Singen/Nagold Fragen und Antworten zum Unfall mit Mülllaster bei Nagold

Spezialisten untersuchen jetzt das verunglückte Fahrzeug. Wie sich jetzt zeigt, hatte die getötete fünfköpfige Familie ihren Lebensmittelpunkt doch nicht in Singen. Als Schausteller und Zirkusleute waren sie in ganz Deutschland unterwegs

Die Nachricht, dass ein 26 Tonnen schwerer Müllwagen am Freitag bei Nagold umkippte und eine fünfköpfige Familie aus Singen unter sich begrub, erschütterte die Region am Wochenende zutiefst. Als schicksalhaft werten die Menschen die Tatsache, dass die junge Familie mit ihrem Fahrzeug genau in dem Augenblick dem Laster entgegenkam, als dieser umkippte. Alle fünf Personen starben. Wo auch immer man in Singen unterwegs war, war diese Tragödie Gesprächsthema. Dabei beschäftigen die Menschen neben der Fassungslosigkeit vor allem viele offene Fragen:

 

  1. Warum kennt in Singen niemand die Familie? Wer sind die Menschen, die auf so tragische Weise ums Leben gekommen sind? – Ein langjähriger Freund der Familie, der zum eigenen Schutz seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will, bemüht sich um Aufklärung. Er ist über die nach seiner Meinung zahlreichen Falschmeldungen in den sozialen Medien empört und sagt: "Die Getöteten stammen aus zwei großen Schausteller- und Zirkusfamilien und sind in ganz Deutschland unterwegs." Sei seien auch nicht in Singen gemeldet, sondern nur mit einem im Landkreis Konstanz gemeldeten Fahrzeug unterwegs gewesen. Wie berichtet, waren die 25 Jahre alte Fahrerin, ihr 22-jähriger Lebensgefährte, die zweijährige Tochter, der wenige Wochen alte Sohn und die 17-jährige Schwester der Fahrerin getötet worden. Wie die "Bild am Sonntag" erfahren haben will, soll die Familie im Raum Nagold auf dem Weg zu einem Pfarrer gewesen sein, um die Taufe des jüngsten Kindes vorzubereiten.
  2. Warum ist das Müllauto auf der abschüssigen Straße umgekippt? – Darauf gibt es bisher noch keine Antwort. Ein Spezialist sei dabei, ein Gutachten zu dem Unglück zu erstellen, schreibt die deutsche Presseagentur und zitiert einen Sprecher der Polizei Baden-Württemberg: "So etwas braucht Zeit. Der ganze Lastwagen muss unter die Lupe genommen werden." Mit Ergebnissen werde erst im Laufe dieser Woche gerechnet. Vermutet wird bisher ein technischer Defekt am Müllfahrzeug.
  3. Für wen war der Mülllaster unterwegs? – Das Müllfahrzeug fuhr im Auftrag der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Landkreises Calw und sollte wohl am Unglückstag Altholz einsammeln. Erst im März, so der Geschäftsführer des Unternehmens, das dem Landkreis die Fahrzeuge zur Verfügung stellt, sei der Lastwagen beim TÜV gewesen. Gegenüber dpa erklärte Ekkehard Häberle, es habe nie Probleme mit diesem Fahrzeug gegeben.
  4. Wie steht es um die Besatzung des Müllfahrzeugs? – Der 56-jährige Lastwagenfahrer und sein 26 Jahre alter Beifahrer wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Beide erlitten einen schweren Schock.
  5. Wer hilft den Helfern? – Den Rettungskräften bot sich an der Unfallstelle ein Bild des Grauens. "Für solche Fälle haben wir in Singen besonders ausgebildete Kräfte, die sich um die Kollegen kümmern", sagt Feuerwehrkommandant, Andreas Egger. "Die dürfen nicht im gleichen Einsatz geholfen haben."
 

Ein Unternehmen trauert

Auf der Homepage der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Calw schreibt der Geschäftsführer Christian Gmeiner im Namen der Belegschaft: "Der tragische Unfall eines in unserem Auftrag fahrenden Müllfahrzeugs hat am 11. August fünf Menschen das Leben gekostet. Dies ist eine Situation, die niemanden unberührt lässt. Schockiert und betroffen sprechen wir den Angehörigen der Opfer unser tief empfundenes Beileid aus. Dem Fahrer des Müllfahrzeuges und seinem Beifahrer wünschen wir eine rasche Genesung, den Familien und Kollegen übermitteln wir unsere Anteilnahme. In Gedanken sind wir auch bei den vielen Einsatzkräften, die vor Ort wertvolle Hilfe geleistet haben."

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