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Singen Ganzer Einsatz für die Bücher

Als Deutschlehrerin musste Jutta Pfitzenmaier schon berufsbedingt viel lesen. Doch ihre Leidenschaft für Bücher geht noch viel weiter. Sie ist maßgeblich daran beteiligt, dass Engen heute eine Stadtbibliothek hat.

Montags bei Trautmann: Als Deutschlehrerin musste Jutta Pfitzenmaier schon berufsbedingt viel lesen. Doch ihre Leidenschaft für Bücher geht noch viel weiter. Sie ist maßgeblich daran beteiligt, dass Engen heute eine Stadtbibliothek hat.

Frau Pfitzenmaier, bei Ihrer Ankunft in Engen hatte die Stadt noch keine Bücherei. In 13 Jahren haben Sie sich unermüdlich dafür eingesetzt und eine beachtliche Einrichtung auf die Beine gestellt. Wie hat alles angefangen?

Als wir im Jahr 2000 nach Engen gezogen sind, haben wir an einer Stadtbesichtigung für Neubürger teilgenommen. Wir fanden alles sehr schön. Besonders die Altstadt gefiel uns. Die Infrastruktur war gut. Doch als wir nachfragten, wo sich denn die Stadtbibliothek befinde, hieß es: Die gibt's nicht mehr.

Und dann haben Sie gleich den Förderverein gegründet?

Nein, da gab es zuvor noch die Bürgeraktion Bibliothek Engen (BABE). Sicher war das ein Zufall, dass die vier Wochen nach unserer Ankunft in Engen tagte. Da war ich natürlich dabei. Von meiner Arbeit in den Gymnasien wusste ich, dass es immer gut ist, einen Förderverein zu haben. Er spricht viele Helfer an. Warum also nicht einen Förderverein für die Bibliothek gründen? Dort würden wir immer Helfer benötigen. Mein Vorschlag fand sofort Zustimmung. Und so konnten wir im März 2001 den Verein gründen.

Nur wenig später, im Juli 2001, ging dann auch schon die Kinder- und Jugendbibliothek in der ehemaligen „Linde“ in Betrieb. Wie kam das bei der Engener Bevölkerung an?

Die meisten waren sehr erfreut. Doch bei einigen herrschte auch Skepsis, ob das Konzept in Engen trägt. Als Verein hatten wir die Aufgabe, Geld für die Bücherei zu beschaffen, aber wir haben die Bedingung gestellt, dass die Stadt eine Bibliothekarin anstellen müsse. So kam Liselotte Banhardt zu uns. Sie leitet inzwischen die Bibliothek am Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen.

Ist das nicht eine extreme Herausforderung für einen Förderverein, wenn er für die Geldbeschaffung zuständig ist? Was haben Sie unternommen?

Zum Glück stattet die Stadt Engen die Bibliothek mit einem guten Etat aus. Wir aber sorgen für den Zustupf. Dazu sammeln wir Spenden und Fördermittel. Vor allem bekommen wir Bücherspenden, die wir dann bei jeder Gelegenheit wieder verkaufen können. Der Erlös dafür fließt abzüglich unserer bescheidenen Werbemittel in die Bibliothek und in unsere Lesungen. In Engen gibt es ja viele Märkte, bei denen wir uns mit einem Stand präsentieren können. Wir waren beim Ostermarkt, Weihnachstmarkt, Altstadtfest.

Unter freiem Himmel? Das bekommt doch den Büchern nicht unbedingt gut.

Das stimmt. Das hatten wir am Anfang unterschätzt. Wenn es zu feucht ist, leiden die Bücher und werden unansehnlich. Am Ostermarkt kann es sogar noch schneien. Und beim Weihnachstmarkt ist es meistens auch schon so kalt, dass die Besucher zu klamme Finger haben, um in Büchern zu blättern. So war bald klar, dass wir ein Dach über dem Kopf brauchten. Im Oktober 2004 waren wir dann zum ersten Mal mit unserem Büchermarkt im katholischen Gemeindezentrum. Da hatten wir Tische nicht nur für die Bücher, sondern auch für unsere Bewirtung mit Kaffee und Kuchen. Da war es warm und gemütlich. Dort waren wir bis 2010.

