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Singen Das große Staunen über Singens Reichtum

In der Ausstellung "Auf Immer. Auf Dauer. Auf Zeit" werden Schenkungen und Leihgaben im Kunstmuseum gezeigt. Museumsleiter Christoph Bauer nimmt eine Standortbestimmung vor

Dieser Coup ist Christoph Bauer gelungen: Im Erdgeschoss des Singener Kunstmuseums empfängt den Besucher eine schier endlose Reihe grafischer Protraits des Künstlers Emil Wachter (1921 – 2012). 128 Blätter hat der Museumsleiter aus dem Depot geholt, in Passepartouts gesetzt und rahmen lassen. Das ist höchst überraschend für den Besucher und nimmt ihn sofort gefangen. Emil Wachter hat diese Mappe "Singener Trilogie" genannt. Vollständig gezeigt wird sie erstmals im Rahmen der neuen Ausstellung "Auf Immer. Auf Dauer. Auf Zeit." zusammen mit weiteren 222 Arbeiten aus der Schatzkammer des Museums. Gewöhnlich werden im Museum in einer Ausstellung auf beiden Stockwerken rund 140 Arbeiten gezeigt. Warum also diesmal mehr als das Doppelte. Will die Stadt demonstrieren, wie umfangreich die Bestände aus Nachlässen, Schenkungen und Leihgaben geworden sind?

Anhand des Wachter-Beispiels zeigt Museumsleiter Bauer, was es heißt, mit den Geschenken an die Stadt umzugehen. Diese sind Gegenstand der aktuellen Schau, die bis zum 7. Mai in der Ekkehardstraße präsentiert wird. Es ist also nicht damit getan, private Sammlungen anzunehmen und im Depot zu verwahren. Wer seine Kunst der Stadt übereignet, erhält die Gewissheit, dass sie gepflegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. "Deshalb nehmen wir nur Kunstwerke oder Sammlungen an, die zu unserem Schwerpunkt passen und die wir ausstellen wollen", erklärt Christoph Bauer. Und beschäftigt sich gemäß der vom Singener Gemeinderat beschlossenen Museumskonzeption mit den Künstlern der Höri zwischen 1933 und den 1960er Jahren, sowie auf zeitgenössische Kunst.

Deren Vertreter waren zahlreich zur Ausstellungseröffnung gekommen, wie zum Beispiel Johannes Dörflinger, Markus Daum, Jan Peter Thorbecke, Thomas Bechinger oder Markus Weggenmann. Auch Sammler waren gekommen, um zu sehen, wie die Stadt ihre Schätze präsentiert.

Einen wahren Aufschwung, ein "Kunstwunder", erlebe das städtische Kunstmuseum seit seinem Umbau mit Erweiterung, erklärte Bernd Häusler. Der kunstsinnige Oberbürgermeister begründet das gesteigerte Vertrauen von Schenkern und Leihgebern mit den deutlich verbesserten konservatorischen Bedingungen im Haus und Depot und der erweiterten Fläche in einem ehemaligen Drogeriemarkt. Das deutlich vergrößerte Schaufenster hat die Kunst stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht. Das beflügelt offenbar auch die privaten Sammler und Schenker.

Christoph Bauer nutzte die neue Ausstellung auch zur Standortbestimmung und Rechtfertigung von Museumsarbeit. Deren wesentlicher Kern sei das Sammeln im Sinne des kulturellen Gedächtnisses. "Wir machen das für Sie, die Menschen in der Region", sagte er. "Mit unseren Ausstellungen wollen wir andere Formen der Wahrnehmung fördern und damit beim Betrachter etwas Schöpferisches in Gang setzen."

Es ist nicht allein die Qualität der Ausstellungsstücke auf beiden Stockwerken des Kunstmuseums, sondern auch die Fülle der Arbeiten, die den Betrachter ins Staunen versetzt. Als wolle das Kunstmuseum seine Existenzberechtigung als gemeinnützige Bildungseinrichtung unterstreichen. Seit 1945 sammelt die Stadt Arbeiten von überregional bekannten Künstlern. Jetzt kommen Schenkungen dazu.

Das Kunstmuseum zeigt in der aktuellen Ausstellung Arbeiten und Sammlungen, die bisher so noch nie zu sehen waren. Mittelpunkt sind Werke von Felix Droese, Jürgen Brodwolf und Markus Daum aus der Sammlung Suse und Werner Pfäffle, Schenkungen aus der Sammlung Walter Bauer, die "Singener Trilogie" von Emil Wachter, sowie Werke von René Acht, Thomas Bechinger, Curth Georg Becker, Johannes Dörlinger, Walter Herzger, Hans Kindermann, Karl Oßwald und Ingeborg Osswald-Lüttin, Jan Peter Thorbecke und Markus Weggenmann.

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