Montags bei Trautmann: Ausgerechnet an diesem Tag wollte der Oldtimer von Volker Riedinger nicht anspringen. Warum er die Oldies dennoch liebt und sogar Vorsitzender des neuen Schnauferl-Clubs geworden ist, erzählt er im Redaktionsgespräch.Herr Riedinger, Sie sind der erste Vorsitzende des jungen Schnauferl-Clubs, Bezirksgruppe Bodensee.
Wie darf man den Clubnamen verstehen? Sind das lauter Autos, die sich nur mühsam schnaufend fortbewegen?
Der Begriff Schnauferl erklärt das Geräusch des Schnüffelventils. Das war um 1900 bei den ersten Viertakt-Motoren montiert und diente als Überdruckventil im Kurbelgehäuse. Sie sehen also, der Clubgedanke ist schon sehr alt. Der erste Club wurde im Jahr 1900 als „Allgemeiner Schnauferl-Club“ (ASC) gegründet. Er ist heute der älteste, durchgehend existierende Oldtimer-Club Deutschlands. Bundesweit gibt es 1450 Mitglieder.
Wie kann es dann sein, dass Sie Ihren Club erst im Mai 2010 gegründet haben?
Die Bodenseeregion war ein weißer Fleck auf der Schnauferllandkarte. Oldtimerfreunde gibt es ja einige in der Region. Darunter auch mein alter Schulfreund Hermann Maier, der ja schon immer alte Autos gesammelt hat. Er ist seit 1994 Mitglied im Schnauferl-Club und regte die Gründung der Bezirksgruppe Bodensee an.
Muss man einen Oldtimer besitzen, um in dem Club Mitglied zu werden?
Man kann auch ohne Fahrzeug Mitglied werden. Man sollte halt Interesse am Automobil haben. Dann stellt man einen Aufnahmeantrag. Zwei Paten müssen den unterschreiben. Dann geht der Antrag an die Landesgruppe, wo er gegengezeichnet wird. Und dann ist man Mitglied: Schnauferlbruder oder Schnauferldame.
Wie viele Mitglieder hat Ihr Club? Und wie viele Frauen sind darunter?
Wir sind zurzeit 20 Mitglieder, darunter eine Dame. Neue Mitglieder sind bei uns herzlich willkommen.
Sie fahren selber einen Austin Healey. Wie sind Sie dazu gekommen?
Hermann Maier hatte ja schon früh angefangen, alte Autos zu sammeln. Er schlug mir gemeinsame Ausfahrten vor und stellte mir dafür ein Auto zur Verfügung. Ich konnte auf die Dauer nicht mit seinen Autos rumfahren. Und so beschloss ich, mit selber eins zuzulegen. Den Austin Healey aus dem Jahr 1958 habe ich dann vor 30 Jahren in Aachen gekauft.
Ich stelle mir vor, dass das ein ganz schön kostspieliges Hobby ist. Die alten Schätzchen sind doch sicher recht reparaturanfällig.
Beim Austin ist das relativ einfach und kostengünstig, weil man auf Teile vom Mini Cooper zurückgreifen kann. Teurer wird es bei Modellen wie Bentley oder Rolls-Royce. Einige unserer Mitglieder haben ja mehrere Oldtimer.
Werden die alle bewegt oder stehen die nur in irgendwelchen Garagen?
Die Autos werden schon gefahren. Zum Beispiel machen wir Anfang Mai eine Blütenfahrt. Wir haben einen recht vollen Terminkalender. Dann gibt es auch mehrtägige Ausfahrten. Ich war zum Beispiel beim Coppa del Alpe dabei. Da ging es eine Woche lang über 19 Pässe. Man fährt ja nicht über die Hauptstraßen, sondern die kleinen Nebenstraßen. Dabei kommt man durch herrliche Regionen. Das ist ein besonderer Genuss und eine schöne Form der Entschleunigung. Es geht nie um Geschwindigkeit, sondern um den Spaß am Fahren. Das geht nur mit einer mäßigen Durchschnittsgeschwindigkeit. Wir besuchen natürlich auch viele Oldtimerveranstaltungen. Vom 2. bis 5. Juni werden wir auf der Messe „Klassikwelt Bodensee“ in Friedrichshafen vertreten sein.
Wie muss man sich das Clubleben vorstellen? Liegen die Mitglieder dauernd unter ihren Autos, um irgendetwas zu reparieren oder an der Karosserie herumschweißen?
Es gibt viele, die ihre Autos komplett selber warten. Aber wir haben auch Fachleute, wie zum Beispiel Thomas Barhofer. Er hat eine Kfz-Werkstatt und restauriert ausschließlich Oldtimer.
Bei so einem alten Fahrzeug muss man ja immer auf eine Panne gefasst sein. Heute hat Ihr Schnauferl ja auch gestreikt, als Sie zur Redaktion kommen wollten. Sind Sie schon mal irgendwo wegen einer Panne richtig stecken geblieben?
Wir fuhren nach Meran zu den Klassikertagen. Unterwegs setzte sich die Bremse fest, weil der Radbremszylinder defekt war. Die Leute von BMW in ihren schicken Overals, die diese Veranstaltung organisieren, konnten uns nicht helfen. Der Seniorchef einer Roverwerkstatt hat sämtliche Autofriedhöfe abgeklappert, um ein Ersatzteil für uns zu finden. Ohne Erfolg. Da habe ich schließlich meinen Freund Karl-Heinz Deusch in Lahr angerufen. Der hat alles stehen und liegen gelassen und ist mit seiner Frau und meinen Ersatzteilen im Oldtimer nach Meran gefahren. Er hat mein Auto repariert. Danach haben wir noch ein paar schöne gemeinsame Tage verbracht.
Was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit Ihrem Liebhaberstück beschäftigen?
Für die Singener Tafel kümmere ich mich um Sponsoren und versuche neue Unterstützer zu gewinnen. Dafür bin ich einmal die Woche unterwegs. Als ich in den Ruhestand ging, habe ich einen Bootsführerschein für den Bodensee und Hochrhein gemacht und jetzt lerne ich Englisch in einem Kurs für Senioren. Wenn man sich viel mit dem Computer beschäftigt, braucht man das. Außerdem habe ich in den vergangenen zwei Jahren diverse Kochkurse besucht, damit ich ab und zu auch mal zu Hause was kochen kann, wenn ich Lust dazu habe. Und dann kümmere ich mich auch noch sehr gerne um Haus und Garten, wo es ja immer genügend zu tun gibt.
Fragen: Gudrun Trautmann
Alle Montagsgespräche im Online-Dossier: www.suedkurier.de/beitrautmann