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Rialsingen-Worblingen Worblinger Sielmann-Weiher bietet bald eine neue Heimat für bedrohte Arten

Endspurt der Bauarbeiten: 100 Jahre nach der Geburt des Stifters investiert die Sielmann-Stiftung 350 000 Euro in Worblingen für ein großes Stillgewässer am Ortsrand

Die ersten Enten haben sich bereits im neuen Sielmann-Weiher bei Worblingen eingelebt, auch wenn die offizielle Eröffnung erst für Dienstag, 11. Juli, angekündigt ist. So lange wollen die künftigen Bewohner des neuesten Projekts im Biotopverbund Bodensee wohl nicht warten, zumal die regnerischen Tage erste Tümpel im Bauprojekt hinterlassen haben.

Auch die Initiatoren hatten ursprünglich nicht vor, so lange zu warten. Wunschtermin war der 2. Juni. Just zum 100. Geburtstag des Stiftungsgründers Heinz Sielmann sollte das jüngste Projekt der Sielmann-Stiftung im Bodenseeraum abgeschlossen werden. "Das ist unser Beitrag im Biotopverbund Bodensee zum Jubiläumsjahr", erklärt Sindy Bublitz, Projektmanagerin für den Biotopverbund. Doch das Wetter hat den Bauarbeitern einen Strich durch die Rechnung gemacht. "In den vergangenen Wochen war der Boden zu nass", so Bublitz. Das schwere Gerät habe so nicht zum Einsatz kommen können. Zwangspause war angesagt. "Aber jetzt gehen wir davon aus, dass die Bauarbeiten noch in dieser Woche abgeschlossen werden können", zeigt sich Alfred Müller von der ausführenden Rottweiler Baufirma zuversichtlich. Inzwischen zeichnet sich das ganze Ausmaß des Naturschutzvorhabens deutlich ab. Die Form des Weihers wird sichtbar, der Bodenaushub ist abgeschlossen und die Konturen lassen Uferlinie, zwei Inseln und den Erddamm zum Abfangen des leicht geneigten Geländes erkennen. "Auch der das Gewässer auf der nördlichen Seite einrahmende Damm ist bereits zu einem großen Teil geschüttet worden. Der zum Abdichten des Damms benötigte Ton konnte in guter Qualität direkt im Projektgebiet abgebaut werden", berichtet Bublitz.

Sindy Bublitz leitet als Projektverantwortliche der Sielmann-Stiftung die Bauarbeiten. Bild: Matthias Biehler
Sindy Bublitz leitet als Projektverantwortliche der Sielmann-Stiftung die Bauarbeiten. Bild: Matthias Biehler | Bild: Matthias Biehler

Die trockenen Tage der vergangenen Woche hätten den Untergrund nun wieder so fest werden lassen, dass die Bauarbeiten fortgesetzt werden können. Ganz aktuell wurde entschieden, dass eine Ablassvorrichtung in das Gewässer eingebaut werde. Diese ermögliche ein kontrolliertes Ablassen des Weihers, vor allem zu Pflegezwecken. "Wir rechnen damit, dass die Bauarbeiten bis Ende Mai abgeschlossen sind", so die Fachfrau vom Biotopverbund Bodensee. "Als nächster Schritt wird die Befüllung in die Wege geleitet", erklärt Matthias Möhrle, der Umweltbeauftragte von Rielasingen-Worblingen. Er freut sich schon auf die offizielle Einweihung: "Das ist ein tolles Projekt und der Standort ein Glücksfall", so Möhrle. Zunächst war das Projekt im Ried zwischen Rielasingen und Ramsen geplant. Bei Worblingen sei nun aber ein Ort gefunden, an dem ein Stillgewässer reaktiviert werden konnte und das direkt am Premiumwanderweg liege. "Und die Aussicht ist auch überwältigend", nennt Möhrle die Huckepack-Wirkung: Eine Umweltschutzmaßnahme wird ganz nebenbei zum Naherholungsziel.

Der Sielmann-Weiher sei ein weiterer wichtiger Baustein im Biotopverbund. Die Heinz-Sielmann-Stiftung schafft seit 2004 ein Netz von neuen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen rund um den Bodensee. "Möglichst engmaschig soll es werden, damit sich Tier- und Pflanzenbestände erholen und verschwundene Arten zurückkehren können", erklärt die Projektverantwortliche Sindy Bublitz. Etwa hundert Biotopbausteine an über 30 Standorten konnten bereits gemeinsam mit Städten und Gemeinden geschaffen werden. Neben neu angelegten Stillgewässern umfasst das Projekt auch aufgewertete Streuobstwiesen und extensive Weideprojekte. "Innerhalb kürzester Zeit besiedelten zahlreiche Vogelarten, Amphibien, Tagfalter und Libellen die neu geschaffenen Biotope", sagt Bublitz. Dieser Erfolg sei die beste Motvation für die Arbeit.

Inzwischen zeichnet sich das ganze Ausmaß des Naturschutzvorhabens deutlich ab. Die Form des neuen Sielmann-Weihers in Worblingen wird sichtbar, der Bodenaushub ist abgeschlossen und die Konturen lassen Uferlinie, zwei Inseln und den Erddamm zum Abfangen des leicht geneigten Geländes erkennen. Bild: Matthias Biehler
Inzwischen zeichnet sich das ganze Ausmaß des Naturschutzvorhabens deutlich ab. Die Form des neuen Sielmann-Weihers in Worblingen wird sichtbar, der Bodenaushub ist abgeschlossen und die Konturen lassen Uferlinie, zwei Inseln und den Erddamm zum Abfangen des leicht geneigten Geländes erkennen. Bild: Matthias Biehler | Bild: Matthias Biehler

Das Ziel sei, Vielfalt wieder aufblühen zu lassen. Nicht zuletzt die Insekten hätten unter der modernen Wirtschaft zu leiden. "Die Landschaft wird vor allem ökonomisch betrachtet, da bleibt kaum Platz für Leben", erläutert die Landschaftsplanerin. Mit dem Biotopverbund soll dem entgegengetreten werden. Denn die Bedeutung der Tierwelt werde unterschätzt. Insekten seine wichtige Nahrungsgrundlage für Vögel und Amphibien. Deshalb sollte die historische Kulturlandschaft nicht nur als Naturjuwel, sondern auch als Lebensgrundlage für Tier und Mensch betrachtet werden.

Der Biotopverbund

Der menschliche Nutzungsdruck auf die Landschaft führt dazu, dass wertvolle Lebensräume verloren gehen. Dies erschwert den genetischen Austausch der Arten, so dass Tier- und Pflanzenvorkommen Zug um Zug verschwinden. Um dem Artenrückgang entgegenzuwirken, rief die Heinz Sielmann Stiftung 2004 auf Initiative des Ornithologen Peter Berthold das Naturschutzprojekt Biotopverbund ins Leben. 2014 wurde es von der UN Dekade Biologische Vielfalt als vorbildlich ausgezeichnet. (bie)

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