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Singen AfD-Landtagskandidat Wolfgang Gedeon warnt vor Islamisierung

Er bezeichnet sich selbst als Mann mit drei Existenzen: Der pensionierte Arzt und leidenschaftliche Philosoph Wolfgang Gedeon ist AfD-Landtagskandidat in Singen-Stockach. Er ist AfD-Mitglied der ersten Stunde und schreibt Manifeste zur Parteipolitik.

Wenn Wolfgang Gedeon vor rund 30 Leuten im Gasthaus Hirschen in Stockach-Windegg spricht, wirkt er sich seiner Sache sicher. Jede Woche stehen derzeit solche Termine in seinem Kalender. Der 68-Jährige ist Landtagskandidat der Alternative für Deutschland, kurz AfD, im Wahlkreis Singen-Stockach und spricht bei dieser Wahlkampfveranstaltung von zwei gefährlichen Gegnern: Islamisierung und Amerika. .

Wolfgang Gedeon ist ein Überzeugungstäter. „Ich habe darauf gewartet“, sagt er auf der heimischen Couch in Rielasingen-Worblingen sitzend, „auf eine Partei, die den Platz der ehemaligen CDU einnimmt.“ Also trat er 2013 in die frisch gegründete AfD ein. „Eine Partei im Werden“, die einen Nährboden für seine Gedanken biete. Seine Position beschreibt der pensionierte Allgemeinmediziner mit einer Metapher: „Mir geht es darum, dass das Schiff fährt.“ Das bedeute, dass man nach rechts gegensteuern müsse, wenn das Boot nach links kippe. Und Rechtssteuern bedeutet für ihn aktuell, vor einem Verlust der deutschen Kultur zu warnen.

Er will das Nationale betonen

Die Flüchtlingspolitik ist bestimmendes Thema der AfD geworden. „Es stimmt nicht, wenn man sagt, das Nationale ist alt“, sagt Gedeon. Er glaube nicht an eine progressive, fortschrittliche Entwicklung, sondern an einen Wechsel von internationalen und nationalen Phasen. Nach dem Nationalsozialismus sei es logisch gewesen, offen für Fremdes zu sein, doch spätestens Ende der 1980er Jahre hätte man gegensteuern müssen. Jetzt sei Zeit für eine nationale Phase, sagt er.

Beim Wahlkampf in Windegg sieht Gedeon auch Freunde auf dem politischen Spielfeld: Assad und Putin seien Opfer einer Buhmannpolitik, die USA dagegen verantwortlich für den Bürgerkrieg und das Asylproblem. „Entweder Assad oder das Chaos, entweder Russland oder Islamismus“, wirft Gedeon in den Raum. Die USA sieht er als Feind: Die Islamisierung Europas sei ein Bauernopfer der Amerikaner, um sich mit der Türkei als Verknüpfungspunkt von Europa und Asien gut zu stellen.Am Beispiel von Türken zeigt Gedeon seine Sicht der Innenpolitik: „Türken sind nette Leute, Deutsche sind nette Leute“, sagt er, „aber sie passen nicht zusammen.“ Persönlich habe er keine Berührungsängste – der Mediziner sagt, in seiner Praxis wären 20 Prozent der Patienten türkischer Herkunft gewesen. Dennoch sehe er die Unterschiede, die er an der Religion festmacht.„Nicht jeder Islamist ist ein Terrorist, doch jeder Terrorist ist ein Islamist“, sagt er in Stockach-Windegg. Islamismus bedeute die gewaltsame Ausrottung des Christentums, schreibt Gedeon in einem seiner Aufsätze. Entsprechend sieht er die Willkommenskultur als Gefahr: Deutsche würden in einer fremden Kultur aufgehen, „die ethnokulturelle Existenz Deutschlands ist im Grunde gefährdet“. Auf die Frage, ob die AfD mit solchen Thesen gezielt Angst für ihren Wahlkampf nutze, entgegnet Gedeon: „Die Frage ist nicht, ob es schlecht ist, Angst zu machen, sondern ob es ein reales Objekt gibt. Meine Version ist mindestens genauso möglich wie die anderer.“

