hinsieht, kann man freigelegte Teile eines alten Mauerwerks entdecken. Das heutige Restaurant und Klosterhotel mit dem vom Inselbauern bewirtschafteten Gutshof wurde 1127 als Kloster erbaut.
Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Rousseau und andere Gelehrte hier schon vor Hunderten von Jahren – wie wir heute – die Landschaft genossen. Wolfgang Neumann, der Busfahrer, der die Reisegruppe am frühen Morgen sicher von Singen nach Murten chauffierte, genießt noch etwas anderes, das er gerade entdeckt hat: Leckere Weintrauben. Daraus keltert das Gasthaus noch heute seinen eigenen Wein.
Wieder zurück auf dem Schiff, können wir die wärmende Tasse Kaffee und den köstlichen Nachtisch gut gebrauchen. „Das war jetzt ein bisschen weiter, wie wenn ich in den Garten gehe“, zieht Franz Ott Bilanz und lacht. Sonst geht er gerne wandern und läuft dabei viel weiter. Seine Frau Renate Steppacher allerdings kann nicht mehr so weit laufen, daher war die Seenrundfahrt die perfekte Reise für sie. Ihr Mann ist ihr zuliebe mitgekommen und bereut dies keineswegs. Aufgrund des großen Interesses wurde von Mayer Hohentwielreisen eine zweite Lesergruppe auf dieselbe Reise geschickt. Die Sonne wollte sich bei beiden Tagesausflügen nicht zeigen, trotzdem war das Wetter der zweiten Gruppe wohlgesonnener. Trotz Hochnebel und schlechter Sicht war es ein gelungener Sonntagsausflug. „Es ist natürlich schade, dass das Wetter nicht so recht mitspielt. Aber Ende September wird es nun mal herbstlich. Ansonsten hat mir die Reise sehr gut gefallen und das für einen wirklich guten Preis“, erzählt Ewald Münch, der auf dem Dach des Schiffes die Aussicht auf das große Vogelschutzgebiet genießt.
Durch die künstlich angelegten Verbindungen zwischen den Seen kann man die wunderschöne Natur bestens beobachten und bewundern. „Die Reise gefällt mir sehr gut. Die Pause auf der Sankt Petersinsel hätte ruhig etwas länger sein können. Dann hätte man die tolle Landschaft noch besser genießen können. Ansonsten hat mir die Reise großen Spaß gemacht und sehr gut gefallen“, findet Hedi Weber. Nachdem alle Reisenden mit Kaffee und Dessert den Rückweg über die drei Seen antreten, ist die Stimmung immer noch blendend und auch ein kleiner Regenschauer ändert nichts daran.
„Die Natur ist wunderschön und wenn man durch die Kanäle fährt sieht man so viele interessante Dinge. Gut wäre es auch gewesen, wenn wir mehr Informationen über die Umgebung bekommen hätten“, erzählt die begeisterte Christa Oppermann. Zurück in Murten leitet Busfahrer Karsten Wolf alle Gäste durch die schöne Altstadt zum Bus, um nach einem tollen Sonntag die Heimreise anzutreten.
