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Singen Die Aktion Gitter bedeutete sein Ende

Die Straßen dieser Stadt (3): Die Vallendorstraße ist nach einem Gewerkschafter benannt, der im KZ Dachau umkam

Die Vallendorstraße erinnert an den Gewerkschafter Friedrich Vallendor, der 1944 von den Nationalsozialisten verhaftet wurde. Vallendorf starb im KZ Dachau.
Die Vallendorstraße erinnert an den Gewerkschafter Friedrich Vallendor, der 1944 von den Nationalsozialisten verhaftet wurde. Vallendorf starb im KZ Dachau. | Bild: Bild: Gehrmann-Röhm

Singen – Kurz, ruhig und in sehr zentraler Lage – das sind drei Attribute, die man der Vallendorstraße zuschreiben kann. In Höhe der Erzbergerstraße 26 führt sie nach Osten bis zur August-Ruf-Straße in Höhe des Hegau-Gymnasiums. Bevor sie nach Ende des 2. Weltkrieges nach Friedrich Vallendor benannt wurde, hieß sie Herbert-Norkus-Straße (nach einem Hitlerjungen).

Friedrich Vallendor wurde am 8. März 1880 in Zizenhausen geboren und starb am 17. Oktober 1944 im Konzentrationslager (KZ) Dachau. Im August 1904 war er nach Singen gekommen, arbeitete bis zu seiner Einberufung 1914 bei Georg Fischer und ging nach der Rückkehr aus dem Krieg zunächst zur Maggi. Ab 1923 bis zu seiner Verhaftung war er als Folienschneider im Werk 20 bei den Alu-Walzwerken beschäftigt. Am 20. Juli wurde er mit 15 weiteren Sozialdemokraten und Kommunisten verhaftet. Diese Verhaftungswelle nach dem gescheiterten Hitler-Attentat ist unter dem Namen „Aktion Gitter“ in die Geschichtsbücher eingegangen. Zunächst wurde Vallendor ins KZ Natzweiler-Struthof/Elsass gebracht, dann nach Dachau. Eigentlich hatte er im Oktober entlassen werden sollen, doch er blieb wegen angeblicher Transportunfähigkeit und dem Verlust seiner Zivilkleidung. Als sein Freund Karl Schrott ihn mit Genehmigung der Alu-Walzwerke heimholen wollte, teilte man ihm mit, dass Vallendor bereits verstorben war. Die Alu hatte sich an den Kosten mit 150 Reichsmark beteiligen wollen.

Vallendor war von 1904 bis 1914 im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV), von 1918 bis 23 im Deutschen Fabrikarbeiterverband und anschließend wieder bis 1933 im DMV. Außerdem war er langjähriges SPD-Mitglied sowie im Gesangverein „Vorwärts“ und bei den Naturfreunden. Bis zum Verbot der DMV 1932 war er Bevollmächtigter der Ortsverwaltung und er war auch der letzte demokratisch gewählte Betriebsratsvorsitzende der Alu vor Hitlers Machtergreifung. Außerdem war er von 1926 bis 33 im Bürgerausschuss der Stadt. Friedrich Vallendor hat einen Stolperstein bekommen, der in der Schwarzwaldstraße 30 vor dem Eingang der IG Metall Verwaltungsstelle Singen liegt.

„Wenn wir unsere Straße irgendwo angeben müssen, verstehen die Leute oft Vallendorfstraße“, erzählt der ehemalige Oberbürgermeister Friedhelm Möhrle. Er lebt mit seiner Frau Brigitte Trinks-Möhrle seit 20 Jahren in einem Haus in der Vallendorstraße. Nach dem 1. Weltkrieg sei das Gebiet oberhalb der Vallendorstraße bis runter zur Alemannenstraße mit Baracken bebaut gewesen, die als Lazarett genutzt worden waren.

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