Singen Die Strippenzieherin von Singen
Kämpft für ihre Ansichten und Überzeugungen: Veronika Netzhammer.
Wenn Veronika Netzhammer von etwas überzeugt ist, beherrscht sie die politische Disziplin des Aneckens nahezu perfekt. Beim Thema Krankenhausfusion ist sie Meinungsführerin und Strippenzieherin der Gegner der Kreislösung. „Für ein Linsengericht möchte man uns das Mitspracherecht nehmen“, erbost sie sich. Von allen Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf Kreisebene sei die Kreislösung für Singen die schlechteste. „Singen sowie die weiteren kommunalen Träger geben ihre Unternehmen im Wert von 34 Millionen Euro an eine Holding ab, in der der Landkreis das Sagen hat, erhalten für ihren Unternehmenswert eine magere Verzinsung von 0,5 Prozent und haben keinen Einfluss.“
Als Vorsitzende der Singener CDU kämpft sie mit allen Mitteln und hat mit Dieter Rühland von der Neuen Linie einen Bruder im Geiste. Empört waren sie, als an der Konstanzer Klinik die Palliativstation für Patienten aus dem Landkreis in Betrieb ging. „Das ist das Paradebeispiel, wie es abläuft, wenn wir der Kreislösung zustimmen“, so Netzhammer. „Singen hat im palliativen Bereich höhere Fallzahlen, im Sinne der Patienten hätte die Station nach Singen kommen müssen. Irgendwelche Geschäftsführer haben im vorauseilenden Gehorsam die Entscheidung getroffen. Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.“
Der Hilzinger Franz Moser, Vorsitzender der Kreis-CDU, kann sich keinen Reim auf Netzhammers Hartnäckigkeit machen: „Es ist mir nicht klar, warum sie so ist“, sagt er. „Ich finde das bedauerlich und renne bei ihr gegen eine Wand.“ OB Oliver Ehret: „Frau Netzhammer hat Angst, dass bewährte Strukturen von Singen nach Konstanz verlegt werden könnten – doch das wird nicht passieren.“ Er ist davon überzeugt, dass Konstanz im Falle einer Singener Ablehnung private Partner suchen wird: „Dann hätten wir Probleme, weil Konstanz unsere Patienten mit teuren Investitionen generieren würde.“ Bis Ende März möchte sich der Gemeinderat in dieser Frage entscheiden.
Ehret sowie HBH-Geschäftsführer Peter Fischer verweisen auf die Übernahme der Bürgschaften für die Altersversorgung der Klinik-Angestellten durch den Landkreis. Dem stellte Netzhammer gegenüber: „Nur dafür macht man keine Fusion. Der Landkreis kann dieses Versprechen nicht einhalten – in fünf Jahren hat er seinen Schuldenstand verdoppelt.“ Zu Fischer: „Er ist Geschäftsführer, kein Politiker. Punkt. Wir dürfen ihm nicht wie dem Rattenfänger von Hameln hinterherrennen.“ Für sie steht fest: „Es ist höchste Zeit, umzudenken und Varianten einer Klinikzusammenarbeit im Landkreis konstruktiv anzugehen.“ Dafür wird weiter sie im Sinne der Sache anecken und Strippen ziehen. Zum Gerücht, sie wolle mit Leidenschaft ihre Kandidatur als Singener OB vorbereiten, sagt sie nur: „Ehrlich, dass ist nicht der Fall.“

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