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Singen

Anlagebetrug: Bis zu 5000 Geschädigte

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Ein spektakulärer Fall von Anlagebetrug wird am Mittwoch vor dem Amtsgericht verhandelt. Bis zu 5000 Anleger wurden Opfer eines Betrügers, der mit Hilfe eines verbotenenen Schneeballsystems über vier Millionen Euro abkassierte.

15 000 Euro hat der Mann aus dem Oberen Hegau, der nicht mit Namen in der Zeitung genannt werden möchte, an den „Club 123-dabei“ und seinen Gründer verloren. 15 000 Euro, die er noch nicht wieder einklagen konnte, da er für einen Anwalt und die Gerichtskosten kein Geld mehr hat. Weil er sich aber in Gesellschaft mit 3000 bis 5000 Geschädigten befindet und weil er sich in gewisser Weise auch für die Anleger verantwortlich fühlt, die er selber gutgläubig in das korrupte System hineingelockt hat, will er heute für maximale Aufklärung sorgen. Dazu hat er – nennen wir ihn Heinz Sauer – ein Netzwerk von Menschen gegründet, die nach und nach die Machenschaften des Singener Angeklagten durchschaut haben.

Ein Rielasinger Opfer versucht nun mit Hilfe des Singener Amtsgerichtes in einem Zivilrechtsverfahren sein Geld zurückzubekommen. Das bestätigt der Amtsgerichtsdirektor Gerhard Busam. In drei anhängigen Strafverfahren laufen die Ermittlungen der Kripo Konstanz noch, wie Michael Aschenbrenner von der Polizeidirektion Konstanz erklärt. Die Geschädigten kommen ebenfalls aus drei Hegau-Gemeinden. Möglicherweise haben noch viel mehr Anleger ihr Geld in dem System verloren.

 

Wie dieses System arbeitete, ist an einem Urteil des österreichischen Landgerichts Feldkirch gut nachvollziehbar. Dort wurde der Gründer des „Clubs 123-dabei“ zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Zwei Jahre sind auf Bewährung ausgesetzt. Für den Rest der Zeit wurde die Untersuchungshaft von März bis Oktober 2008 angerechnet, so dass sich der jetzt in Singen Angeklagte wieder auf freiem Fuß befindet. Vor dem Schöffengericht in Feldkirch hatte der Angeklagte zugegeben, dass er knapp 150 000 Euro des ihm anvertrauten Geldes für private Reisen, den Kauf zweier Autos, ein privates Bauvorhaben und die Halbjahresmiete für eine Wohnung in Liechtenstein ausgegeben hatte, statt es gewinnbringend anzulegen.

Ob die betrügerische Absicht, die das Gericht in Feldkirch erkannte, von Anfang an bestand, mag dahingestellt sein. Offenbar suchte der Angeklagte, der seit 1993 ein Asthmaproblem hat, nach Linderung und kam 2002 mit der Firma Tahitian Noni (TNI) in Kontakt. Diese verkaufte über so genannte unabhängige Produktreferenten den teuren Saft der Frucht aus der Südsee. Der Angeklagte wurde Produktreferent und baute sich einen Kundenstamm auf. Die Provision brachte ihm ein stattliches Nettoeinkommen ein. Wohin mit dem Geld? So kam das – wie sich später herausstellte betrügerische – Anlagesystem „Money Pay“ ins Spiel. Anlegern wurde ein Tageszinssatz von 0,82 Prozent versprochen. Der Angeklagte kombinierte nun die Geldanlage bei Money Pay mit dem Verkauf der TNI-Produkte. Zwischen Januar 2007 und März 2008 zahlten Clubmitglieder rund 4,5 Millionen Euro auf Konten des Angeklagten ein.

Auch Heinz Sauer suchte Linderung eines Gesundheitsproblems und stieß auf Tahitian Noni. So kam er mit dem „Club 123-dabei“ in Kontakt. Anfangs klappte es auch mit den extrem guten Zinsen. „Das hätte auch weiter funktioniert, wenn das Geld der neuen Clubmitglieder immer wieder angelegt worden wäre“, ist Sauer noch heute überzeugt. Sauer hatte ebenfalls kräftig Werbung für das System gemacht und Anleger und Noni-Saft-Abnehmer gefunden. So arbeitet das Schneeballsystem. Ein besonderer Reiz war für den Hegauer, dass es monatlich vier Flaschen Noni-Saft im Wert von 160 Euro geschenkt gab, wenn der Kontostand 1500 Euro betrug. „Der Saft hat mir gutgetan“, sagt Sauer immer noch. Doch dann war es plötzlich aus mit der üppigen Verzinsung seiner Einlagen. Bis er feststellte, dass der Clubgründer das Geld der späteren Anleger nie eingezahlt, sondern selber verbraucht hatte, war das System schon zusammengebrochen.

