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Rielasingen-Worblingen „Der Mittelstand wird ausgeplündert“

Eike Hamer beschäftigt sich intensiv mit den Auswirkungen der Finanzkrise auf den Mittelstand. Auf Einladung der Bücherstube Rielasingen war er im Hegau.

Eike Hamer, Finanzexperte und Herausgeber des Infobriefs „Wirtschaft aktuell“, sprach auf Einladung der Bücherstube Rielasingen.
Eike Hamer, Finanzexperte und Herausgeber des Infobriefs „Wirtschaft aktuell“, sprach auf Einladung der Bücherstube Rielasingen.

Der SÜDKURIER sprach mit ihm.

Welche Folgen der Krise sehen Sie für Inhaber geführte Unternehmen?

Für Inhaber geführte Unternehmen sind Privat- und Firmenvermögen Haftungsbasis für betriebliche Kredite, Sozialkosten der Mitarbeiter, Altersversicherung und Reservepolster für ‚schwierige Zeiten‘. Das Vermögen ist also Existenzgrundlage. Mit dem ESM zwingt die Bundesregierung den deutschen Steuerzahler – und das sind zu 80 Prozent netto der Mittelstand – in die Haftungsunion mit Ländern, die ‚pleite‘ sind. Das bedeutet, dass der Mittelstand vor neuen ‚Plünderungswellen‘ durch die Bundesregierungen stehen. Das Geld, welches an die Investoren in Pleitestaaten bezahlt werden muss, muss ja irgendwo herkommen. Da bei den Pleitestaaten jetzt schon kaum etwas zu holen ist, müssen die Deutschen und dort wiederum der Mittelstand und die Inhaberunternehmen verstärkt ausgeplündert werden.

Welche Rolle spielen dabei Banken und die Rating-Agenturen?

Die Banken sind eine unheilige Allianz mit den Regierungen eingegangen. Sie haben sich für die Staatsfinanzierung hergegeben und bekommen dafür Privilegien, Bürgschaften und – wie wir jetzt wissen – unlimitierte Staatshilfen. Die Ratingagenturen unterstützen diejenigen Banken bei ihren Spekulationen, welche denselben Eigentümern gehören. Die Ratingagenturen sind also bloße Handlanger.

Sie kritisieren die Regelungen der Basel-2-Richtlinien. Warum?

Zum einen geht Basel 2 und jetzt auch Basel 3 völlig am Mittelstand vorbei, weil es dessen Eigenarten überhaupt nicht berücksichtigt und zum Anderen diskriminiert es den Mittelstand, indem es für ihn besondere Kredithindernisse schafft. Mittelstandskredite sind eigentlich persönliche Kredite. Diese dürfen die Banken nur noch gegen ‚Strafgebühren‘ in Form höherer Hinterlegungsquoten bei der EZB vergeben. Ein weiterer Skandal an den Basel-Regelungen ist, dass sie lange vor der Finanzkrise eingeführt wurden, um angeblich Bankenschieflagen zu verhindern. Seit der Bankenkrise wissen wir aber, dass die Regelungen die Probleme erst verursachen.

Fragen: Matthias Biehler

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