Apfelchüchli oder lieber duftende Zwiebel-Dünne? Oder frisch geräucherte Forelle? Die Wahl fiel schwer im Angebot bäuerlicher Spezialitäten, deren Duft sich durch die historische Marktgasse der Sichelhenke zog. Für die zahlreichen Besucher hieß es gestern sehen, schmecken und auch staunen – die Spezialitäten nach Großmutters Rezept sorgten für Gaumengenuss, die Vorführungen alter Handwerke beeindruckten die Zuschauer jeden Alters.
Es war wie ein Besuch des vergangenen Jahrhunderts. Bei schönstem Wetter trug auch die idyllische Kulisse am Aachufer zur beschaulichen Atmosphäre bei. Die Bohlinger Vereine hatten keine Mühen gescheut, an den Ständen die bäuerlichen Traditionen wieder aufleben zu lassen. Kräftig Hand anlegen mussten Werner Müller und Reinhard Müller an der Mostpresse, um den Saft aus den Äpfeln zu quetschen. Rund 300 Kilo hatten sie dabei, „die sind heute Abend weg“, waren sich beide sicher.
Beim Korn dreschen mit dem Flegel kam auch Norbert Bohner ins Schwitzen, mühselig mussten früher die Körner aus den Ähren geschlagen werden. Als Kind hat er diese Methode noch erlebt, für viele ist das Dreschen per Hand heute kaum mehr vorstellbar. Man muss es auch können. „Wir möchten das weitergeben, damit die Sichelhenke wie bisher bestehen bleibt“, sorgt sich Norbert Bohner nicht um den Nachwuchs, das könne man schnell lernen. Manch einer wagte sich, einen Dreschflegel selbst auszuprobieren. Auch viele der alten Handwerksberufe wird es bald gar nicht mehr geben, für Andreas Wagenblast ist das Schmieden von Eisen ein Hobby. Sein Großvater war Schmied und habe tolle Sachen gemacht: „Es hat mich gejuckt und ich habe mir das angeeignet.“ Wie aus einer Eisenstange mit Geschick und Können im Feuer runde Formen geschmiedet werden, faszinierte nicht nur die jungen Zuschauer.
Mit wie viel Fingerfertigkeit auch Schuhe angefertigt oder landwirtschaftliche Arbeitsgeräte wie Harken und Gabeln gesägt und geschnitzt wurden, demonstrierten ein Schuhmacher und ein Wagner. Auch am gestrigen Festsonntag der 54. Sichelhenke schien die Zeit ein Stück weit zurück gedreht. Eröffnet von der Blaskapelle „Polka Cabana“ holte zum Abschluss die Blasmusik „Martin Schmid und seine Bodenseeperlen“ die Besucher zurück in die Gegenwart.
