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Singen BuyLocal: Ilona Schönle kauft hier ein

Montags bei Trautmann: Von Singen aus leitet Ilona Schönle die Geschäfte des bundesweit aktiven Vereins BuyLocal. Was sie an der Idee fasziniert, erklärt sie im Redaktionsgespräch

Frau Schönle, Sie wollen die Menschen im Hegau und in anderen Regionen Deutschlands für die regionale Wirtschaft begeistern, wählen aber mit BuyLocal einen englischen Begriff. Ist das kein Widerspruch?

BuyLocal ist eine Bewegung, die vor mehr als zwölf Jahren in den USA gegründet wurde, um die Menschen für den regionalen Wertschöpfungskreislauf zu gewinnen. Der Begriff soll besonders die jüngere Generation ansprechen, die heute immer mehr im Onlinehandel einkauft. Die Generation 45 Plus kauft noch eher und selbstverständlicher in Geschäften vor Ort.

Was spricht gegen den Online-Handel und was für die lokalen Geschäfte?

Um das gleich richtig zu stellen: Wir sind mit unserer Idee nicht grundsätzlich gegen den Internethandel. Wir setzen uns für die Verzahnung von Online und Offline und dafür ein, dass stationäre Händler und unsere Mitglieder auch im Netz gefunden werden. Hierfür bieten wir auf unserer Seite www.buylocal.de die Suche der Händler nach Postleitzahlen und Branchen an. Wir wollen die Leute darüber aufklären, was alles mit ihrer individuellen Kaufentscheidung zusammenhängt.

Was meinen Sie damit?

Einkaufen ist mehr als nur Warenbeschaffung. Es ist ein soziokultureller Akt. Beim Einkaufen begegnen wir Menschen, können uns austauschen und vielleicht anschließend noch gemeinsam ein Café oder Restaurant besuchen. Für eine funktionierende Region braucht es die inhabergeführten Geschäfte mit einem unverwechselbaren Angebot und guter Dienstleistung. Dazu kommt der ganze Sekundärsektor: der Steuerberater vor Ort, die Werbeagentur oder die Bank. Große Ketten brauchen das alles nicht vor Ort, weil sie diese Dienstleistungen in irgendeiner Zentrale vorhalten. Wenn also diese Läden verschwinden, so haben wir nicht nur Leerstände in den Städten, sondern verlieren auch noch qualifizierte Arbeitsplätze im Hintergrund.

BuyLocal ist ein Verein mit bundesweit rund 500 Mitgliedern. Warum braucht man so einen Verein, wenn es doch in fast jeder Stadt einen Standortmarketingverein gibt?

Diese Frage hören wir oft. Wir sind aber ausdrücklich keine Konkurrenz für lokales Stadtmarketing, das sich bereits um das operative Geschäft und Aktionen vor Ort kümmert. Als Bundesinitiative können wir uns mit unserer Imagekampagne für den inhabergeführten Fachhandel überregional Gehör verschaffen. So können wir mit dem Thema Regionalität im öffentlichen Bewusstsein besser wahrgenommen werden als eine rein regionale Vereinigung.

Wie kam BuyLocal nach Deutschland? Und warum steuern Sie die Vereinsgeschäfte von Singen aus?

BuyLocal Deutschland wurde 2012 von fünf Buchhändlern gegründet. Zwei davon kannte ich aus der Zeit beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Sie fragten mich kurz nach der Gründung, ob ich die Initiative nicht ein wenig mit Pressearbeit und Kommunikation unterstützen könnte. Daraus wurde zunächst ein leidenschaftliches Hobby und irgendwann, als die Sache recht schnell immer größer wurde, mein Hauptberuf. Die Themen Regionalität, zunehmender Ladenleerstand oder Verödung von Städten sind überall präsent. Meine Aufgabe, die Initiative bekannt zu machen und das Mitgliedernetz zu vergrö ßern kann ich überall erfüllen. Singen hat mehrere pragmatische Gründe. Die Stadt ist verkehrsmäßig sehr gut angebunden und ich selbst lebe in Gailingen.

Wie finanziert sich der Verein? Von den Mitgliedsbeiträgen?

Nein, mit 120 Euro pro Mitglied kann man nicht allzu viel reißen. Unterstützung bekommen wir von Förderpartnern aus Industrie und Berufsverbänden, unter anderem dem Mittelstandsverbund oder dem Institut fürHandelsforschung in Berlin.

 

Zur Person

Ilone Schönle (38) wurde in Riedlingen, Kreis Biberach geboren. Nach der Schule absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Es folgte ein Studium mit dem Diplom-Abschluss in Medienwirtschaft mit Schwerpunkt Marketing. Rund vier Jahre leitete sie die Marketingabteilung beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt. Dabei lernte sie auch die späteren Initiatoren von Buy Local, allesamt Buchhändler, kennen, die sie nach der Vereinsgründung zunächst um Unterstützung bei Öffentlichkeitsarbeit für die bundesweite Qualitätsoffensive baten.

Sie begeisterte sich schnell für die Idee der regionalen Vermarktung. Seit Juni 2014 leitet sie als hauptamtliche Geschäftsführerin den Verein von Singen aus. Ihr zur Seite stehen zwei festangestellte Mitarbeiter. In Singen haben sich mittlerweile 16 inhabergeführte Unternehmen der Bewegung angeschlossen. Bundesweit hat der Verein rund 500 Mitglieder. (gtr)

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