Bereits im Juni 2007 sei bekannt gewesen, dass „Money Pay“ ein betrügerisches Anlagesystem sei, sagt Sauer. Dennoch habe der Angeklagte noch bis zu seiner Verhaftung im Februar 2008 Gelder eingesammelt und sogar noch die Einzahlungsbeschränkung von 5000 auf 10 000 Euro erhöht. Selbst nach der Verhaftung habe ein Konstanzer Mitglied die Rolle des Clubgründers übernommen und in einem Internetportal massiv für „123-dabei“ geworben. Sauer glaubt, dass in dieser letzten Phase noch zahlreiche weitere Betrugsopfer dazukamen. „Mittlerweile“, so weiß Sauer über die Interessengruppe „Unklarianer“, die sich um Aufklärung bemüht, „fanden sich rund 100 Clubmitglieder bereit, vor deutschen Gerichten zu klagen.“ Eines dieser Verfahren wird morgen in Singen stattfinden.

KOMMENTARE [12]
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Das Letzte

von mucki526 (139 Beiträge) 09.02.2010 12:00

Das Letzte, was in solchen Systemen bis zum Schluss funktioniert, ist das Telefax, bis das Papier aufgebraucht ist, auf dem die Kündigungen der geprellten Anleger ins sonst längst leere Büro flattern. Die meisten Anleger können ihr Geld wohl abschreiben. Erstaunlich ist nur, dass der Trick von der Inaussichtstellung von unrealistischen Megarenditen immer wieder funktioniert. Die Gutgläubigen wachsen halt leider genauso nach wie die Betrüger.
szmtag
was immer...

von checker-one (585 Beiträge) 09.02.2010 12:07

noch fehlt, ist ein saft, der den kleinen teil eventuell vorhandenen hirn's aktiviert...

das täte den trotteln, die solchen betrügern das geld hinterherwerfen wahrscheinlich wirklich gut...
szmtag
Muuuhahaha

von unbekannt 09.02.2010 12:16

"... an den „Club 123-dabei“ und seinen Gründer verloren.!"

Hehe, schon der Anfang des Artikels brachte mich zum lachen Allein der Name ... Wow! Wer einem Typen 15000 Euro gibt, der sein Unternehmen "Club 123-dabei" nennt, muss sehr naiv sein. Und dann bekommt man dafür n paar Flaschen Saft. Herrlich.
szmtag
hihi....

von mcfly (31 Beiträge) 09.02.2010 12:40

Ich kann genauso wie Joystick nur drüber lachen.... Jeder der mehr als 2 Gehirnzellen hat mach bei so einer "Firma" nicht mit.... Money Pay oder Club123- dabei *kopfschüttel* ich lach mich schief
szmtag
zu wenig......

von sponky (19 Beiträge) 09.02.2010 13:47

Bis jetzt kann ich allen zustimmen...Wer einem 123 oder einem Money Pay (sagts ja schon "Geld zahlen"!) 15 TEUR gibt und dann noch behauptet er kann kein Rechtsanwalt bezahlen, der gehört in meinen Augen weggesperrt. Warum ist diese Internetseite 123-dabei eigentlich noch online?
Ach übrigens! Ist hier jemand der zufällig 70.000 EURO anlegen will? Biete 50 % Zinsen am Tag. Einfach hier melden! Absolut seriös und ohne verstecktes Kleingedrucktes
szmtag
Papier ist geduldig

von Kurt.L. (1 Beiträge) 09.02.2010 15:25

Unglaublich aber es ist immer wieder der Fall, dass Unwahrheiten einfach so in Zeitungen verbreitet werden. Der Gründer ist vom Verdacht des Betruges freigesprochen und hatte lediglich einen Buchungsfehler gemacht und damit war der Tatbestand der Veruntreuung gegeben. Alle Gelder der Mitglieder wurden Veranlagt. Wenn sich dieser Heinz Sauer vor lauter Gier dazu hinreißen lässt, all sein Vermögen in ein solches System einzubringen, dann fehlt ihm wirklich Hirn. Ab 1500 hätte er den Noni-Juice bekommen. Ja manche können es einfach nicht glauben, dass sie selbst einen Fehler gemacht haben. Dann draufhauen und mit dem Namen Unklarianer Unwarheiten verbreiten, das passt zu solchen ........
Ich war einer der zahlreichen zufriedenen Mitglieder. Und ich freue mich, dass wir hierbei in der Mehrheit sind. Es sind bisher bei Weitem keine 100 Mitglieder bereit zu klagen. Lediglich 3 haben bisher zu diesem Schritt gegriffen und die ersten Verhandlungen haben ihnen nicht recht gegeben.
szmtag
"Gier frisst H.... !"

von klabika (2 Beiträge) 09.02.2010 21:53

Hallo Kurt ! Schön das von Dir zu lesen. Ich/Wir stehen dazu, daß " GIER WOHL DOCH HIRN AUFFRIST" !
Auch ich bin ein Mitglied dieses 123-dabei-Clubs und habe offensichtlich genauer zugehört in den abendlichen Treffen, wo immer wieder darauf, klar und deutlich, hingewiesen wurde, daß keiner mehr Geld investieren solle, als er absolut ion der Lage ist schmerzfrei verlieren zu können. Die Anlage sei absolut mit hohem Risiko verbunden und könne auch verloren gehen. Was der Clubgründer aber nicht hoffen wolle.
Nur jeder von uns hatte die Möglichkeit dadurch, bei dem geringsten Einsatz von 10,-- Euro und der entsprechenden Wartezeit, den , für uns "SUPER-NONI-SAFT" zu bekommen. Das, wenn man erlich ist, ist aber verdient und nicht geschenkter Saft. Nur Zeit ist bei aufkommender GIER wohl eine Nebensache.
Also bitte ich/wir, meine Downline und ich, bleibt doch FAIR und MENSCHLICH KORREKT !!!123-
szmtag
"selber Schuld" - da täglich die Rahmenbedingungen...

