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Singen Ein Mann wehrt sich gegen die Polizei

13.09.2012
Singen -  Jan Uhl wollte nur helfen und Zivilcourage zeigen: Als er gegenüber seiner Bar "Hauptbahnhof" in Singen eine Schlägerei beobachtete, eilte er dem Opfer zur Hilfe. Als die Polizei eintraf, erntete er dafür nach eigenen Angaben statt Dank und Anerkennung aber nur Hohn.

Jan Uhl vor seiner Bar Hauptbahnhof in der Singener Bahnhofstraße. Gegenüber eilte er einem Opfer zu Hilfe – und fühlte sich hinterher von der Polizei falsch behandelt.  Bild: Tesche

Einvernehmliches Treffen: Jan Uhl und Polizei-Pressesprecher Fritz Bezikofer beim Gespräch in der Singener Lokalredaktion. Der SÜDKURIER brachte beide Seiten an einen Tisch.

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Jan Uhl ist außer sich. „Nach diesem Ereignis fällt es mir schwer, mit der Polizei zusammenzuarbeiten“, sagt der Geschäftsführer der Bar "Hauptbahnhof" und erzählt seine Geschichte in allen Einzelheiten. Die Kurzversion: Er beobachtete vor wenigen Tagen nachts eine Schlägerei vor einer Imbissbude auf der anderen Straßenseite seiner Lokalität. „Mehrere Personen haben brutal auf einen am Boden liegenden Mann eingetreten“, schildert Uhl, „da bin ich mit Freunden sofort rüber, um zu helfen.“ Vorher beauftragte er eine Angestellte, die Polizei zu rufen. „Ich schrie die Personen an, sie sollen aufhören, was sie auch machten.“

Mit einem Baseballschläger auf das Opfer losgegangen

Einer der Männer jedoch holte aus einem Auto einen Baseballschläger. Uhl: „Er rannte damit hinter dem Opfer her. Daraufhin setzte ich Pfefferspray, das ich immer aus Angst vor Hunden bei mir führe, gegen den Täter ein. Ich verfehlte ihn zwar, doch beim Anblick des Sprays stellte der Mann seine Aktionen ein.“ Uhl und seine Freunde nahmen das Opfer und seine Freundin zum Schutz mit in die Bar, kümmerten sich um sie. „Die Schläger warteten auf der anderen Seite, doch die Polizei war immer noch nicht da, also haben wir noch zweimal dort angerufen“, so Uhl. „Nach geschätzten 15 Minuten kam die erste Streife, drei folgten. Die Beamten vernahmen erstmal nur das Opfer, waren unverschämt dem Opfer und uns gegenüber, kümmerten sich erstmal gar nicht um die Täter, nannten uns neunmalklug.

Es war sogar wichtiger, einen Radfahrer, der ohne Licht herumfuhr, zu kontrollieren.“ Er versteht die Welt nicht mehr: „Wir helfen einem Opfer, zeigen Zivilcourage, erklären den Beamten das Vorkommnis, werden dann noch blöd angemacht und respektlos behandelt, während die Täter lachend herumstehen.“

Helfer fühlt sich respektlos behandelt

Der SÜDKURIER bat Fritz Bezikofer, den Pressesprecher der Polizei, zum Gespräch hinzu. Der besonnene Mann erklärt das Vorgehen seiner Kollegen. „Gerade bei einer statischen, beruhigten Situation ist es für uns wichtig, viele Informationen zu sammeln. Weitere Maßnahmen sind oft von der Art und der Schwere der Straftat abhängig. Zeugen und Opfer sind wichtige Informationsquellen. Wenn wir auf Beschuldigte zugehen, müssen wir aus rechtlichen Gründen bald einen konkreten Tatvorwurf artikulieren und Belehrungen durchführen. Beruft sich der Beschuldigte auf sein Aussageverweigerungsrecht, ist der Informationsfluss schnell versiegt.“ Genau das, eine intensive Befragung von Zeugen und Opfer, hätten seine Kollegen laut Protokoll gemacht.

Auch die Tatsache, dass die Beamten nicht sofort einen Krankenwagen riefen, sei nicht ungewöhnlich. „Manche Personen möchten bei leichteren Verletzungen nicht ins Krankenhaus. Wenn Personen schwerer verletzt sind und es in den Bereich einer Unterlassenen Hilfeleistung gehen könnte, ist jedermann verpflichtet Hilfe zu leisten.“ Außerdem sei die erste Streife nachweislich sieben Minuten nach dem ersten Anruf am Ort gewesen. Uhl: „Und warum hat der Einsatzleiter nach der Vernehmung der Täter keinen Platzverweis ausgesprochen? So musste ich die ganze Nacht damit rechnen, dass die Männer mein Lokal angreifen – was sie glücklicherweise nicht getan haben.“ Bezikofer: „Die Lageeinschätzung des Einsatzleiters war, nach Ansprache der beschuldigten Gruppenmitglieder, keinen Platzverweis auszusprechen.“

Im Gespräch nähern sich beide Parteien an

Im Laufe des Gesprächs zwischen Uhl und Bezikofer nähern sich beide Seiten immer mehr an, zeigen Verständnis füreinander. „Dieser Vorfall lief offensichtlich rechtlich lehrbuchmäßig ab, hatte aber möglicherweise kommunikative Differenzen“, lautete das Fazit des Polizisten, „grundsätzlich muss man Jan Uhl sehr dankbar sein, dass er Zivilcourage gezeigt und dem Mann geholfen hat.“ Der Gastronom zieht diese Bilanz: „Beim nächsten Mal würde ich bestimmt wieder dem Opfer helfen, ich kann da einfach nicht untätig zuschauen. Einerseits war das Verhalten des Einsatzleiters eine Ausnahme – er erfüllt nicht die Grundanforderung des menschlichen Anstandes. Andererseits ist dieser Mann bekannt dafür – ich habe durch meinen Beruf viel mit der Polizei zu tun und weiß genau, dass dieses Verhalten falsch war.“ Er legte offiziell Beschwerde ein bei der Polizei, der Stadt Singen sowie dem Regierungspräsidium. „Die zuständigen Stellen versprachen mir, den Vorfall zu untersuchen.“ Bezikofer: „Es steht Uhl zu, dass der Fall untersucht wird.“
 

Weiter so
Weiter so Herr Uhl. Lassen Sie sich nicht blenden von dem Vorgehen der Beamten. mehr ...
Das ist doch System
gegen Gewalttäter braucht man von der Polizei nichts zu erwarten. mehr ...
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