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Singen Der Anwalt einer Revolution

13.02.2012


Politikwissenschaftler und Autor begeistert in der Stadthalle mit seinem Vortrag über die Vorkommnisse in der arabischen Welt

Man möge der arabischen Revolution mit „brennender Geduld“ begegnen – so der abschließende Appell des deutsch-arabischen Politikwissenschaftlers und Autors Hamed Abdel-Samad, der auf Einladung der Buchhandlung Greuter im voll besetzten Konferenzsaal der Singener Stadthalle ein rund zweistündiges Plädoyer für tieferes Verständnis und Unterstützung des so genannten „arabischen Frühlings“ hielt. Sachkundig, historisch versiert und diskussionsfreudig sah sich der 1972 im ägyptischen Gize geborene Abdel-Samad einem ebenso interessierten wie kritischen Publikum gegenüber, das sich nicht lange bitten ließ, die Entwicklung der Revolution im Nahen Osten zu hinterfragen.

Abdel-Samad erklärte die Hintergründe der mitunter schwer durchschaubaren Gemengelage gut nachvollziehbar anhand selbst erlebter Geschichten: „Der Mann vorm Wahllokal hatte sich seine Stimme für die Partei bezahlen lassen – damit er Nahrung für sich und die Familie kaufen kann.“ Und so manch selbstironischer Kommentar sorgte für amüsiertes Schmunzeln: „Die Touristenhochburg Sharm El-Sheik ist doch nichts anderes als Ägyptens Antwort auf Mallorca.“ Dann wieder rügte er sehr emotional, die arabische Revolution als gescheitert abzutun: „Die Ideen von Menschwürde und Freiheit all der jungen Männer und Frauen, die da auf dem Tarhirplatz waren und nicht wussten, ob sie je lebend wieder nach Hause kommen, all das stirbt nicht so einfach.“ Auch die Französische Revolution sei nicht in einem einzigen Jahr vollendet worden, sondern der Auftakt für den Umbruch einer Gesellschaft gewesen, so Abdel-Samad, der vor einem Jahr zusammen mit Demonstrierenden die blanke Gewalt des Regimes zu spüren bekommen hatte.

Und auf die Frage der SÜDKURIER-Politikredakteurin Simone Schelk, wie die Tumulte im Fußballstadion von Port Said einzuordnen seien, zog er gekonnt Parallelen zur deutschen Geschichte: „Das waren gezielte Tötungsaktionen, vergleichbar mit denen der Nazis 1933.“ Ganz offensichtlich kann sich die arabische Revolution zu einem „Anwalt“ wie Abdel-Samad nur gratulieren.

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