von rowofu (1 Beiträge) 10.02.2010 19:17

Leider kann ich die ersten (obigen) Kommentare nicht wirklich verstehen. Täglich wurden im Internet Konferenzen angeboten und auch explizit darauf verwiesen, Interessenten vor Einzahlung des Geldes in die Konferenzen einzuladen, damit Sie sich selbst ihr eigenes Bild machen können. Wer dies nicht getan hat und einer Zweit- oder Drittmeinung mehr vertraut hat - soll nun auch direkt zu der Person gehen, die Ihn zu dieser Idee und Aktivität gebracht hat und auch dort die Verantwortung einfordern.
szmtag
Betrug oder Gier?

von matztob (1 Beiträge) 10.02.2010 19:32

Mit Erstaunen habe ich den Bericht über den Anlagebetrug gelesen. Ohne weitere Informationen glaubhaft, doch da ich auch zu den Geschädigten zähle sträuben sich mir die Nackenhaare. Wer sich infomiert hat konnte feststellen, daß die unglaublichen Zinssätze auf den entsprechenden Märkten durchaus realistisch sind- aber eben mit maximalem Risiko.
Wenn Herr Sauer 15.000 Euro verloren hat ist ihm entgangen, daß in jeder Internetkonferenz mehrfach auf das 100- prozentige Risiko hingewiesen worden ist. Weiter wurde gebeten, kein unentbehrliches Geld einzulegen und die Einlage nach drei Monaten wieder herauszunehmen, um die Zinsen weiterarbeiten zu lassen.
Die Obergrenze war auf 5000 Euro begrenzt und wurde erst auf Bitten einiger Zocker kurzzeitig erhöht.
Dieses Vorgehensmuster passt nicht so recht zum Betrugsversuch, siehe auch das Urteil des Landgerichts Feldkirch.
Bleibt wohl nur noch zu sagen, daß jeder, der Geld verloren hat selbst Fehler gemacht hat in seiner Gier.
szmtag
Aus der Traum?

von Birgit.T. (1 Beiträge) 11.02.2010 13:22

Schneller Reichtum, der quasi von selbst entsteht, welch ein Traum. Dachte wohl auch Herr Sauer. Auch ich hatte diesen Traum, doch ich war mir der Regeln und Risiken im Club bewußt, ich hatte mich vorher informiert, Herr Sauer hatte das wohl nicht nötig. Schade, daß einige Mitglieder das System durch zu große Gier torpediert und so allen Schaden zugefügt haben. Und plötzlich sind diejenigen Schuld, an deren Regeln man sich nicht gehalten hat, deren Warnungen und Empfehlungen ungehört verhallt sind.
Das Landgericht Feldkirch war wohl anderer Meinung, da der Gründer des Clubs wegen einem buchhalterischen Fehler verurteilt wurde, in Bezug auf den Anlagenbetrug aber ein Freispruch erfolgt ist. Dieses kleine aber elementare Detail scheint den 'Unklarianern' wohl entgangen zu sein, aber das kennen wir ja schon von den Regeln, Warnungen und Empfehlungen zu Clubzeiten. Hoffen wir für sie, daß sie wenigstens lernfähig sind.
szmtag
Ich bin es noch einmal !!!!

von klabika (2 Beiträge) 13.02.2010 12:34

Ich will mich hier nur auf den letzten Absatz des Artikels beziehen und die Aussage des Klägers S:" Ein Konstanzer Mitglied habe die Rolle des Clubchefs übernommen und weiter für 123-dabei geworben !" Uns allen, die an die Sache geglaubt haben und so wie ich auch heute noch daran glauben, hat die Maßnahme (Für mich /uns war es eine Unterstützung für den Club-Gründer wärend seiner Inhaftierung ) rein emotionale Hintergründe gehabt. Ich/Wir bitten euch "Unklarianer" nochmals : " Werdet wach und denkt nur ein klein wenig an etwas weniger GIER !" Dann kommt, auch bei evntuellem Verlust, ein wenig eigene Zufriedenheit auch zu euch zurück !"
szmtag
Traurig !!!!!!!!

von Aggi (1 Beiträge) 13.02.2010 15:30

Auch wir gehören zu denen, die an den Infoabenden genau zugehört haben. Jedes Mal wurden wir mehrfach darauf hingewiesen, daß das Geld mit einem sehr hohen Risikofaktor angelegt wird. Man sollte deshalb nur soviel Geld anlegen wie man problemlos entbehren kann, also wirklich übrig hat. Warum wird der Clubgründer also angeklagt? Wir persönlich würden uns sehr schämen.

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Autor: Gudrun Tautmann
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