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Singen Ganz oben angekommen

27.06.2011
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Montags bei Trautmann: Christl und Erich Herold aus Singen zählen zu den Besten, die die Amateurfilmliga zu bieten hat. Ihre lokale Reportage über den Singener Rapper „Red Dog“ wurde bei den Deutschen Amateur-Film-Festspielen gezeigtFrau Herold, die Filmerei ist nach wie vor eine Männerdomäne.

Im Filmclub Singen-Radolfzell haben Sie sich hohe Anerkennung erarbeitet. Zusammen mit Ihrem Mann holen Sie einen Preis nach dem andern. Was bedeutet es für Sie, dass einer Ihrer Filme jetzt auf den Deutschen Amateur-Film-Festspielen in der Nähe von München gezeigt wurde?

Ich bin natürlich sehr stolz darauf. Wenn man dort einen Film zeigen darf, hat man es als Amateur bis nach ganz oben geschafft. Unsere Filme sind immer eine Gemeinschaftsleistung von meinem Mann und mir. Wir werden von vielen um dieses gemeinsame Hobby beneidet.

Herr Herold, gibt es bei Ihrer Arbeit eine klassische Rollenverteilung? Etwa, der Mann filmt, die Frau spricht?

Wir haben jeder eine Kamera und filmen auch beide. Aber bei der Endbearbeitung hat jeder von uns seine Spezialitäten. Ich kümmere mich mehr um den Filmschnitt. Meine Frau vertont die Filme.

Jetzt sind wir ja schon mittendrin, also eigentlich einen Schritt zu weit. Ohne Idee geht es ja nicht. Wie wählen Sie Ihre Themen aus?

Sehr viele Anregungen entnehmen wir dem SÜDKURIER. Zum Beispiel hatten wir einen Bericht über den Singener Rapper im Rollstuhl, Emmidio Sansone „Red Dog“, gelesen. Diese Geschichte hat uns so fasziniert, dass wir mit ihm Kontakt aufgenommen haben. Er gab uns Einblick in sein Leben. Dann folgten zwei Monate harter Arbeit. Wir haben ihn in den verschiedensten Situationen begleitet. Es musste ein Drehbuch geschrieben werden. Meine Frau hat den Kommentar geschrieben. Emmidio Sansone hat ihn dann selber gesprochen. Das war sehr authentisch und ging unter die Haut. Unser Ziel war ja, mit dem Film anderen Behinderten Mut zu machen. Wir wollten Red Dog ja nicht vorführen, sondern nur sein Leben dokumentieren. Das hat auch die Wettbewerbsjury sehr berührt. Und deshalb wurde der Film ja bei den Deutschen Amateur-Film-Festspielen gezeigt.

Sie haben ja schon unzählige Auszeichnungen für Ihre Filme erhalten. Warum ist das jetzt die Krönung von allem bisher erreichten?

Wenn man es bis zu den Filmfestspielen schafft, dann ist man eigentlich schon ganz oben. Sie müssen sich vorstellen: da wurden 3500 Filme aus den verschiedenen Kategorien für den Wettbewerb eingereicht. Von den Preisgekrönten wurden nur 67 bei den Filmfestspielen in St. Wolfgang gezeigt. Und wir sind dabei. Das ist ein Ereignis, das ein Hobby-Filmer vielleicht einmal im Leben erreicht. Aus unserem Club hat das zuletzt einer vor zwölf oder 13 Jahren geschafft. Für uns war es eine ganz besondere Ehre, dort eingeladen zu werden.

Der Filmclub Singen-Radolfzell feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Trotz Ihrer zahlreichen Erfolge sind Sie aber noch gar nicht so lange dabei. Wie kamen Sie überhaupt zu diesem Hobby?

Auch daran war der SÜDKURIER schuld. Ich (Christl Herold) hatte zwar schon ganz früher in der Super8-Zeit gefilmt. Aber während des aktiven Berufslebens hatte ich dafür keine Zeit. 2004 entdeckten wir eines Tages im SÜDKURIER den Aufruf des Filmclubs, der Nachwuchs suchte. Da sind wir dann halt als frischgebackene Pensionäre mal hingegangen. Der Austausch dort, der kritische Blick der Kollegen hat uns wirklich sehr voran gebracht. Ich kann jedem Hobbyfilmer nur raten, mal einige Abende beim Filmclub vorbei zu schauen, um sich ein paar wertvolle Tipps zu holen. Man kann mit einer Allerweltskamera die tollsten Filme machen. Gäste sind immer willkommen. Sie können sich ja schon mal auf unserer Homepage informieren: www.filmamateur.de.

Aber Ihre preisgekrönten Filme haben Sie doch sicher nicht mit einer Allerweltskamera gedreht?

Ich muss zugeben, wenn man das so intensiv macht wie wir, steigen auch die eigenen Ansprüche an die Technik.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Das ist eine Reportage über eine Tierwanderung in Afrika. Dazu haben wir im vergangenen Jahr eine spezielle Fotosafari mit einem eigenen Fahrer in den Serengeti Park unternommen. An einem Tag haben wir fünf Stunden am Mara-River gestanden und darauf gewartet, dass eine riesige Gnu-Herde mit mehreren Tausend Stück den Fluss überquert. Doch dann sind die Tiere einfach abgedreht. Pech gehabt. Aber es gibt auch ganz starke Aufnahmen, die zeigen, wie ein Löwe seine Beute zerlegt und die Hyänen schon auf ihren Anteil warten. Von dieser Reise haben wir 20 Stunden Filmmaterial mitgebracht, das jetzt auf 20 Minuten reduziert werden muss. Das ist noch ein großer Brocken Arbeit.

Gibt es bei Ihnen auch Familienfilme oder arbeiten Sie jetzt nur noch für die Wettbewerbe?

Selbstverständlich drehen wir Familienfilme, zum Beispiel „Fabian auf dem Reiterhof“. Allerdings mit Niveau. Außerdem werden diese Filme genauso vertont.

Haben Sie überhaupt noch Zeit für andere Hobbies?

Das füllt uns schon sehr aus. Wenn wir einen Film für einen Wettbewerb vorbereiten, kann es vorkommen, dass wir eine Woche lang nichts anderes tun, als das Material zu schneiden und zu vertonen. Aber es gibt auch andere Zeiten. Da machen wir gerne Sport.

Fragen: Gudrun Trautmann

Alle Montagsgespräche im Online-Dossier: www.suedkurier.de/beitrautmann

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