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Singen Der Regen ist wie ein großer Applaus

21.07.2012
Singen -  Mit dem Auftritt des Sängers und Songwriters Clueso endet das Hohentwiel Festival . 2000 Fans feiern im Regen den symphatischen Erfurter

 Bild: Helene Wiesendanger

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Intensiv, gefühlvoll, elektronisch, tanzbar, traurig, verspielt – Die Musik von Clueso ist vor allem vielfältig. Irgendwo, zwischen Hip Hop, Pop und Elektro, vertont der Sänger und Songwriter Momentaufnahmen des Lebens, wie sie jeder kennt.

Hier liegt auch das Geheimnis seines Erfolges: Die Verbindung und die Nähe zu seinem Publikum. Mit dem Stück und gleichzeitig der Ansage  „Ich will keinen Zentimeter mehr zwischen uns“ betritt Clueso die Bühne des Hohentwiels. Packt seine Gitarre aus, kündigt mit tiefer Udo-Lindenberg-Stimme Erfolgshits wie „Cello“ an und singt: „Ich saß immer in der ersten Reihe und fand dich so erregend“. Seine Lieder sind eine Sinfonie dessen, was Clueso beim Schreiben und Performen denkt, fühlt und weiter geben will. Mal energiegeladen, mal nachdenklich, blickt er dabei immer tief ins Publikum. So, als würde er jeden einzelnen Song nur für einen selbst spielen. 

Die ersten „Ich will ein Kind von dir!“ - Rufe hallen über die bunten Regenschirme und -ponchos des Publikums gen Bühne. Clueso weiß, dass er, nach 17 Jahren als Musiker zur Riege der erfolgreichsten Singer-Songwriter Deutschlands gehört und mit seinen feinfühligen Texten vor allem die weiblichen Fans auf seiner Seite hat. Umso sympathischer, dass er auf Vaterschaftsanfragen gelassen reagiert: „Ich hab leider noch keine – sonst würde ich dir ja eines geben“.

Clueso interpretiert an diesem Abend viele seiner Stücke neu. Das melancholische „Mitnehm“ verwandelt er in ein tanzbares Reggae-Stück und untermalt „Herz“ mit energetischem Bass und elektronischen, psychedelischen Klängen. Angesichts des Dauerregens, der sich über die alte Burgruine und das Publikum legt, scheint die Single „Ey der Regen“  wie ein musikalisches Bild dessen, was dieses über zweistündige Konzert ausmacht. Denn nach Clueso ist der Regen „wie ein kleiner Applaus“. 

Cluesos Musik ist intensiv, oft melan-cholisch-schwer, aber nicht kitschig. Trotz der Leichtigkeit seiner Stücke stecken in vielen Texten intelligente und gesellschaftskritische Momente – ohne den moralischen Zeigefinger zu heben. Wie in „Chicago“, der musika-lischen Biographie eines drogenabhängigen Mädchens. Das Schwanken zwischen Fernweh und Lethargie, zwischen Depression und Energie, vertont Clueso zu einer musikalischen Geschichte, das das Publikum mitfühlen (und -singen) lässt und näher an der Realität ist als eine Suchtstatistik. Die Landflucht im Osten thematisiert Clueso in „Geisterstadt“, aus deren „Gullideckeln ein wenig Leben verdampft“.

Hier im Osten, in Erfurt, begann die Karriere von Thomas Hübner alias Clueso. Freunde von ihm gaben ihm damals den Künstlernamen in Anlehnung an den tollpatschigen Inspek-tor Clouseau der Pink-Panther Filme. Heute steht der mittlerweile 32-jährige mit Künstlern wie Herbert Grönemeyer auf einer Bühne. Und spielt ein paar Tage später in seiner Heimatstadt auf WG-Partys, vor einer Handvoll Studenten. Man merkt Clueso an, dass er einfach Bock hat, Musik zu machen. Und das nicht nur, weil er nach dem offiziellen Ende des Konzertes auf dem Hohentwiel noch sieben Zugaben spielte.





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