Singen Es eilt am Singener Herz-Jesu-Platz

Die Stadtwerke brauchen jetzt einen schnellen Ratsbeschluss, um die Tiefgarage rechtzeitig bauen zu können. Bei einer längeren Verzögerung geraten die Zuschüsse in Gefahr. Bis April 2019 muss der Platz umgestaltet sein

Die Überraschung im Gemeinderat war groß, nachdem das Gutachten des Radolfzeller Büros Hydro-Data für den Singener Herz-Jesu-Platz vorlag. Die Stadtwerke hatten es in Auftrag gegeben, um zu ermitteln, wie es um die Beschaffenheit des Bodens steht, in den die Tiefgarage versenkt werden soll. Mehr als zehn Jahre diskutiert die Stadt über die neue Gestaltung des Platzes und konnte sich schließlich dazu durchringen, das Vorhaben in zwei Bauabschnitten umzusetzen. Wer heute aus der Vogelperspektive auf den Platz schaut, der sieht dort in der nördlichen Hälfte eine Blechlawine. Autos, statt Bäume. Das soll sich mit Hilfe der Tiefgarage ändern.

Im Grundsatz hatte der Gemeinderat (wie berichtet) in seiner jüngsten Sitzung den Plänen zugestimmt. Die oben angesprochene Überraschung resultierte jedoch aus den höheren Kosten für das untere Tiefgaragengeschoss. Über die genaue Höhe wollen sich der Leiter der Stadtwerke, Markus Schwarz, und der Stadtplaner Tilman Brügel jedoch nicht auslassen. "Wir rechnen noch mit spitzem Bleistift", sagt Brügel. Und Schwarz weiß nur, dass der "zweigeschossige Bau deutlich teurer würde, als die im Wirtschaftsplan veranschlagten 4,9 Millionen Euro".
 

Die Autos sollen vom Herz-Jesu-Platz unter die Erde in einer Tiefgarage verschwinden, damit der gesamte Platz neu gestaltet werden kann. Hier sollen in drei neuen Gebäuden Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. <em>Bild: Sabine Tesche</em>
Die Autos sollen vom Herz-Jesu-Platz unter die Erde in einer Tiefgarage verschwinden, damit der gesamte Platz neu gestaltet werden kann. Hier sollen in drei neuen Gebäuden Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Bild: Sabine Tesche | Bild: Sabine Tesche

Braucht es neue Pläne?

 

Jetzt wird nicht nur neu gerechnet, sondern möglicherweise auch neu gezeichnet. Für den Fall, dass sich der Stadtrat in seiner Sitzung am 27. Juni um 15 Uhr für die günstigere Variante entscheidet und die Zahl der Stellplätze auf 66 halbiert, muss ein alternatives Parkplatzangebot gefunden werden.

Bereits im Jahr 2016 wurde mit der Bodenuntersuchung begonnen. Bohrungen wurden gemacht. Doch danach habe das beauftragte Unternehmen den Wasserstand über längere Zeit messen und die Fließrichtung sowie die Höhe des Grundwasserstandes bestimmen müssen, erklärt Markus Schwarz den langen Prozess, der erst im Mai abgeschlossen wurde. "Wir haben es mit fünf verschiedenen Bodenschichten zu tun", sagt Schwarz. "Der Boden lässt sich dort nicht rammen." Um die Tiefgarage zu gründen und einen späteren Auftrieb zu verhindern, müssten zum Schutz des Bauwerks 15 Meter lange Pfähle eingebracht werden. Das alles wäre nicht nötig, wenn die Tiefgarage nur noch eingeschossig gebaut würde. Markus Schwarz räumt ein: "Wir waren überrascht von dem teuren Verbau."

Seit Jahren diskutiert die Stadt darüber, wie sie die parkenden Autos vom Herz-Jesu-Platz in eine Tiefgarage bringen kann. Noch ist sich der Stadtrat nicht einig. <em>BILD: SABINE TESCHE</em>
Seit Jahren diskutiert die Stadt darüber, wie sie die parkenden Autos vom Herz-Jesu-Platz in eine Tiefgarage bringen kann. Noch ist sich der Stadtrat nicht einig. BILD: SABINE TESCHE | Bild: Sabine Tesche

Eile ist deshalb geboten, weil der Platz und die Tiefgarage im April 2019 fertig sein müssen, damit die Zuschüsse aus dem Bundes- und Landessanierungsprogramm "Soziale Stadt" nicht verfallen. 13 000 Euro gelten als förderfähig pro Stellplatz. 40 Prozent dieser Kosten bleiben bei der Stadt hängen. "Allerdings", so Tilmann Brügel, "werden 13 000 Euro für einen Stellplatz nicht ausreichen.

"Wenn der Gemeinderat am 27. Juni eine Entscheidung trifft, werden wir es noch schaffen, den Bau rechtzeitig fertigzustellen", sagt Markus Schwarz. "Die Stadtwerke stehen bereit, egal ob die teure oder die günstiger Variante gebaut wird. Wir sind hoffnungsfroh, dass wir das noch hinbekommen."

Auch Tilmann Brügel sieht die Planung durch die neue Diskussion nicht gefährdet. "Wenn der Gemeinderat jetzt entscheidet, wird sich der Bauzeitenplan nicht ändern", sagt er. Es handle sich um eine nüchterne Entscheidung, die sich an den Kosten orientiere. Jetzt gehe es darum, die technischen Möglichkeiten auszuloten.

Was bisher geschah

Die Umgestaltung des Herz-Jesu-Platzes ist ein langer Prozess im Rahmen des Sanierungsprogramm "Soziale Stadt", das von Bund und Land gefördert wird. Der Platz, der auch vom Wochenmarkt genutzt wird, soll insgesamt aufgewertet werden.

2012 wurde der erste Bauabschnitt abgeschlossen. Dafür gab die Kirche ihren Vorgarten auf, so dass der Platz bis an die Kirchenmauern gepflastert werden konnte. Damit rückte auch der Wochenmarkt näher an die Herz-Jesu-Kirche heran. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt betrugen rund 800 000 Euro. Knapp die Hälfte davon war durch Zuschüsse gedeckt.

2019 muss der zweite Bauabschnitt abgeschlossen sein. Der Bewilligungszeitraum für die Zuschüsse endet im April. Daher ist sowohl bei der Planung, als auch bei der baulichen Umsetzung eine gewisse Eile geboten. (gtr)

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