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Steißlingen Freiwillige helfen selbstlos

29.03.2005
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Nach dem sintflutartigen Regen und den Überschwemmungen am Donnerstagabend in Steißlingen sind die Bewohner des betroffenen Gebietes mit dem Beseitigen der Schlammmassen beschäftigt. Die Einsatzkräfte und viele Helfer waren fast 24 Stunden im Einsatz. Der Schaden wird auf dreieinhalb bis vier Millionen Euro beziffert.

Steißlingen -Was in der Gründonnerstagnacht in kürzester Zeit von der Homburg auf Steißlingen herunter gespült wurde an Wasser und Geröll, sei so noch nicht dagewesen, sagen die alten Steißlinger. Zwar habe es immer mal - zuletzt vor 40 Jahren - Überschwemmungen durch die beiden Bäche Dorfbach und Rehmenbach gegeben. Aber nicht in so kurzer Zeit und nicht so heftig und weitreichend. Die sintflutartigen Sturzregen nahmen im noch kahlen Wald ungebremst altes Laub, Äste und Geröll von der Homburg her mit ins Dorf hinunter und verstopften Siebe und Einlaufschächte. Die Kanalrohre des Dorfbachs seien gar nicht mal voll gewesen, hieß es von der Feuerwehr. Im südlichen Teil des Neubaugebiets schwemmten die Oberflächenwasser die offenen Böden der Baustellen und oberhalb liegenden Äcker den Hang hinunter.

Mit 41 Mann und 6 Jugendlichen war die Steißlinger Feuerwehr, so Kommandant Gottfried Fuchs, von Donnerstagabend 21.37 Uhr bis Freitagabend 23 Uhr im Einsatz, unterstützt von DRK Ortsgruppe Steißlingen-Orsingen mit Einsatzleiter Ehrhard Stemmer, von Alcan Singen-Feuerwehr und THW Singen und Waldshut mit großen Pumpen. Katastrophenschutz, Kreisbrandmeister und Kreiseinsatzleiter und zuletzt DLRG waren vor Ort. Trotz aller Helfer gelang es nicht, das Leben der 65-Jährigen zu retten, die in ihrer überfluteten Souterrainwohnung gefangen war. Sie alle - einschließlich der Nachbarn - hätten nach Kräften getan, was sie tun konnten, resümierten Fuchs und Stemmer bedauernd die tragischen Ereignisse der Nacht. Am Karfreitag habe die Steißlinger Wehr bis spätabends Verstärkung erhalten von 13 Feuerwehrleuten aus Orsingen-Nenzingen mit zwei Fahrzeugen.

An der Konferenz mit Feuerwehrkommandant und DRK-Einsatzleiter beim Bürgermeister am Samstagabend kam immer wieder die selbstverständliche Hilfe von Nachbarn und Freiwilligen aus dem ganzen Dorf, auch Pfadis, Handballer und Jungfußballer, zur Sprache - sei es gegen Schlamm und Wasser oder in Form von Versorgung der Rettungskräfte. Denn ohne diese Hilfe, sagten Stemmer und Fuchs, ohne heiße Getränke und Essen, seien die schnell ausgebrannt und ein so langer Einsatz überhaupt nicht möglich gewesen.

Ostermaier bezifferte den angerichteten Schaden auf dreieinhalb bis vier Millionen Euro. Er hatte am Samstag eine Hotline eingerichtet und in den betroffenen Straßen Container aufstellen lassen zur Entsorgung kleinerer Gegenstände. Mit der Folge, dass prompt Fremde ihren Müll dort entsorgten. Aber es gab auch Erfreuliches: Menschen, die den Opfern ihre Ferienwohnung zur Verfügung stellen wollten, Hilfe von Steißlinger Gewerbetrieben mit Verpflegung oder mit Firmenfahrzeugen. Und ein begeisterter vierjähriger Junge, erzählte Kommandant Fuchs, "hat die ganze Feuerwehr zu seinem Geburtstag eingeladen".

Überall im Dorf sind die Überflutungen der Gründonnerstagnacht Gesprächsmittelpunkt. Am Ostersamstag kaufte eine Korissträßlerin in der Metzgerei Vesper für über zwanzig unermüdliche Helfer. Sie waren völlig übernächtigt und erledigt, aber überwältigt von so viel tatkräftiger Hilfe, ohne die sie alle verzweifelt wären.

Siehe auch "Übrigens" auf Seite 21

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