Multikulti als Salz in der Suppe

Gedeon wählt ein Sinnbild für seine Vorstellung von Integration: „Multikulti ist das Salz in der Suppe.“ Ohne schmecke es nicht, doch ein Salzfass verkrafte man nicht. Auf die Frage, ob er die Not von Flüchtlingen und Asylbewerbern nicht verstehe, antwortet er: „In der Politik können Sie nicht mit Einzelschicksalen arbeiten.“ Natürlich herrsche dort Krieg, räumt er ein, aber: „Die Deutschen müssen lernen, dass sie für sich und Deutschland verantwortlich sind und nicht für die ganze Welt. Wir sind jetzt mutterseelenallein mit unserem Wahn.“Wolfgang Gedeon bezeichnet sich als Mann mit drei Existenzen: einer ärztlichen, einer philosophischen und einer politischen. „Der Vietnamkrieg war der Auslöser“, sagt Gedeon über seine politische Laufbahn. Schon mit 13 Jahren habe er sich für Politik und Philosophie interessiert, während seiner Zeit als Arzt habe ihn aber keine Partei so richtig angesprochen. Die philosophische Existenz habe mit dem Verkauf seiner Praxis im Jahr 2005 an Gewicht gewonnen. Anschließend schrieb er eine 1800-seitige Trilogie über christlich-europäische Leitkultur unter dem Pseudonym W.G. Meister. Seine Ansichten schildert er in zahlreichen Aufsätzen, die er auf seiner Homepage veröffentlicht.

Darin findet sich auch ein Bekenntnis zu Pegida, kurz für Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes: „Die AfD braucht Pegida als wichtiges Instrument zur Umsetzung ihrer Politik in breiten Schichten der Bevölkerung.“ An anderer Stelle ist zu lesen: „Offensichtlich ist es das Ziel der Berliner und Brüsseler Politik, den deutschen Staat via EU und das deutsche Volk via Verdünnung in einer multikulturellen Zuwanderungsgesellschaft vollständig aufzulösen.“Angesichts der düsteren Befürchtungen, die Wolfgang Gedeon für Deutschlands Zukunft nennt, sitzt er gelassen auf seinem Sofa. Seine dritte, die politische, Existenz ist seit einigen Monaten ein neuer Schwerpunkt in seinem Leben. Dabei sei seine Kandidatur aus der Not geboren, schließlich braucht in Baden-Württemberg jeder Wahlkreis einen Kandidaten, damit die Stimmen nicht verloren gehen.

Mediziner, Buchautor und Politiker

Persönliches: Wolfgang Gedeon wurde 1947 im bayrischen Cham geboren und eröffnete nach dem Medizinstudium in Würzburg und München eine Praxis in Gelsenkirchen. Die gab er 2005 nach 30 Jahren auf und zog 2006 nach Rielasingen-Worblingen, wo er an einer 1800-seitigen Trilogie mit philosophischer Ausrichtung schrieb. Gedeon ist seit 43 Jahren verheiratet, hat drei Kinder und acht Enkelkinder. Seine politischen Bücher hat er unter dem Pseudonym W.G. Meister geschrieben, seine Aufsätze stehen auch unter www.wgmeister.de.

Wahlprogramm: Wolfgang Gedeon setzt sich unter anderem für Grenzen in der Asylpolitik und ein Europa von eigenverantwortlichen Staaten ein. Er möchte das traditionelle Familienbild stärken und fördern. Dazu gehöre, Homosexualität zu tolerieren, aber nicht zu propagieren. Abtreibung als „Konzeptionsverhütung“ lehnt er ab, das sei kein Menschenrecht, sondern eine Maßnahme in der Not. Auch die Frauenquote findet nicht seine Zustimmung.

Der Ersatzkandidat: Steffen Jahnke ist Schatzmeister des AfD-Kreisverbands Konstanz und seit 2014 politisch aktiv. Als Motiv für seinen Einsatz nennt der 47-Jährige unter anderem Fehlentwicklungen in der Eurorettung sowie soziale Ungerechtigkeiten. Jahnke arbeitet als kaufmännischer Betriebswirt in einem Baufachbetrieb, zuvor machte er seinen Meister im Hochbau. Er lebt nach Stationen in Berlin, Dresden und Würzburg in Steißlingen und ist verheiratet.

Podiumsdiskussion: Der SÜDKURIER richtet seine Podiumsdiskussion mit sechs Landtagskandidaten für den Wahlkreis Singen-Stockach in der Seeblickhalle in Steißlingen aus. Beginn ist am Dienstag, 8. März, um 19 Uhr. Einlass ab 18.30 Uhr.


 

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