Und jetzt ist der Büchermarkt so groß geworden, dass Sie jetzt die Stadthalle dafür brauchen?

Es hat sich herumgesprochen, dass wir Bücher annehmen. Die meisten Menschen können keine Bücher wegwerfen, wissen aber oft nicht wohin damit. Da ist es für sie eine echte Entlastung, wenn sie wissen, dass ihre Schätze noch einen guten Zweck erfüllen. Wir bekommen sehr viele Spenden aus allen Bereichen. Vom Kinderbuch bis zum Kochbuch und neuerdings auch viele CD und sogar DVD.

Da müsste sich der örtliche Buchhandel ja die Haare raufen.

Nein, im Gegenteil. Vom Buchhandel bekommen wir die Rückmeldung, dass unser Büchermarkt das Geschäft sogar ankurbelt.

Wie kann das sein?

Wer Bücher zu uns bringt, hat wieder Platz in seinen Regalen. Man kann also hemmungslos Neuerscheinungen in der Buchhandlung einkaufen und weiß, dass man sie auch wieder los wird. So entsteht ein Kreislauf.

Wer kommt in Zeiten des Online-Handels Amazon und Co überhaupt noch zu Ihrem Büchermarkt?

Oh, da kommen Hunderte aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Wir verkaufen die Bücher ja Kiloweise. Ein Kilogramm Taschenbücher kostet 4 Euro, ein Kilo Hardcover 2 Euro. Vielleser schleppen da teilweise unglaubliche Berge davon. Manche kaufen für bis zu 100 Euro ein. Sie kommen mit Listen und suchen gezielt nach dem, was ihnen noch fehlt.

Wenn Sie von diesen riesigen Bergen sprechen, dann frage ich mich, wer das alles auf- und abbaut. Haben Sie immer genügend Helfer?

Das ist in der Tat spannend, wer uns hilft, Bücher zu schleppen. Wir führen natürlich Listen, in denen die Aufgaben verteilt sind. Aber es kann sein, dass da plötzlich 30 Leute dastehen, um zu helfen. Beim Aufbauen des Büchermarktes - wenn nach Sachgruppen sortiert wird - herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre. Manchmal helfen sogar Kinder mit Transportwagen. Die Jugendfeuerwehr hilft und die Firma Lohmann stellt ein Fahrzeug zur Verfügung. Und nach der Veranstaltung muss ja auch alles wieder abgebaut werden. Danach sind alle fix und fertig aber zufrieden. Alles ist ehrenamtlich. Da zeigt sich echter Bürgersinn.

Wieviele Mitglieder hat der Verein?

Wir haben etwa 80 Mitglieder und siebenVorstände mit der Bibliothekarin. Wir freuen uns über neue Mitglieder.


Jutta Pfitzenmaier

Die Engenerin hat nicht nur die Stadtbücherei aufgebaut, sondern auch für ihr ständiges Wachstum gesorgt
Jutta Pfitzenmaier (64) ist nach langer Lehrtätigkeit an Gymnasien frisch pensioniert. Im Jahr 2000 kam die gebürtige Stuttgarterin zusammen mit ihrem Mann Siegfried und den beiden mittlerweile erwachsenen Töchtern nach Engen. Während ihr Mann das Singener Lehrinstitut für Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwächen aufbaute, pendelte sie ans Fürstenberggymnasium nach Donaueschingen. Davor hatte die Familie 18 Jahre in Titisee-Neustadt gewohnt. Gleich bei der Ankunft in Engen fiel der Deutsch- und Englischlehrerin auf, dass eine Bibliothek fehlt. Gemeinsam mit anderen gründete sie den Förderverein im März 2001. Im Juli hatte Engen eine Kinder- und Jugendbibliothek. Die Bücherei wurde in den vergangenen Jahren ständig erweitert und verfügt mittlerweile über 15 000 Bücher und elektronische Medien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zur Finanzierung seiner Aktivitäten ist der Förderverein auf Spenden, Mitgliedsbeiträge und Erlöse aus Aktionen, wie der Büchermarkt am 9. November, 13-16 Uhr in der Engener Stadthalle, angewiesen. (gtr)

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