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Singen Aus Landratten werden Leichtmatrosen

08.09.2011


Bei einem integrativen Segeltörn der Caritas hissten Johanna und Simon die Segel des Kutters „Shalupp“

Singen / Wallhausen – „Klar bei Vorleine?“, fragt Skipper Thomas Szczepanek. „Klar!“, antwortet die Crew. „Klar bei Achterleine?“ – „Klar!“ ruft es zurück. Jetzt fehlt nur noch die Fahne. „Der Bodensee ist ein internationales Gewässer, da müssen wir die Flagge hissen“, erklärt Skipper Thomas. Matrose Uwe zieht an der Leine. Stück für Stück wandert die kleine Deutschlandfahne nach oben. Die Farben sind leicht verblichen, wahrscheinlich hat die Flagge schon viele Tage auf rauer See erlebt. Mit einem tiefen Brummen springt der Motor an und bewegt das Boot langsam über das Wasser. Auf dem Steg schnieft Jörg Hönle kräftig in das Taschentuch. Seine Kollegin Margit Leder steht neben ihm und winkt dem auslaufenden Boot hinterher. Mit einem Abschiedslied schicken die beiden Caritas-Mitarbeiter die „Shalupp“ und ihre Besatzung auf die Reise über den Bodensee.

Im Rahmen der Caritas Kampagne „Kein Mensch ist perfekt – Behinderte Menschen – Menschen wie du und ich“, veranstaltete der Familienunterstützende Dienst (FuD) am Samstag einen integrativen Segeltörn. Mit dem „Verein für sozialpädagogisches Segeln“ fuhren zwei Familien mit den behinderten Kindern Johanna und Simon auf dem Holzkutter „Shalupp“ von Wallhausen nach Überlingen. An Bord waren auch Caritas Geschäftsführer Wolfgang Heintschel, sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des FuD.

Die „Shalupp“ ist ein stattlicher Marinekutter. Der Name steht in weißer, geschwungener Schrift auf dem dunklen, polierten Holz. Zwei Masten ragen majestätisch in die Höhe, die braunen Segel sind noch in weißen Säcken verstaut. Die 14-köpfige Besatzung hat gleichmäßig in dem 8,50 Meter langen Boot Platz genommen und auch die Rollen sind inzwischen verteilt. Simon hat das Steuer übernommen, Johanna ist für den Ausguck zuständig. Sie sitzt am Bug und beobachtet genau das Treiben auf dem See. Bojen ziehen vorüber, die Sonne glitzert im Wasser, ab und an flitzt ein Motorboot vorbei, in der Ferne begegnen sich in regelmäßigen Abständen die Verkehrsschiffe. „Siehst du die Häuser da vorne? Das ist Bodman. Das steuern wir jetzt an“, sagt Skipper Thomas zu Steuermann Simon. Am Anfang ist der Junge noch unsicher und bewegt das Steuer nur ganz sachte. Doch Thomas Szczepanek ermuntert Simon. Behutsam und liebevoll gehen der Skipper und Bundesfreiwilligendienstlerin Maia mit den beiden Kindern um und erklären einfach und präzise die Aufgaben auf dem Schiff.

Jeder ist wichtig und trägt durch die Erfüllung seiner Aufgaben zum Gelingen bei: So lautet das Konzept des sozialpädagogischen Segelns. Alle sitzen in einem Boot und sind füreinander verantwortlich. Der Törn auf der Shalupp ist keine Spazierfahrt. Jeder muss beim Segel hissen mit anpacken. Wissbegierig und voller Tatendrang folgen Johanna und Simon den Anweisungen. „Klar zum Setzen des Groß!“, ruft Skipper Thomas. „Alles klar“ ruft Simon und legt sich mit seiner gesamten Kraft in die Leine.

Je höher das Segel nach oben wandert, desto breiter wird das Lächeln des Jungens. Und auch Johanna ist bereit an der Fock. Als auch das Besamsegel gesetzt ist, nimmt die „Shalupp“ an Fahrt auf. „Du bist das Gaspedal. Du ganz alleine. Wenn das Segel flattert, können wir nicht schnell fahren“, sagt Skipper Thomas zu Simon. Schnell korrigiert der Junge die Leine. Stolz führen Johann und Simon ihre Aufgaben aus. Auf diesem Törn haben sie die Segel in der Hand und bringen ihre Besatzung sicher über den See.

 

 


Integratives Segeln 1
Integratives Segeln 2
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