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Singen Firmen stellen illegal Atkleider-Container auf privaten Grundstücken auf

Im Kreis Konstanz nimmt der Ärger über illegal aufgestellte Container von Privatfirmen zu. Das DRK bangt um eine wertvolle Einnahmequelle für soziale Aufgaben.

Irgendwann stand er einfach da. Ein blassgelber Container mit weißem Aufkleber, auf dem in roter Schrift „Kleider und Schuhe“ steht. Abgestellt auf einem Grundstück der Baugenossenschaft Hegau in Singen. Auf den ersten Blick sieht er den Sammelcontainern der karitativen Einrichtungen zum Verwechseln ähnlich. Doch er wurde illegal aufgestellt. Eine Genehmigung für das Aufstellen hatte der Grundstückseigner nie erteilt. Auch zwei von der Baugenossenschaft betreute Wohnungseigentümergemeinschaften bekamen Altkleidercontainer ungefragt aufs Grundstück gestellt.

Diana Maier, Mitarbeiterin der Hegau, rief die auf den Containern angegebene Telefonnummer an, um die Sache zu klären. Dort lief nur ein Anrufbeantworter. Auf die Bitte um Rückruf gab es keine Reaktion. Auch ein Fax blieb unbeantwortet. Die Container einfach entsorgen kostet nicht nur Geld, sondern ist auch strafbar, weil es sich um fremdes Eigentum handelt. Diana Maier wandte sich an Petra Reiner vom Amt für Abfallrecht und Gewerbeaufsicht beim Landratsamt Konstanz.



Petra Reiner kennt das Problem: „Das systematische unerlaubte Aufstellen von Altkleidercontainern wird bundesweit betrieben. Es melden sich immer wieder betroffene Gemeinden oder Privatpersonen.“ Das Geschäft mit den Altkleidern ist profitabel. Die Nachfrage nach gebrauchten Textilien ist gestiegen. Das Ergebnis sind immer mehr unberechtigt aufgestellte Container. Petra Reiner schätzt ihre Zahl im Landkreis Konstanz auf mindestens 50, eher mehr: „Firmen stellen hier zu Hauf Container auf.“ Die Behälter werden ohne Straßennutzungsgenehmigung einfach auf öffentliche Grundstücke oder ohne Einverständnis des Eigentümers auf private Flächen gestellt. So sparen die Unternehmen enorme Kosten für Miete und Gebühren. Rund 250 Euro monatliche Miete kostet der Platz für einen Container. Bis der illegal aufgestellte Behälter weggeräumt ist, vergeht erst einmal Zeit.

Geschäft mit Altkleidern ist profitabel

Die Container einfach zu entfernen, ist rechtlich nicht zulässig. Das wäre eine Aneignung fremden Eigentums. Bleibt bei betroffenen öffentlichen Flächen nur der Weg über das Bußgeldverfahren oder die Zwangsgeldandrohung oder bei privaten Flächen ein Rechtsstreit. Das verursacht Kosten und dauert. „Das kann Monate gehen“, sagt Petra Reiner. Und derweil ist das Geschäft mit den eingeworfenen Textilien richtig lukrativ, weil die Mietkosten unbezahlt bleiben.

„Wir haben den Eindruck, dass sich die Containerbetreiber der Illegalität voll bewusst sind“, sagt Marion Grün von der Baugenossenschaft Familienheim Bodensee. Auch auf den Grundstücken der Radolfzeller Baugenossenschaft wurden Sammelcontainer ungenehmigt abgestellt. Eine Telefonnummer stand auf dem Blechkasten. Grün: „Die Nummer war falsch.“ Nachdem die Baugenossenschaft Familienheim Bodensee die richtige Telefonnummer und Adresse herausgefunden hatte, folgten mehrmalige Aufforderungen mit Frist an die Firma, die Container abzuholen. Nichts passierte. Nach Fristablauf lagerte die Baugenossenschaft die Container ein und teilte dies dem Container-Eigentümer mit. Dann plötzlich meldete sich die Firma doch noch bei der Baugenossenschaft Familienheim Bodensee und holte ihre Container gegen Kostenerstattung ab.

"Herrenloser" Container kann enstorgt werden

Im Fall der in Singen aufgestellten Container auf Privatgrundstücken äußerte sich der Geschäftsführer der auf einem Aufkleber genannten Firma schriftlich auf die Nachfrage des Landratsamtes, ob er Sammlungen durchführe. Er sammle nicht im Gebiet des Landkreises Konstanz. Er verkaufe gelegentlich Container und könne nicht ausschließen, dass die Käufer unbefugt seine Aufkleber benutzen. Glück für die Singener Baugenossenschaft, denn dadurch galt der Altkleidercontainer als „herrenlos“ und konnte schnell entsorgt werden.

Der Anteil schwarzer Schafe bringt die genehmigten Altkleidersammlungen der karitativen Einrichtungen in Verruf. Für Patrik Lauinger, DRK-Geschäftsführer im Kreis Konstanz, ist das illegale Aufstellen der Altkleidercontainer ein großes Ärgernis. „Das ist ein wahnsinniger Wildwuchs.“ Aktuell explodiere der Markt für gebrauchte Textilien. „Die Preise sind momentan so hoch wie seit acht Jahren nicht mehr.“ Da möchte sich manch einer eine goldene Nase verdienen, vermutet Lauinger. Es sei zu beobachten, dass nur in diesen lukrativen Zeiten solche Container wie Pilze aus dem Boden schießen. Dagegen tun kann auch das DRK wenig. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Konstanz sei es allerdings gelungen, einem besonders dreisten Aufsteller das Handwerk zu legen. Der Mann habe dem DRK Geld geboten, wenn er deren Rotkreuz-Logo auf seine Container kleben dürfe.
 

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