Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die nahe Singener Zukunft eine Herausforderung wird. Eben erst konnte die Insolvenz des Gesundheitsverbundes abgewendet werden. Doch die Probleme sind damit nicht bewältigt. Dazu kommen noch andere „Großbaustellen“. Kein einfaches Jahr wartet auf uns. Was die Karten sprechen, erklärt der Singener Hellseher Armin Schmidt montags bei Trautmann.
Herr Schmidt, wenn man einen Hellseher bittet, einen Blick in die Zukunft zu werfen, muss die Not schon sehr groß sein. Tatsächlich waren die vergangenen Wochen für die Stadt Singen alles andere als sorgenfrei. Zum Jahreswechsel frage ich Sie: Was kommt auf Singen zu? (Geschwind mischt Armin Schmidt die Karten, nimmt einen konzentrierten Gesichtsausdruck an und legt dann die Tarot-Karten auf den Tisch.)
Da kann ich auch nichts anderes sehen, als das, was der SÜDKURIER in den vergangenen Wochen schon berichtet hat. 2010 und 2011 werden für die Stadt schwierige Jahre werden. Das liegt an der wirtschaftlichen Gesamtsituation und an der Situation der Betriebe. Es wäre aber sehr wichtig, den Mittelstand noch stärker zu fördern, weil er der Garant für die Gewerbesteuereinnahmen ist. Ein Vorteil ist, dass in der Vergangenheit schon viel getan wurde: Stadthalle und viele neue Büroflächen. Trotz der Schwierigkeiten wird sich die Stadt positiv entwickeln. Die Stabilität kommt aus der Vergangenheit.
Wagen wir einen Blick auf das Krankenhaus.
Nach den Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre wird der Gesundheitsverbund 2010 einen schwierigen Start haben. Gravierende Änderungen werden nötig sein. Doch dann zeigen die Karten einen absolut positiven Ausgang.
Was sehen Sie bei der städtischen Wohnbaugesellschaft GVV?
Da kommt im nächsten Jahr ganz eindeutig ein potenter Mieter für den Flachbau, nachdem sich eine andere Behörde (Zoll) zurückgezogen hat.
Und was wird aus dem Kunsthallenareal?
Die weitere Nutzung ist noch alles andere als sicher. Viele Planungsfragen sind noch offen, aber bis Anfang 2011 sollte ein Weg gefunden sein.
Ich will das Schicksal nicht herausfordern. Und es ist mir auch ein bisschen unheimlich, wenn ich um konkrete Prognosen bitte. Schließlich können die Antworten die Menschen ja auch sehr beunruhigen. Sind Sie sich Ihrer großen Verantwortung bewusst?
Ja durchaus. Mir ist vollkommen klar, dass die Menschen, die zu mir kommen, um sich einen Rat für die Zukunft zu holen, ja auch glauben wollen, was die Karten sagen.
Da ist die Grenze zur Scharlatanerie ja ganz nah. Gutgläubigen Menschen lassen sich in der Not doch leicht das Geld aus der Tasche ziehen.
Es gibt im Bereich Esoterik einige schwarze Schafe. Das hat der Verbraucherschutz schon früher ganz kritisch unter die Lupe genommen. Auch ich wurde „under cover“ getestet.
Wo liegen denn die Gefahren?
Es gibt da ein gewisses Suchtpotential. Wenn Menschen in einer schwierigen Situation einen Blick in die Zukunft werfen wollen, weil sie sich Lösungen erhoffen, so ist das nicht ungewöhnlich. Es gibt aber Menschen, die dann täglich anrufen. Das beende ich von mir aus.
Wer sucht bei Ihnen Rat? Und mit welchen Problemen kommen die Menschen zu Ihnen?
Ich berate Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen. Oft ist Verzweiflung der Auslöser: Liebeskummer, Scheidung, eine schwere Krankheit oder Existenzängste im Beruf. Früher waren 80 bis 90 Prozent meiner Kunden weiblich. Heute sind 30 Prozent der Ratsuchenden auch Männer. Oft kommen auch Menschen zu mir, die gerade einen neuen Partner kennengelernt haben und wissen wollen, ob er zu ihnen passt. Es kommen sogar Firmen, die sich bei der Stellenbesetzung beraten lassen.
Das sind allerdings wirklich existenzielle Entscheidungen. Ein falscher Satz könnte Ehen zerstören oder bei Krankheit den letzten Mut rauben. Man beeinflusst den Weg des Andern.
Das ist richtig. Wenn ich sehe, dass jemand ärztliche oder psychologische Hilfe benötigt, dann sage ich das auch ganz deutlich. Ich habe da ein besonders gutes Beispiel: Ich habe bei einer ältere Dame große gesundheitliche Probleme gesehen und ihr dringend den Gang zum Arzt ans Herz gelegt. Die Frau behauptete jedoch, sie fühle sich vollkommen gesund. Mein ernster Rat hat sie dann aber doch etwas verunsichert, so dass sie einen Arzt aufsuchte. Dort wurde dann tatsächlich eine lebensbedrohliche Krankheit entdeckt. Ein paar Stunden später war sie in einer Klinik und wurde operiert.
Können Sie aus den Karten auch etwas über Ihre eigene Zukunft lesen?
Nein, das mache ich nicht. Wenn ich Rat brauche, lasse ich mir von einem Kollegen die Karten legen. So hatte ja auch alles angefangen. Als mein Vater früh und unerwartet starb hatte ich eine Sinnkrise und suchte nach einer Perspektive. Ich ging zu einem Hellseher, der mir eine Richtung für die Zukunft gab. Das interessierte mich so sehr, dass ich mich selber ausbilden ließ. Schon als Kind hatte mein Umfeld mir mediale Fähigkeiten nachgesagt. Ich konnte manches Ereignis vorhersehen.
Haben Freunde Angst vor Ihnen, dass Sie ihnen eine unangenehme Zukunft voraussagen könnten?
Nein, ich halte mich da sehr zurück. Ungefragt gebe ich sowieso keine Ratschläge. Nur wenn ich jemanden in einer großen Gefahr sehe, dann gebe ich ihm eine Warnung.
Fragen: Gudrun Trautmann
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